Habeck-Vorstoß

Ampel-Zoff um Rente: Arbeiten bis 70? Ja, vielleicht!

Kommt die Rente mit 70? In der Ampel-Koalition bröckelt der Widerstand. Das Loch in der Rentenkasse scheint zu groß – das erkennt auch Minister Habeck plötzlich.

Berlin – Die goldenen Jahre sind vorbei: Die Deutschen müssen sich auf eine längere Lebensarbeitszeit einstellen. So hält die Ampel-Koalition eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht mehr grundsätzlich für falsch. Als einer der ersten Kabinettsmitglieder sprach sich Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zumindest für eine freiwillige Lösung aus. „Man sollte flexibel länger arbeiten können“, schlug der Grüne im Handelsblatt vor. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels solle man über ein „Renteneintrittsfenster sprechen, kein fixes Alter“, so Habeck weiter.

Regelmäßiges Einkommen:\t Rente
Eintrittsalter in Deutschland:67. Lebensjahr
Durchschnittsrente Mann:1.178 Euro
Durchschnittsrente Frau:768 Euro

Rente 2022: Erhöhung auf 70? Minister Robert Habeck (Grüne) rüttelt am Renteneintrittsalter

Damit gewinnt die Debatte um die Rente, die 2022 noch einmal erhöht worden ist, deutlich an Fahrt. Zwar hatten die Ampel-Partner in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, an dem Renteneintrittsalter nicht zu rütteln. Doch Experten halten dieses Versprechen für unrealistisch. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Berater von Finanzminister Christian Lindner (FDP), der frühere Wirtschaftsweise Lars Feld, die Erhöhung des Renteneintrittalters auf 70 Jahre ins Spiel gebracht. Der Beginn der Rente müsse an die höhere Lebenserwartung gekoppelt werden, hatte er der Wochenzeitung „Die Zeit“ gesagt. Dies sei nötig, um das Rentensystem auf Dauer stabil zu halten.

Will die Rente 2022 stabilisieren: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 ohnehin schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Doch die Zweifel, dass dies zur Rettung der Rentenkasse ausreicht, wachsen. Der Finanzierungsdruck durch eine alternde Gesellschaft ist jedenfalls hoch.

Rente mit 70: Experten warnen vor Loch in der Kasse der Rentenversicherung

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) hat deswegen bereits wegen einem Loch in der Kasse der Rentenversicherung Alarm geschlagen. Nach einer Studie aus dem vergangenen Jahr wird es wegen der demografischen Entwicklung bereits in zehn Jahren insgesamt drei Millionen Erwerbstätige weniger geben in Deutschland – also immer weniger Beitragszahler, dafür aber immer mehr Rentner. Ein Problem. „Diesen Verlust an Arbeitszeit müssen wir ausgleichen“, sagte Studienautor Thomas Obst im Januar 2022 der Bild-Zeitung.

Doch wie? Das ist in der Politik noch umstritten. Während derzeit immer mehr Menschen früher in Rente gehen wollen, wäre eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters eine Möglichkeit. Doch die Bundesregierung scheut diesen Schritt noch. Als Alternative hatte das DIW eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit und eine Verringerung des Urlaubsanspruches der Arbeitnehmer ins Spiel gebracht.

Wann in Rente? Wirtschaftsminister Habeck sucht nach freiwilligen Lösungen für längeres Arbeiten

Im Hause Habeck feilt man nun an einem eigenen Plan. So sollen laut einem Papier, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, andere vorhandene Potenziale ausgeschöpft werden. Insbesondere bei Frauen und Älteren könne eventuell noch das Arbeitsvolumen erhöht werden, hieß es. Es gelte, so betonte Habeck auch im Handelsblatt, einen Rahmen zu schaffen, bei denen erst einmal bis zur Regelaltersgrenze gearbeitet werde – und anschließend vielleicht freiwillig darüber hinaus. So will man offenbar älteren Arbeitnehmern die längere Arbeitszeit bis zum 70. Lebensjahr mit finanziellen Anreizen schmackhaft machen.

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Der Vorstoß von Habeck ist aber umstritten. So verwies der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer ersten Stellungnahme darauf, dass es bereits jetzt freiwillige Lösungen gebe. Viel wichtiger sei es, die Belastungen der Arbeitswelt an ältere Menschen anzupassen, hieß es. Ähnlich äußerte sich auch die IG Metall. „Wer Fachkräfte sichern und Beschäftigte jenseits des 60. Lebensjahres gewinnen will, muss nicht das Rentenrecht ändern, sondern die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban der dpa.

Viele Beschäftigte schafften schon jetzt den Sprung in die Regelaltersgrenze nicht. Seine Kritik: „Stress und Arbeitshetze sowie hohe körperliche Belastungen drängen Beschäftigte aus dem Erwerbsleben“. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/ Jens Büttner/dpa

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