Erneuerbare Energien
Klimawandel in Deutschland: Mehr Windräder in Betrieb genommen
Erneuerbare Energien gewinnen stark an Bedeutung. In diesem Jahr wurden 345 Anlagen in Betrieb genommen. Und auch die Schifffahrt will künftig klimaneutral werden.
Berlin/Kiel – Wie verlangsamt man den Klimawandel? Während die Staatschefs der Länder bei der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow über die Klimaziele der kommenden Jahre diskutieren und unter anderem die zunehmende Entwaldung auf der Erde stoppen wollen*, wird in Deutschland verstärkt die Windkraftgewinnung ausgebaut. Bundesweit sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr neue Windenergieanlagen an Land in Betrieb genommen worden als im Vorjahreszeitraum. Spitzenreiter ist Brandenburg mit 76 Anlagen, gefolgt von Niedersachsen (71), Nordrhein-Westfalen (50) und Schleswig-Holstein (48).
| Klimagipfel: | UN-Klimakonferenz 2021 |
| Datum: | So., 31. Okt. 2021 – Fr., 12. Nov. 2021 |
| Ort: | Glasgow, Scottish Exhibition and Conference Centre |
| Teilnehmer: | Etwa 200 Staaten |
Angesichts extremer Wetterlagen und Flutkatastrophen spielte das Thema Klimaschutz auch schon im Wahlkampf vor der Bundestagswahl eine wichtige Rolle und die Parteien steckten unterschiedliche Ziele ab.
Wie ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Umwelt- und Energiewendeministeriums gegenüber kreiszeitung.de mitteilte, entwickelt sich der norddeutsche Raum bereits heute schon zu einem bedeutenden Windenergie-Standort für die Gewinnung von erneuerbaren Energien. Insgesamt seien in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 150 neue Windkraftanlagen genehmigt worden. Dass Strom aus erneuerbaren Energien zunehmend an Relevanz gewinnt, bestätigt auch eine aktuelle Auswertung der Bundesnetzagentur: So lag die Strommenge in Schleswig-Holstein aus erneuerbaren Energien im Jahr 2020 auf einem Allzeithoch.
Klimawandel: Deutlich mehr Windenergieanlagen in Schleswig-Holstein in Betrieb genommen
Dass dies keine einmalige Erscheinung war, zeigt der Blick auf die neusten Entwicklungen: „Auch die aktuellen Zahlen aus den ersten zwei Quartalen 2021 bestätigen diesen Trend“, so der Sprecher. Durch den menschengemachten Klimawandels seien zudem umfangreiche strukturelle Veränderungen notwendig. Auch die Parteien einer möglichen Ampelkoalition sind sich bewusst, dass der Klimawandel zunehmende Relevanz hat, weswegen sie viele Maßnahmen anstoßen wollen.
Insgesamt wurden in Deutschland in diesem Jahr 345 Anlagen mit einer Leistung von 1,4 Gigawatt in Betrieb genommen – das ist bei der Leistung ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, dass es mit einem starken vierten Quartal gelingen könne, die Marke von zwei Gigawatt zu überspringen. Dies wäre ein gutes Signal, auch wenn die Energiewende eigentlich jährlich mehr als 5 Gigawatt neue Windenergieleistung an Land erfordere.
Windenergie: Olaf Lies (SPD) kritisiert zu geringes Tempo beim Ausbau
Die Zahlen erzählen aber nur die halbe Wahrheit: Wie die Branche bekannt gab, wurden insgesamt aber auch 165 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 172 Megawatt stillgelegt – der Nettozuwachs in diesem Jahr beträgt also etwa 1,2 Megawatt. „Und uns rennt hier die Zeit davon“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Die Geschwindigkeit des Ausbaus sei weiterhin zu gering. Niedersachsen ist absolut gesehen die größte Windenergie-Region in Deutschland. Die Ampelkoalition plant derweil, den Kohleausstieg in Deutschland zu beschleunigen.
„Zur Beschleunigung des Ausbaus brauchen wir vor allem verbindliche Flächenvorgaben und eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Wir haben jetzt die Chance, die richtigen Weichen bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin zu stellen“, so Lies. Die Genehmigungsverfahren stellen bereits seit längerem ein zunehmendes Problem dar. „Der unzureichende Zubau und die fehlenden Genehmigungen schaukeln sich im verbrauchsstarken Südosten und Südwesten zu einem gefährlichen Mix auf. In den Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und im Saarland drohen Stromengpässe, wenn nicht umgehend gegengesteuert wird“, sagte Albers.
Klimawandel: Auch Seeschifffahrt will klimaneutral werden
Während an Land die Windenergie zunehmend an Bedeutung gewinnt, hat sich auch ein Handelszweig auf dem Wasser schärferen Klima-Regeln verschrieben: Bis 2050 will die Seeschifffahrt CO2-neutral werden. Statt den Ausstoß von klimaschädlichem Gas bis 2050 zu halbieren – das hatte die Weltschifffahrtsorganisation IMO ursprünglich als Ziel gesetzt –, soll bis dahin kein CO2 mehr in die Atmosphäre abgegeben werden.
„Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Weltreederverband ICS auf Initiative der deutschen Reeder beim IMO eingereicht. „Wir hoffen, alle Teilnehmer der maritimen Transportkette, aber insbesondere auch die Staaten werden uns bei dieser großen Aufgabe umfassend unterstützen“, so Hartmann.
Schifffahrt: Branche diskutiert über alternative Antriebskonzepte und Treibstoffe
Bis die Seeschifffahrt klimaneutral ist, wird es voraussichtlich ein langer Weg. „Grundsätzlich gilt: Nicht der Motor ist das Problem, sondern der Brennstoff“, so VDR-Präsident Hartmann. Richtige Alternativen gibt es noch nicht, es wird aber auch im maritimen Bereich über alternative Antriebskonzepte und Treibstoffe diskutiert – etwa Wasserstoff oder Ammoniak sind im Gespräch oder Methanol. Bei letzteren wird zwar CO2 freigesetzt, aber bei der Herstellung massenhaft Kohlendioxid gebunden.
Nach Angaben der IMO ist die Schifffahrt derzeit für mehr als zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, gleichzeitig aber auch für 90 Prozent des Warentransports. Die Branche zählt also mit zu den wichtigsten Bindegliedern unserer globalisierten Gesellschaft. Dennoch: Um auch zukunftssicher auf die Schifffahrt und gleichzeitig auf die Verringerung von Treibhausgasen setzen zu können, ist ein frühzeitiges Umdenken und Handeln von Vorteil. * kreiszeitung.de und merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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