Afghanistan
Mit Hausschuhen ins Exil: Afghanischer Ex-Präsident Ghani schickt Lebenszeichen
Auf der Flucht vor den Taliban musste Aschraf Ghani Afghanistan verlassen. Jetzt taucht der Ex-Präsident im Exil auf – und untermauert seinen Machtanspruch.
Berlin/Kabul – Trotz seiner Flucht vor den radikal-islamistischen Taliban hat Afghanistans früherer Präsident Aschraf Ghani ein Mitspracherecht über die Zukunft seines Landes eingefordert. Er sei im Exil bereits in Gesprächen mit Vertretern der neuen Machthaber, teilte er in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft mit. Sein erklärtes Ziel sei es, sobald wie möglich nach Afghanistan zurückzukehren und am Aufbau des Landes mitzuarbeiten. Unterdessen riegeln die Milizen das Land am Hindukusch aber immer weiter ab.
| Afghanischer Ex-Präsident: | Aschraf Ghani |
| Geboren: | 19. Mai 1949 (Alter 72 Jahre), Lugar |
| Privat: | verheiratet, zwei Kinder |
| Amtszeit: | 29. September 2014 – 15. August 2021 |
Lage in Afghanistan: Ex-Präsident Aschraf Ghani flüchtete in Hausschuhen vor den Taliban
Die Videobotschaft ist das erste Lebenszeichen von Ghani. Nachdem die Taliban in Afghanistan am Wochenende auf die Hauptstadt Kabul vorgerückt waren, hatte er die Flucht ergriffen. Sein Ziel: Die Vereinigten Arabischen Emirate. Deren Regierung bestätigte mittlerweile, dass man Ghani und seiner Familie Zuflucht geboten habe.
Ghani selber rechtfertigte seine Flucht in den Golfstaat. Er habe damit ein größeres Blutvergießen verhindern wollen, sagte er in seiner Videobotschaft. Die Abreise schien dabei offenbar überstürzt gewesen zu sein. Er habe keine Zeit gehabt, seine Hausschuhe auszuziehen und seine Stiefel anzuziehen, berichtete er nun. Zudem habe er weder eines seiner Bücher noch seinen Laptop mitnehmen können, auf dem „alles war“, so Ghani.
Krieg in Afghanistan: Mit Geldkoffer ins Exil? Ghani weist Diebstahl von Staatsgeldern zurück
In den vergangenen Tagen war indes ein anderes Bild von Ghani gezeichnet worden. So hatte ihm der afghanische Botschafter in Tadschikistan vorgeworfen, sich mit insgesamt 169 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) im Gepäck abgesetzt zu haben. Ghani wies den vorgeworfenen Diebstahl von Staatsgeldern aber zurück. Diese Vorwürfe seien unbegründet und würden nicht der Wahrheit entsprechen, sagte er in seinem Exil.
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Inwieweit die früheren Regierungsvertreter aber noch aus dem Exil heraus ein Mitspracherecht über die Zukunft Afghanistans haben, ist äußerst ungewiss. Seit der Machtübernahme durch die Taliban hat sich die Lage am Hindukusch dramatisch verschärft. Tausende Afghaninnen und Afghanen versuchen verzweifelt, dass Land noch zu verlassen. Doch offenbar wird das immer schwieriger.
Trotz der internationalen Evakuierungsaktion kommen sie kaum noch zum Flughafen durch. Am Donnerstag gab es Berichte, dass die Milizen die Menschen mit Tränengas an den Zufahrtsstraßen zurückwiesen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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