Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Pistorius stellt Wehrpflicht-Pläne klar: „Werden junge Menschen verpflichten müssen“
Eine freiwillige Wehrpflicht? Das hieß es zumindest noch Anfang der Woche. Nun stellt Pistorius jedoch klar, auch auf Zwang setzen zu wollen. Das Vorbild des Verteidigungsministers: Schweden.
Berlin – Boris Pistorius (SPD) plädiert immer wieder für eine Wiedereinführung des 2011 ausgesetzten Wehrdienstes. Am Montag (27. Mai) hat der Verteidigungsminister dem Präsidium seiner Partei dann schließlich seine Pläne vorgestellt. Doch diese beruhen wohl nicht, wie zuerst berichtet, nur auf Freiwilligkeit. Mittelfristig sollen Männer nach Pistorius‘ Vorstellung auch zum Dienst gezwungen werden können.
„Ohne Pflicht wird es nicht gehen“: Pistorius stellt Wehrpflicht-Pläne klar
Um den Personalmangel in der Bundeswehr auszugleichen und diese „kriegstüchtiger“ zu machen, will Pistorius bis 2021 mehr als 20.000 neue Soldaten rekrutieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Verteidigungsministerium unter anderem auf die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Wie der Spiegel am Montag berichtet hatte, soll Pistorius beim Vorstellen seines Modells jedoch auf Freiwilligkeit gesetzt haben. Das Wort „Wehrpflicht“ sei nicht vorgekommen, hieß es nach dem SPD-Treffen. Diese Berichte korrigiert Boris Pistorius nun jedoch und stellt klar: „Ganz ohne Pflicht wird es nicht gehen.“
Gegenüber Zeit Online erklärte der Verteidigungsminister, mittelfristig soll eine Regelung es erlauben, junge Menschen auch gegen ihren Willen zum Dienst zu zwingen. Sein vorgestelltes Modell sei angelehnt an Schweden, soll also ein Mix aus Pflicht und Freiwilligkeit sein. Auch in der Vergangenheit hatte Pistorius das schwedische Modell immer wieder als Vorbild genannt. In dem skandinavischen Land werden zwar alle jungen Menschen aufgefordert, einen Fragebogen zur Musterung auszufüllen – am Ende enthält jedoch nur ein Teil ein Dienstangebot.
Wiedereinführung der Wehrpflicht nach schwedischem Vorbild: So sieht Pistorius‘ Plan konkret aus
Doch was würde das vorgeschlagene Modell von Pistorius für Deutschland bedeuten? Wie er Zeit Online erklärte, sollten alle jungen Menschen eines Jahrgangs – wie in Schweden – einen Musterungsfragebogen erhalten. Neben Fragen zur Gesundheit soll dort auch das Interesse an einem Wehrdienst abgefragt werden. Die Rücksendung dieses Fragebogens sei verpflichtend, sonst würden noch nicht weiter beschriebene Sanktionen drohen. Jedoch: Nur für Männer. Frauen müssen per Grundgesetz keinen Wehrdienst leisten, können also nicht, wie in anderen Ländern, gezwungen werden.
Nur ein kleiner Teil jener, die den Fragebogen ausgefüllt zurückschicken, sollen dann gemustert und, bei Tauglichkeit, zum Dienst verpflichtet werden. Rund 5.000 bis 10.000 Menschen, so die Vorstellung von Pistorius. Die Bundeswehr habe nicht die Infrastruktur, angehende Streitkräfte in großer Zahl aufzunehmen. Was aus den durchgesickerten Informationen vom Montag bleibe, sei der Anreiz eines kostenlosen Führerscheins sowie die Zulassung zu bestimmten Studiengängen nach Absolvieren der Grundwehrzeit.
Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat
Pistorius drängt zur Wiedereinführung der Wehrpflicht – FDP spricht von „Eingriff in die Freiheit“
Auch, wenn sich Pistorius erhofft, möglichst viele Freiwillige im Wehrdienst zu sehen, betont er trotzdem: Sollten sich nicht genügend melden, „werden wir auch junge Menschen zum Dienst verpflichten müssen.“
Die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird schon länger viel diskutiert. Auch innerhalb der SPD sind nicht alle der gleichen Meinung wie Pistorius. Bundeskanzler Scholz beispielsweise bezeichnete den Personalmangel in der Bundeswehr zuletzt noch als „überschaubare“ Aufgabe und schloss eine Rückkehr zur Wehrpflicht, wie sie 2011 in Deutschland gehandhabt wurde, aus.