Schwarz-Rot drückt aufs Tempo

„Großes Rentenpaket“, Pendlerpauschale, Gastro-Steuer: Merz-Kabinett beschließt „Sofortprogramm“

Im Koalitionsausschuss drückt die Merz-Regierung aufs Tempo. Ein Sofortprogramm soll Änderungen bei Rente, Pendlerpauschale und Co. auf den Weg bringen.

Update, 20.31 Uhr: Die schwarz-rote Koalition aus Union und SPD drückt aufs Gaspedal. Am Abend tagte in Berlin erstmals der Koalitionsausschuss der drei Parteien, mit dem Ergebnis, dass die Regierung zügig zentrale Reformprojekte auf den Weg bringen will. „Es geht jetzt Schlag auf Schlag“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach der ersten Sitzung des Koalitionsausschusses. Dort verständigten sich die Spitzen von CDU, SPD und CSU auf ein „Sofortprogramm“ mit mehreren Dutzend Punkten. Mit Daten sind die meisten der Projekte und Maßnahmen aber nicht hinterlegt.

In der ersten Sitzung des Koalitionsausschusses von Schwarz-Rot, drückten Bundeskanzler Friedrich Merz und Co auf das Gaspedal.

Merz-Regierung will „großes Rentenpaket“ auf den Weg bringen

Im Zentrum steht dabei ein „großes Rentenpaket“, wie CSU-Chef Markus Söder ankündigte. Darin solle die garantierte Rentenhöhe von 48 Prozent des Durchschnittseinkommens, die Mütterrente, die Aktiv- sowie die sogenannte Frühstart-Rente enthalten sein, sagte Söder am Mittwochabend. Mit der Aktivrente soll das Arbeiten im Alter attraktiver gemacht werden, bis zu 2000 Euro Gehalt sollen dann steuerfrei sein. Bei der Frühstart-Rente sollen Kinder zwischen sechs und 18 Jahren pro Monat zehn Euro für ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot vom Staat erhalten. Im Koalitionsvertrag war vereinbart worden, dies zum Januar 2026 einzuführen. Bis wann das Rentenpaket beschlossen sein soll, ließ Söder offen.

Schwarz-Rot kündigt „Sofortprogramm an“: Pendlerpauschale, Gastro-Steuer, „Investitions-Booster“

Weiter beinhaltet das Sofortprogramm eine Erhöhung der Pendlerpauschale, so wie die im Koalitionsvertrag festgelegte Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie. Die Änderungen sollen zum 1. Januar 2026 in Kraft treten. Alle drei Parteichefs machten deutlich, dass sie - wo dies nötig ist - auf die Zustimmung der Länder im Bundesrat setzen.

„Deutschland steht vor historischen Herausforderungen. Die Koalition wird diese schnell und konsequent angehen“, heißt es in dem Sofortprogramm. „Wir nehmen unseren Auftrag zur umfassenden Erneuerung unseres Landes ernst.“ Gegen die wirtschaftliche Flaute im Land will die Koalition einen „Investitions-Booster“ in Form einer sogenannten degressiven Abschreibung einführen. Das soll dazu führen, dass Unternehmen mehr investieren – zum Beispiel in neue Anlagen. Firmen halten sich derzeit mit Investitionen zurück.

lle Parteivorsitzenden sprachen von einer ausgesprochen guten Atmosphäre der Beratungen. „Das macht Lust auf mehr und Hoffnung auf Erfolg“, sagte Söder.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Merz-Regierung beschließt Dobrindts neue Migrations-Regeln – bevorstehender Konflikt mit SPD?

Update, 12.23 Uhr: Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) begrüßt das geplante Aus für die beschleunigte Einbürgerung für besonders gut integrierte Einwanderer nach drei Jahren. „Der Kabinettsbeschluss sendet ein klares Signal: Den deutschen Pass gibt es nicht im Vorübergehen und nicht im Schnellverfahren“, erklärte er in Wiesbaden. „Es ist gut, dass die Einbürgerung nun wieder am Ende des Integrationsprozesses stehen soll und nicht am Anfang. Das wird für mehr Ordnung in der Migrationspolitik sorgen.“

Migrationspolitik der Merz-Regierung: Konflikt mit SPD bahnt sich an – „macht die Reise nicht mit“

Update, 11.55 Uhr: In einer Pressekonferenz hat Alexander Dobrindt angekündigt, weitere Migrations-Vorhaben würden heute im Koalitionsausschuss besprochen. Gegenüber Phoenix erklärte der Politikwissenschaftler Emanuel Richter, ein Konflikt zwischen Union und SPD bestehe dabei bereits. Die Sozialdemokraten würden auf die Einhaltung von Rechtsgrundsätzen pochen: „Da geht Dobrindt sehr weit und die SPD macht die Reise nicht unbedingt mit.“

Demnach gebe es im Bereich Migrationspolitik nach wie vor Klärungsbedarf. Die Maßnahmen, die das Kabinett heute beschlossen hat, seien nicht der „große Wurf“ in der Migrationspolitik, sondern zunächst einmal Rücknahmen dessen, was die Ampel-Regierung beschlossen hatte.

Dobrindts Migrations-Politik: Wer von der Aussetzung des Familiennachzugs betroffen ist

Update, 11.31 Uhr: Zwar hat das Kabinett die Gesetzentwürfe von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt angenommen – beide Vorhaben benötigen jedoch noch die Zustimmung des Bundestags. Einer der beiden Entwürfe zielt auf den Familiennachzug ab. Subsidiär Geschützte sollen zwei Jahre lang keine Familienangehörigen mehr nach Deutschland holen dürfen. Härtefälle sind ausgenommen. Wer das sein könnte, ist im Gesetzentwurf aber nicht definiert. Wer von den Änderungen betroffen ist:

Es geht um Menschen mit sogenanntem subsidiären Schutzstatus. Das sind Geflüchtete, die hier zwar kein Asyl oder Flüchtlingsschutz bekommen, aber trotzdem bleiben dürfen, weil ihnen in ihren Heimatländern beispielsweise politische Verfolgung, Folter oder die Todesstrafe droht. Viele Bürgerkriegsflüchtlinge fallen in diese Gruppe.

Laut Gesetzentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, lebten Ende März 388.074 subsidiär Geschützte in Deutschland. Ungefähr drei Viertel dieser Gruppe kommen aus Syrien, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, die sich noch auf den Stand zum Jahreswechsel bezog.

Familiennachzug und Einbürgerung: Merz-Regierung beschließt Dobrindts neue Migrations-Regeln

Update, 11.03 Uhr: Das schwarz-rote Kabinett unter Kanzler Friedrich Merz hat erste Verschärfungen in der Migrationspolitik auf den Weg gebracht. Die Ministerinnen und Minister beschlossen die Aussetzung des Familiennachzugs für bestimmte Geflüchtete und eine Rücknahme der Einbürgerung nach drei Jahren für besonders gut integrierte Einwanderer, wie die Bundesregierung mitteilte.

Zudem soll das Kabinett einen Entwurf für eine Verlängerung der Mietpreisbremse bis 2029 angenommen haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur epd unter Berufung auf das Justizministerium.

Migrations-Pläne der Merz-Regierung: Grüne kritisieren Abschaffung der „Turbo-Einbürgerung“

Update, 10.37 Uhr: Vor Beginn der Kabinettssitzung, in der Union und SPD Migrations-Reformen anstoßen wollen, kritisieren die Grünen: Die Migrationspolitik der Regierung mache Deutschland nicht sicherer. Grünen-Parteichef Felix Banaszak erklärte am Mittwochmorgen in ZDF: „Deutschland wird doch nicht sicherer oder besser auf den Fach- und Arbeitskräftemangel vorbereitet, wenn wir ein unattraktives Einwanderungsland werden.“

Mit der Abschaffung der beschleunigten Einbürgerung von Migranten nach drei Jahren wolle die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Friedrich Merz lediglich ein Signal der Härte senden: „Man sagt damit doch eigentlich, ihr werdet nie Deutsche Erster Klasse sein.“

Miete und Migration: Merz-Regierung will in Kabinettssitzung erste große Reformen anstoßen

Erstmeldung: Berlin – Straffes Programm für die neue Bundesregierung: In einer Kabinettssitzung wollen Union und SPD am Mittwoch (28. Mai) ihre ersten großen Reformen in den Bereichen Migration und Mieten auf den Weg bringen; am Nachmittag tagt zum ersten Mal der Koalitionsausschuss. Für Bundeskanzler Friedrich Merz steht zudem der Besuch der ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf der Tagesordnung.

Kabinettssitzung der Merz-Regierung: Dobrindts Migrations-Pläne auf der Tagesordnung

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) kündigte vor dem Treffen des Koalitionsausschusses bereit „Tempo“ an. „Im ersten Koalitionsausschuss planen wir die Vorhaben bis zum Sommer“, erklärte Spahn gegenüber dem Tagesspiegel. Vorrangig betonte der CDU-Politiker dabei „Maßnahmen für mehr Wachstum und weniger Migration, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart wurden“. Um Letzteres soll es auch in der Kabinettssitzung gehen.

In der Sitzung geht es konkret um die Pläne von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die beschleunigte Einbürgerung nach nur drei Jahren wieder abschaffen und den Familiennachzug für Geflüchtete ohne Asylstatus, sogenannte subsidiär Schutzberechtigte, befristet für zwei Jahre auszusetzen. Diese zwei Gesetzesentwürfe will das Kabinett am Mittwoch beschließen. Die Sitzung beginnt um 10 Uhr.

Migrations-Plänen der Merz-Regierung: Kirche und NGOs kritisieren Aussetzung des Familiennachzugs

Für den Plan, den Familiennachzug vorübergehend auszusetzen, erntete die Regierung bereits Kritik von Kirche und NGOs. Die Organisation Pro Asyl reagierte entsetzt auf die Pläne. Damit würden legale und sichere Fluchtwege geschlossen. „Es ist eine Katastrophe für die betroffenen Familien“, sagte Tareq Alaows. Mehr als 30 Nichtregierungsorganisationen appellierten an die Bundesregierung, ihre Pläne zur Einschränkung des Familiennachzugs für Flüchtlinge fallen zu lassen.

Darüber hinaus will die schwarz-rote Regierung die von der Ampel-Koalition beschlossene beschleunigte Einbürgerung nach drei Jahren für besonders gut integrierte Einwanderer wieder zurücknehmen. Diese von ihr so genannten „Turbo-Einbürgerungen“ waren der Union schon in der Opposition ein Dorn im Auge. Für die SPD dürfte es bei beiden Vorhaben jedoch noch Gesprächsbedarf geben.

Erster Koalitionsausschuss der Merz-Regierung: Union und SPD wollen Fahrplan bis Sommerpause festlegen

Am Nachmittag trifft sich schließlich der Koalitionsausschuss von Union und SPD. Bei Schwarz-Rot zählt der Ausschuss elf Mitglieder – zehn Männer und eine Frau. Von der CDU gehören Kanzler Friedrich Merz, Fraktionschef Jens Spahn und Generalsekretär Carsten Linnemann dem Gremium an. Die SPD schickt Vizekanzler und Parteichef Lars Klingbeil, Co-Parteichefin Saskia Esken und Fraktionschef Matthias Miersch. Die CSU hat Parteichef Markus Söder, Innenminister Alexander Dobrindt und den Vorsitzenden der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Alexander Hoffmann, benannt.

Erster Koalitionsausschuss: Migration, Rente und Umgang mit der AfD

Wie von Spahn angekündigt, wollen Union und SPD einen Fahrplan für ihre Arbeit bis zur Sommerpause festlegen – zudem soll um die internationale Lage gehen. Neben Wirtschaft und Migration nannte der Unionsfraktionschef auch den Umbau des Bürgergelds als eine der Prioritäten.

Von Seiten der SPD heißt es laut Bericht der Nachrichtenagentur AFP: „Wirtschaft ankurbeln, Investitionsbooster, um Arbeitsplätze zu sichern“, seien wichtige Vorhaben. Im Fokus solle zudem die Verlängerung der Mietpreisbremse, das Rentenpaket und das Tariftreuegesetz stehen. Auch der Umgang mit der AfD ein Thema sein. Während die Union die größte Oppositionspartei politisch stellen will, sympathisiert die SPD mit einem Verbotsverfahren. (pav/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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