Attacke im Wahlkampf
Scholz im Umfrage-Himmel: Merkel wehrt sich gegen Erbschleicher
In Umfragen demütigt Vizekanzler Scholz Gegner Laschet – auch weil er sich als Merkel 2.0 gibt. Doch die Kanzlerin selbst verteidigt sich energisch.
Berlin – Eigentlich wollte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Wahlkampf heraushalten, doch angesichts schlechter Umfragen für ihre Partei mischt sie sich jetzt doch ein: Mit einer ungewöhnlich scharfen Attacke ist die Regierungschefin wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2021 dabei dem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) in die Parade gefahren. Zwischen dem Vizekanzler und ihr bestehe ein „gewaltiger Unterschied“, betonte die Kanzlerin in Berlin und warf dabei Scholz einen Schlingerkurs in den künftigen Koalitionsoptionen vor.
| Deutscher Politiker: | Olaf Scholz (SPD) |
| Geboren: | 14. Juni 1958 (Alter 63 Jahre), Osnabrück |
| Privat: | verheiratet |
| Aktuelles Amt | Vizekanzler und Bundesfinanzminister |
Bundestagswahl 2021: SPD vor CDU – Angela Merkel (CDU) fährt Attacke auf Kanzlerkandidat Olaf Scholz
Die Einlassung der Kanzlerin kommt nicht von ungefähr. Im Rennen um ihre Nachfolge bei der Bundestagswahl überstrahlt Scholz derzeit bei Weitem seine beiden Herausforderer Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne). Nach Berechnungen des Meinungsforschungsinstituts Insa liegt der Genosse fünf Prozent vor Laschet und mehr als neun Prozent vor Baerbock. Dabei hatten sich die grüne Parteichefin und der CDU-Ministerpräsident noch vor wenigen Wochen ein Kopf-an-Kopf-Duell geliefert.
Jedoch startete Scholz vom dritten Platz eine enorme Aufholjagd. Im Gegensatz zu Laschet und Baerbock erlaubte er sich weniger Fehler. Zum anderen schnitten die Wahlkampfstrategen im Willy-Brandt-Haus die Kampagne von Scholz als eine One-Man-Show zu und präsentieren den Kandidaten dabei als langjähriges Regierungsmitglied, der auch als Kanzler den ruhigen und besonnenen Kurs von Merkel fortsetzen wird.
Beim TV-Triell am Sonntag erlebten die Zuschauer einen Scholz, der sich in Auftreten und Duktus kaum von der Kanzlerin unterschied. Wer die Merkel-Wähler gewinne, der gewinne auch die Wahl, verriet Kampagnenchef Raphael Brinkert bereits im Sommer im exklusiven Interview mit kreiszeitung.de.
Nach TV-Triell: CDU-Lager um Armin Laschet beschwört Gefahr von rot-rot-grüner Koalition
In der Union regt das viele Politiker derzeit mächtig auf. Vor allem, weil sich dieser Kurs voll auszahlt. CSU-Chef Markus Söder und auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier warfen Scholz bereits „Erbschleicherei“ vor. Der Finanzminister sei Mitglied der Regierung und versuche, „sowas Ähnliches wie Angela Merkel“ zu machen, echauffierte sich Bouffier. Und auch Laschet selber keifte beim TV-Triell in die Kameras, Scholz geriere sich wie die Kanzlerin, aber in Wahrheit stünde hinter ihm eine SPD mit der Chefin Saskia Esken, die am liebsten ein Bündnis mit der Linkspartei eingehen wolle.
Tatsächlich ist auf Grundlage der aktuellen Umfragen eine rot-rot-grüne Koalition für Scholz eine Machtoption, neben einem Ampelbündnis. Eine klare Aussage, welche Konstellation für ihn infrage käme, verweigert der Vizekanzler derzeit. Zwar betont er stets, dass Rot-Rot-Grün ohne eine Änderung der außenpolitischen Haltung der Linkspartei nicht möglich ist. Aber er schließt auch nicht aus, dass eine Kehrtwende der Linken die Sache noch ändern könnte.
Umfrage-Desaster: Laschet kommt ohne Schützenhilfe nicht aus – Merkel und Teams müssen ran
In diesem Zusammenhang grenzte sich Merkel jetzt auch persönlich von Scholz ab: „Mit mir als Bundeskanzlerin würde es nie eine Koalition geben, in der die Linke beteiligt ist. Und ob dies von Olaf Scholz so geteilt wird oder nicht, das bleibt offen“, sagte die Regierungschefin. In diesen Zeiten müssten Regierungsverantwortliche eine klare Haltung an den Tag legen. Das erwarteten die Bürger. Und genau das sei der Unterschied zwischen ihr und Scholz.
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Ob die Kanzlerin dadurch aber die Trendwende in den Umfragen für ihren alten Vertrauten Laschet einleiten kann, bleibt fraglich. Der NRW-Ministerpräsident steht stark unter Druck. Selbst im eigenen Lager sind die Zweifel an seiner Mobilisierungskraft für die Wählerinnen und Wähler stark gewachsen. Kleine Teams sollen ihm jetzt im Wahlkampf zur Seite gestellt werden. Und auch Merkel plant noch den ein oder anderen Auftritt mit dem strauchelnden Kandidaten – obwohl sie das im Sommer eigentlich ausgeschlossen hatte.
Doch der Höhenflug von Scholz und die Schwäche von Laschet lassen der Langzeit-Kanzlerin keine andere Wahl. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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