Bundestagswahl 2021
Jan Böhmermann wirft CDU und FDP Stimmenfang mit geheimen Nutzer-Daten vor
Im ZDF Magazin Royale wirft Jan Böhmermann insbesondere CDU und FDP vor, „schmutzige Tricks“ im Online-Wahlkampf zu nutzen. Im Mittelpunkt steht Facebook.
Berlin - Kurz vor der Bundestagswahl 2021 hat der gebürtige Bremer Jan Böhmermann „eine echte Power-Recherche“ in seiner ZDF-Show Magazin Royale angekündigt. Darin geht es um unmoralische Tricks der Parteien, um Wählerinnen- und Wählerstimmen zu gewinnen. Vor allem die FDP gerät in Böhmermanns Reportage in die Kritik. Im Visier: „Micro Targeting“, eine Strategie, bei der mit gezielten Kampagnen Wählerinnen und Wähler auf Social Media angesprochen worden sein. Besonders Unternehmen wie Facebook sind für Methoden dieser Art bekannt.
| Satiriker | Jan Böhmermann |
| Geboren | 23. Februar 1981 (Alter 40 Jahre) |
| Geburtsort | Bremen |
| Sendung | Neo Magazin Royale (ZDF) |
Beim „Micro Targeting“ werden riesige Mengen von Daten über Internetnutzerinnen und Nutzer gesammelt, um die Werbung gezielt an die Menschen zu bringen. In der Reportage nennt Simon Kruschinski, Medienforscher der Universität Mainz, diese Strategie „Überwachungswerbung“.
Böhmermann: Keine Wahlwerbungs-Regeln auf Facebook
In Deutschland sei Wahlwerbung streng geregelt, auch wenn zuletzt Plakate der rechtsextremen Splitterpartei „Der III. Weg“ daran wohl einige Zweifel aufkommen lassen haben dürften. Doch auf Facebook werde insgesamt „auf Regeln geschissen“, so Böhmermann. Besonders in einem Wahlkampf sei diese Methode besonders attraktiv.
Unsere Daten stammen von Zuschauerinnen von Magazin Royale. Und die sind nun mal keine Nazis
Die Transparenz-Initiative „Who targets me?“ hat dank der Unterstützung von mehr als 17.000 Zuschauerinnen und Zuschauern vom Magazin Royale Daten über angezeigte Facebook-Werbungen gesammelt. Das Ergebnis: Man würde „jeder Wählerin genau das versprechen, was sie hören will“, erklärt Böhmermann.
Böhmermann: Christian Lindner sieht aus wie ein Alpha
Besonders gezielt spreche die FDP dabei Personen an, die sich für Immobilieneinlagen und Finanzen interessieren würden. Wer sich jedoch beispielsweise insbesondere für das Klima interessiert, bekäme Slogans der FDP - bei der in diesem Jahr auch die jüngste Bundestags-Kandidatin antritt - angezeigt, in denen die Partei Klimaschutz verspricht. Wer sich dafür nicht interessiere, bekomme hingegen das Gegenteil in der Wahlwerbung versprochen. Eines hätten beide Werbungen gemeinsam: „Christian Lindner sieht auf beiden Anzeigen aus wie ein Alpha.“ Zuletzt hatte SPD-Mann Kevin Kühnert Linder noch als „Luftikus“ bezeichnet.
Auch die CDU habe Daten von Facebook verwendet. Doch das sei nicht alles, was sich die CDU in Sachen Online-Wahlkampf vorzuwerfen habe.
Bundestagswahl 2021: Analyse-Firma auch für Trump-Wahlsieg mitverantwortlich
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern habe die CDU Mecklenburg-Vorpommern laut Böhmermann mit „Campaigning Bureau - we love Campaigning“ eine PR-Firma für Micro Targeting beauftragt. Das Unternehmen aus Wien hatte 2017 versucht, mit Cambridge Analytica zusammenzuarbeiten – jenem Daten-Spezialisten, der persönliche Daten von fast 90 Millionen Facebook-Nutzer missbraucht hat und mittlerweile aufgelöst wurde. Cambridge Analytica soll auch zum US-Wahlsieg von Donald Trump beigetragen haben.
Über die AfD lasse sich laut Jan Böhmermann nichts sagen. Dafür hat er eine einfache Erklärung: „Unsere Daten stammen von Zuschauerinnen von Magazin Royale. Und die sind nun mal keine Nazis.“ Wie viele Prozente die Parteien am Ende holen können und wie erfolgreich die Wahlkampagnen waren, zeigt sich wohl erstmalig mit einer ersten Gewissheit am Sonntag, 26. September 2021, mit den ersten Hochrechnungen.* kreiszeitung.de ist Angebot von IPPEN.MEDIA.