Kommentar
Armin Laschet: Weniger Netflix und mehr Maaßen bitte!
Er plaudert über Netflix, verweigert aber ein Machtwort zur Maaßen-Debatte: Armin Laschet (CDU) führt einen aalglatten Wahlkampf ohne Ecken und Kanten. Ein Skandal.
Berlin – Er schaut gerne Netflix-Serien. Bis tief in die Nacht. Ohne seine Ehefrau. Das hat Armin Laschet am Mittwochabend beim Wahl-Talk der Zeitschrift „Brigitte“ ausgepackt. Der CDU-Kanzlerkandidat ein Serienjunkie – das wäre sicherlich eine nette Randnotiz im Wahlkampf. Schließlich will der Wähler ja auch wissen, welcher Mann da genau im September ins Kanzleramt strebt. Doch das Schlimme ist: In der Wahlkampfstrategie von Laschet sind das keine Nebensächlichkeiten. Die Wahrheit ist: Der CDU-Parteichef geht jedem unangenehmen Thema bewusst aus dem Weg. Doch das ist einem potenziellen Kanzler unwürdig.
| Deutscher Politiker: | Armin Laschet (CDU) |
| Geboren: | 18. Februar 1961, Aachen |
| Privat: | verheiratet, drei Kinder |
| Aktuelles Amt: | NRW-Ministerpräsident, Parteichef |
Freilich, ein Kandidat kann immer nur darauf antworten, was er gefragt wird. Jedoch wurde Laschet im Brigitte-Talk* auch zu vielen anderen, harten Themen von Journalistin Maike Dinklage befragt. Vor allem zum Umgang mit dem umstrittenen Bundestagskandidaten Hans-Georg Maaßen. Der frühere Chef des Bundesverfassungsschutzes kandidiert für ein Direktmandat in Südthüringen und fällt immer wieder mit rechtspopulistischen Parolen auf*. Jüngst hatte er mit der Forderung nach einem Gesinnungstest für Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für Entrüstung gesorgt, weil er die Männer und Frauen vorwiegend der linksextremistischen Szene zuordnete.
Armin Laschet (CDU): Beim Brigitte-Talk verweigert er Ansage zu Hans-Georg Maaßen
Und Laschet? Schweigt. Seit Wochen. Weder zur Nominierung hat er sich geäußert noch zu den einzelnen Provokationen. An dieser Linie hält er stoisch fest. Warum er kein Machtwort spricht? Zumindest das erklärte der Unionspolitiker jetzt. „Was heißt denn ein Machtwort?“, fragte er zurück. Die Position sei doch glasklar, man sei für einen starken, öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „Meine Position ist diese, die werde ich als Kanzler auch durchsetzen, die Haltung der CDU ist klar, und wer da irgendwelche Interviews gibt, ist dann sein Problem, es ist jedenfalls nicht die Position der CDU“, sagte Laschet. Den Namen Maaßen nahm er bei seinen verschwurbelten Sätzen nicht einmal in den Mund.
Doch diese Taktik ist zu billig. Es ist die Aufgabe des Kandidaten, die Position der CDU zu erklären – und öffentlich ein Stoppschild zu setzen. Durch sein Herumlavieren will es Laschet einer breiten Wählergruppe recht machen. Einerseits will er die vielen Wähler, die Angela Merkel einst links der Mitte für die Union erschlossen hat, nicht vergraulen. Andererseits will er aber auch in dem rechtskonservativen Becken nach Wählerstimmen fischen. Das ist auch sein gutes Recht. Allerdings sollte er es dann auch sagen – und nicht so tun, als gebe es kein Problem in den eigenen Reihen.
Bundestagswahl 2021: Armin Laschet weicht im Live-Interview den unangenehmen Fragen aus
Das Vorgehen lässt jedenfalls tief blicken und ist rückgratlos. Ein Kanzler kann in vielen Fragen nicht einfach Stimmungen hinterherlaufen. Zur Jobbeschreibung gehört es, dass man auch unangenehme Entscheidungen treffen muss – teilweise gegen die eigene Partei. Das erfordert einen klaren, inneren Kompass. Doch wo ist der bei Laschet?
Sollte er gewählt werden, dann bekommt er es mit noch ganz anderen Schwergewichten zu tun, etwa Russlands Präsidenten Wladimir Putin*. Wird der CDU-Politiker dessen Namen dann auch nicht mehr in den Mund nehmen, wenn es unangenehm wird? Wegducken wird dann ebenso wenig mehr gehen. Denn die Realität ist nun mal anders als eine Netflix-Serie. Deshalb hat der Wähler auch Klartext-Ansagen verdient.
Wahl 2021: Keine News der Bundestagswahl und Kommunalwahl in Niedersachsen verpassen
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