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Verzichtet die Ampel auf EU-Milliarden? CDU erhebt Vorwurf: „Eine Frechheit“
Zur Überbrückung der Corona-Krise stellt die EU den Mitgliedstaaten hunderte Milliarden zur Verfügung. Wieso scheint die Ampel die Gelder zu ignorieren?
Berlin – Die Ampel-Koalition scheint EU-Hilfen in Höhe von 28 Milliarden Euro weitestgehend zu ignorieren. Das soll zumindest aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums hervorgehen. Laut Bild-Informationen hat die Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erst 6,2 Milliarden Euro aus dem EU-Topf abgerufen.
Dabei kann die Ampel die zusätzlichen Milliarden dringend gebrauchen. Mit den Geldern könnte beispielsweise das Haushaltsloch für 2025 angegangen werden. Der Regierung fehlen für die Haushaltsfinanzierung im kommenden Jahr bis zu 40 Milliarden Euro. Da kämen zusätzliche Milliarden aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) der EU eigentlich sehr gelegen.
„Verantwortungslos und fahrlässig“ – CDU erhebt Vorwurf wegen EU-Milliarden für die Ampel
Vielleicht ist ein interner Streit dafür verantwortlich, dass auf eine so große Summe Geld verzichtet wird? Diesen Verdacht scheinen zumindest Politiker aus der CDU zu erheben. CDU-Haushaltspolitiker Yannik Bury sagte gegenüber der Bild, es sei „verantwortungslos und fahrlässig“, dass Grüne und SPD jeden Tag mehr Schulden fordern würden, „aber in den letzten beiden Jahren fast zwölf Milliarden Euro in Brüssel liegen“.
Verzichten Grüne und SPD aus taktischen Gründen auf die Abrufung der EU-Mittel?„Der Verdacht liegt nahe, dass der Mittelabruf bewusst verzögert wird, um im Finanzministerium eine Wahlkampfkasse für 2025 zu bilden“, so Bury. Sollte dies zutreffen, sei das „eine Frechheit“ – vor allem, wenn man die wirtschaftliche Notlage in Deutschland betrachte.
Ampel verzichtet auf EU-Milliarden? Gelder sollen bis 2026 abgerufen werden
Die Mittel aus dem ARF-Fonds hatte die EU bereits nach Ausbruch der Corona-Pandemie zur Verfügung gestellt. Insgesamt sollten die Länder mit Geldern im Umfang von 648 Milliarden Euro finanziert werden, wie es auf der Webseite der Europäischen Kommission heißt. Länder sollten sich mit den Mitteln auf den „grünen Wandel“ und das „digitale Zeitalter“ vorbereiten. Außerdem habe man so auf die „sozioökonomischen Schwierigkeiten und Störungen des globalen Energiemarkts infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine reagiert“, schreibt die EU-Kommission.
Und trotzdem soll die Ampel in den vergangenen drei Jahren lediglich 6,2 Milliarden Euro abgerufen haben, wie das Handelsblatt berichtete. Dabei seien 19 Milliarden Euro vorgesehen gewesen, wie aus Papieren des Finanzministeriums unter Christian Lindner (FDP) hervorgehe.
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Dass die Gelder so langsam fließen, liegt laut Finanzministerium daran, dass die Vergabe an die Erreichung bestimmter Ziele geknüpft sei. Gegenüber dem Handelsblatt habe es geheißen, dass sich etwa die Bauarbeiten bei der Erneuerung des Schienenverkehrs verzögern würden. Eine der Baustellen, die laut dem „Deutschen Aufbau- und Resilienzplan“ (DARP) mithilfe der EU-Gelder angegangen werden sollte.
Ampel muss EU-Fonds bis 2026 abgerufen haben – Lindner-Ministerium legt Plan vor
„Jegliche Zahlungen im Rahmen des RRF [ARF] müssen bis zum 31. Dezember 2026 ausgeführt werden“, hieß es seitens der EU-Kommission gegenüber dem Nachrichtenportal Euractiv. Damit bleibt der Ampel-Regierung nur noch wenig Zeit, die übrigen Gelder aus dem EU-Fonds abzurufen.
Gegenüber der Bild teilte ein Sprecher von Finanzminister Lindner mit, dass für das Jahr 2024 „die Einreichung von zwei Zahlungsanträgen mit einem Mittelumfang von insgesamt rund 13,5 Milliarden Euro“ geplant sei. In den Jahren 2025 und 2026 sollen jeweils zusätzliche vier Milliarden Euro beantragt werden. Damit wolle man bis 2026 die gesamten Mittel aus dem ARF-Fonds abrufen. (nhi)