Entscheidung steht an

SPD ringt um Problemfall Esken – Klingbeil droht Parteirevolte

Nach dem SPD-Mitgliederentscheid kommt die Postenvergabe und die Frage: Was wird Saskia Esken? Auch für Arbeitsminister Hubertus Heil ist alles offen.

Update vom 1. Mai, 6.30 Uhr: Während Lars Klingbeil schon fix Vizekanzler und Finanzminister wird, gibt es weiteren Gegenwind aus der SPD für seine Co-Parteivorsitzende Saskia Esken. Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt Fischer sagte jetzt zur dpa: „Saskia Esken sehe ich – bei allen bisherigen Verdiensten – zukünftig definitiv in keiner führenden Spitzenposition. Das könnte ich auch ehrlicherweise keinem SPD-Mitglied bei mir vor Ort in Brandenburg mehr irgendwie vernünftig erklären.“ Fischer sagte weiter, es brauche jetzt „Persönlichkeiten, die ihr Handwerk verstehen, in der Bevölkerung ankommen und einen Aufbruch verkörpern.“

SPD-Chefin Saskia Esken: Nach dem Mitgliederentscheid wird über ihre Zukunft in der Partei entschieden.

Update, 12.03 Uhr: Die Aufregung um die künftige Rolle von Saskia Esken in der Politik regt wiederum den SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner auf. Er erinnerte dabei an das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl. Die Debatte um Esken sei laut Stegner „unwürdig“.

Klingbeil bekommt zwei Top-Posten – Esken-Frage wird abgeschmettert

Update, 10.44 Uhr: Trotz des Streits um Saskia Esken hat die SPD offenbar eine Vorentscheidung bei der Vergabe der Ministerposten getroffen: Parteichef Lars Klingbeil soll im Kabinett von Friedrich Merz (CDU) künftig Vizekanzler und Finanzminister werden. Das bestätigte Generalsekretär Matthias Miersch. Der Parteichef solle sich nun um die Zusammenstellung der Regierungsmannschaft kümmern. Ob seine Co-Vorsitzende dabei eine zentrale Rolle bekommt, bleibt weiter offen. Esken will gerne als Ministerin in die Regierung eintreten, doch innerhalb der Partei gibt es viele Widerstände. Am Montag (5. Mai) soll nun das Personaltableau präsentiert werden.

Esken-Personalie wird für Klingbeil anscheinend zum Problem

Update, 30. April, 9.43 Uhr: In der SPD ist die künftige Rolle von Saskia Esken heftig umstritten. Ein nicht namentlicher genannter „Top-Genosse“ äußerte jetzt zur Bild seine Einschätzung, warum Parteichef Lars Klingbeil sich in der Sache bislang nicht klar positioniert. „Die Esken-Frage kann Klingbeil nicht ohne Zoff lösen. Entweder stößt er große Teile der Partei vor den Kopf oder er muss sie kaltblütig ausbooten, was nicht zu seinem Netter-Kerl-Image passt“, meinte der SPD-Politiker zu dem Boulevardblatt.

Esken will SPD-Ministeramt – Klingbeil droht Revolte

Erstmeldung: Berlin – Die neue Regierung unter Friedrich Merz formiert sich – die Zukunft von SPD-Chefin Saskia Esken ist aber immer noch offen. Bisher vermeidet die SPD eine klare Ansage zur Zukunft von Esken. Und offen ist auch, was aus einem weiteren SPD-Urgestein wird: dem jetzigen SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil. Lars Klingbeil will wohl Postengerangel verhindern, solange der SPD-Mitgliederentscheid läuft.

Einfach abservieren lässt sich Saskia Esken jedenfalls nicht. Seit 2019 ist sie Parteichefin, jetzt werden ihr Ambitionen auf ein Ministeramt nachgesagt. Esken will sich nicht gefallen lassen, dass allein sie für die versemmelte Bundestagswahl büßen soll. Ihren Co-Chef Lars Klingbeil kümmerte das miese Ergebnis schließlich nicht: Er schnappte sich nach der verbockten Wahl ein zweites mächtiges Amt, das des Fraktionschefs.

Serviert Klingbeil Saskia Esken einfach ab, droht eine Revolte in der SPD

Serviert Klingbeil Esken nun einfach ab, droht eine Revolte in der SPD. Mehrere Parteivertreter warnten bereits davor, die 63-jährige Esken einfach aufs Abstellgleis zu schicken:

  • Der bayerische Juso-Vorsitzende Benedict Lang monierte in der SZ: „Der eine vergrößert seine Macht und die Frau an der Spitze wird abgesägt“. Er sprach von einem „bodenlosen innerparteilichen Umgang mit Saskia Esken“. 
  • Die Frauen in der SPD wollen Saskia Esken weiter als Parteichefin oder als Ministerin. „Natürlich wäre es gut, bliebe Saskia Esken unsere Parteivorsitzende. Aber natürlich ist sie auch für ein Ministeramt geeignet und bestens vorbereitet“, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen, Maria Noichl, dem Tagesspiegel. 
  • Sachsen-Anhalts SPD-Chefin Juliane Kleemann warb im Tagesspiegel für Esken. „Saskia Esken ist eine gute Parteivorsitzende, und sie hat in schwierigen Zeiten Verantwortung in der SPD übernommen und den Laden zusammengehalten.“

Kritik in der SPD für Esken – Klingbeil nimmt Co-Parteichefin vor Mitgliederentscheid nicht in Schutz

Aber genauso gibt es zahlreiche kritische Stimmen zu Saskia Esken in der SPD.

  • Gerhard Gaiser, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion in Freudenstadt, sagte der SZ: „Saskia Esken klebt wie Pattex am Parteivorsitz. Dabei ist sie weder an der Parteibasis noch in der Bevölkerung beliebt.“ Gaiser weiter: „Auf keinen Fall darf Saskia Esken als Ministerin wegbefördert werden.“ Sonst sehe er „schwarz für die SPD“ .
  • Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) sagte zur Bild am Sonntag: „Die Genossin Esken sollte noch vor dem Mitgliederentscheid die Größe haben zu erkennen, dass sie keinen hilfreichen Beitrag leisten kann zu einem Wiederaufstieg der SPD.“
  • Klingbeil sagte der SZ auf Nachfrage, ob Esken eine gute Ministerin wäre, nur: „Saskia Esken ist von der Parteibasis gewählte Parteivorsitzende. Am Ende müssen wir ein starkes Team aufstellen.“

SPD will nach Mitgliederentscheid Ministerliste präsentieren - Saskia Esken gilt als Kandidatin

Am Montag (5. Mai) will die SPD es der CDU und CSU gleichtun und bekannt geben, wer Minister und Ministerin in der neuen Bundesregierung wird. Noch fällt Saskia Eskens Name, wenn es um die Ministerposten der SPD geht: Sie wird für das Arbeitsministerium gehandelt, und auch für das Entwicklungsministerium.

Esken könnte aber auch die neue Wehrbeauftragte werden und die amtierende Eva Högl (SPD) ablösen. Auch da droht allerdings Protest, weil Esken nicht gerade durch Affinität zum Militär bekannt ist.

Hubertus Heil will SPD-Arbeitsminister werden – doch Klingbeil könnte ihn übergehen

Und dann ist das noch Hubertus Heil, der aktuelle SPD-Arbeitsminister. Das Arbeitsministerium bleibt auch in der neuen schwarz-roten Koalition bei der SPD. Heil könnte also auf dem Posten bleiben. Er ist ein alter Hase in dem Ressort: Seit 2018, schon unter Angela Merkel, hatte der 52-Jährige den Posten. Laut Augsburger Allgemeine würde er gerne weitermachen.

Für Heil spricht, dass sein persönliches Wahlergebnis weit besser war als das der SPD: Bei der Bundestagswahl holte er mit 33,9 Prozent ein Direktmandat, die SPD kam bundesweit nur auf 16,4 Prozent. Auch in der Partei scheint er beliebt: Beim letzten Parteitag stimmten 96,6 Prozent für ihn als Vize-Parteivorsitzenden.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Bärbel Bas gilt als Favoritin für Arbeitsministerium – SPD will weg vom Bürgergeld-Image

Dennoch wird Bärbel Bas als Top-Favoritin als neue Arbeitsministerin gehandelt. Das Problem von Hubertus Heil ist der regionale Proporz: Er ist Niedersachse, genauso wie Lars Klingbeil, Boris Pistorius und Matthias Miersch. Klingbeil wird wohl Finanzminister, Pistorius scheint als neuer und alter Verteidigungsminister gesetzt, Matthias Miersch ist SPD-Generalsekretär. Die SPD kann aber die Top-Posten nicht alleine an Männer aus Niedersachsen verteilen.

Zudem: Heil hat als Arbeitsminister das Bürgergeld auf den Weg gebracht, sein Name ist eng damit verknüpft. Die SPD will aber weg vom Image der Partei der Bürgergeld-Empfänger. Ein neuer Kopf im Arbeitsministerium könnte für diesen Umbruch stehen. Möglich, dass Heil stattdessen Chef der SPD-Fraktion im Bundestag wird – oder, dass er völlig leer ausgeht. (smu)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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