Harte Zeiten für Verbraucher
Inflation steigt im Februar auf 5,1 Prozent – Ukraine-Krieg noch nicht eingerechnet
Die Inflation ist in Deutschland im Februar 2022 gestiegen. Harte Zeiten für Verbraucher. Zumal der Ukraine-Krieg den Preisdruck weiter antreiben könnte.
Wiesbaden – Während im Januar noch ein leichter Rückgang zu verzeichnen war, ist die Inflationsrate im Februar 2022 wieder gestiegen. Im Schnitt mussten Verbraucher für Konsumgüter, aber auch für Dienstleistungen 5,1 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Darüber informiert das Statistische Bundesamt (StBA) in Wiesbaden am Dienstag, 1. März 2022. Und: der Ukraine-Krieg* und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen sind bei den aktuellen Werten noch nicht einmal berücksichtigt.
Inflationsrate steigt im Februar 2022 in Deutschland auf 5,1 Prozent – Auswirkungen durch Ukraine-Krieg noch nicht mal berücksichtigt
Grund für die gestiegene Inflationsrate seien laut dem Statistischen Bundesamt vor allem die anziehenden Energiepreise. Demnach hätten sich Haushaltsenergie, aber auch Sprit im Februar 2022 um 22,5 Prozent verteuert. Der Anstieg der Teuerungsrate war zuvor von Ökonomen bereits prognostiziert worden.
Zur Einordnung: Im Dezember 2021 hatte die Inflationsrate mit 5,3 Prozent den höchsten Stand seit fast 30 Jahren erreicht. Den Monat darauf, im Januar 2022, war die Inflationsrate wiederum auf 4,9 Prozent gesunken. Nun kommt jedoch der von Russlands Präsident Wladimir Putin geführte Ukraine-Krieg erschwerend hinzu.
Ukraine-Krieg lässt keine seriösen Prognosen über Entwicklung der Inflationsrate zu
Wegen der militärischen Intervention Russlands in der Ukraine werfen Fachleute ihre bisherigen Prognosen für die weitere Entwicklung der Inflationsrate über den Haufen. Schließlich müssten zu viele Faktoren und Unwägbarkeiten berücksichtigt werden. De facto ist Russland ein großer Energielieferant. Die Sanktionen des Westens, aber auch Gegenmaßnahmen Russlands dürften zu erneut ansteigenden Energiepreisen führen.
Dass die Inflation im Februar wieder die Marke von fünf Prozent übersprungen hat, liegt nicht nur an der teureren Energie, wobei die Effekte des Ukraine-Kriegs noch gar nicht in den Inflationszahlen berücksichtigt sind.
Auch abseits der Energie würden die Verbraucherpreise wieder kräftig zu legen. „Dabei dürfte es in den kommenden Monaten bleiben, weil sich der Anstieg der vorgelagerten Produzentenpreisen wegen der Materialengpässe bis zuletzt beschleunigt hat“, merkt Chefvolkswirt Jörg Kramer von der Commerzbank an.
„Viel Preisdruck in der Pipeline“: Nord Stream 2 liegt auf Eis – Deutschland setzt auf Flüssigerdgas statt Erdgas aus Russland
Sollten die wegen des Ukraine-Kriegs gestiegenen Energiepreise auf dem aktuellen Niveau verharren, werde die Inflationsrate im März 2022 gar die Marke von 5,5 Prozent überspringen. So lautet die Prognose von Jörg Kramer. „Es ist unglaublich viel Preisdruck in der Pipeline“, befindet der Chefvolkswirt der Commerzbank – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Schließlich liegt die eh schon umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 vorerst auf Eis. Deswegen muss sich nicht zuletzt Deutschland nach Alternativen zur Erdgas-Versorgung durch Russland umschauen. Eine Lösung stellt Flüssigerdgas dar, entsprechende LNG-Terminals sollen in Wilhelmshaven und Brunsbüttel entstehen. Milliardenschwere Projekte, die natürlich auch eine gewisse Vorlaufzeit brauchen.
Inflationsrate 2022: Wert in Deutschland könnte über 6 Prozent liegen – wenn der Ukraine-Krieg zu dauerhaft höheren Gaspreisen führt
Bleibt zum Schluss der Blick in die nähere Zukunft. Für 2022 hält das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Inflation von bis zu 6,1 Prozent in der Bundesrepublik für möglich. Vorausgesetzt, eine weitere Eskalation in der Ukraine führt zu höheren Gaspreisen. Erst 2021 waren die Verbraucherpreise mit 3,1 Prozent so enorm angestiegen wie seit 1993 nicht mehr.
Zahlen, die nicht immer greifbar wirken, sich aber konkret auf die Realität projizieren lassen. Denn eine höher Inflation, sei es mit einer fünf oder einer sechs vor dem Komma, schwächt die tatsächliche Kaufkraft von Verbrauchern. Sie können sich in diesem Szenario nämlich für einen Euro weniger kaufen, als es zuvor der Fall war.
Damit ist natürlich keinem geholfen. Und zeigt nicht zuletzt auf, wie sehr der Ukraine-Krieg nicht nur die Politik beschäftigt, sondern auch die Menschen in Deutschland allein auf finanzieller Ebene betrifft. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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