Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Syrer scheuen Rückkehr: Schlechte Bedingungen in der alten Heimat
Syrer in Deutschland: Trotz Sturz von Machthaber Baschar al-Assad entscheiden sich von den 955.000 hier lebenden Menschen nur wenige für die Heimkehr.
Berlin – Vor rund 14 Jahren, im März 2011, begannen in mehreren Städten Syriens erste Proteste im Zuge des „Arabischen Frühlings“. Aus der Hoffnung auf mehr Freiheit, Würde und Demokratie entwickelte sich durch die harte Reaktion des Assad-Regimes ein blutiger Bürgerkrieg, der sich im Laufe der Jahre zu einem komplexen internationalen Stellvertreterkrieg ausweitete. Deutschland hat in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren Hunderttausende syrische Flüchtlinge aufgenommen. Im Jahr 2015 versuchten über eine Million Menschen, über das Mittelmeer in die EU zu gelangen.
Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels
Die Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland in ihre Heimat nimmt nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad nur langsam zu. Hilfsorganisationen zufolge bleibt die Zahl der Rückkehrer jedoch noch gering, da Sicherheitsrisiken und die stark zerstörte Infrastruktur nach dem Bürgerkrieg weiterhin viele abschrecken. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, nutzten bis Ende August 1867 Menschen aus Syrien die Rückkehrförderung des Bundes. Zum Vergleich: Bis Ende Mai waren erst 804 Geflüchtete auf diese Unterstützung angewiesen.
Mehrheit der syrischen Geflüchteten nennt Gewalt und Repression durch Assad als Fluchtgrund
Die Zeit berichtete 2015 über die Hauptgründe für die Flucht syrischer Menschen nach Deutschland. Einer Umfrage zufolge ist die Gewalt durch den syrischen Machthaber Bashar al-Assad der entscheidende Fluchtgrund gewesen. Wie Elias Perabo, Initiator der Umfrage und Mitbegründer der Organisation „Adopt a Revolution“, erklärte, gaben 92 Prozent der Befragten an, vor bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen zu sein. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) spielte demnach eine deutlich geringere Rolle. Gut drei Viertel der Flüchtlinge nannten die Angst vor einer Festnahme durch das Assad-Regime als Grund für ihre Flucht, während nur 42 Prozent eine Entführung durch den IS befürchteten.
Nach Assads Abgang kehren Syrer langsam in ihre Heimat zurück
Seitdem Assad am 8. Dezember 2024 das Land verlassen hat, sind vor allem Flüchtlinge aus Nachbarländern Syriens – Türkei, Libanon, Jordanien und Irak – zurückgekehrt. Insbesondere Familien täten sich mit dieser Entscheidung oft schwer, berichtet Janine Lietmeyer, Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation World Vision Deutschland. Lietmeyer, die Syrien im August besucht hat, sagt, die relative Normalität in der Innenstadt der Hauptstadt Damaskus stehe in starkem Kontrast zu den großen Problemen in anderen Landesteilen. Diese erschwerten es den Rückkehrern, in ihren früheren Heimatorten wieder Fuß zu fassen.
Viele Menschen, die als Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland gekommen sind, erfüllen inzwischen die Voraussetzungen für eine Einbürgerung. (Archivfoto)
Ende Juli lebten laut Ausländerzentralregister (AZR) knapp 955.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland, etwa 20.000 weniger als zu Beginn des Jahres. Das bedeutet allerdings nicht, dass Syrerinnen und Syrer in großer Zahl das Land verlassen. Das Statistische Bundesamt registrierte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres lediglich 1.562 Ausreisen in Richtung Syrien. Allerdings meldet sich nicht jeder ab, der ausreist, was zu Verzögerungen bei der Aktualisierung der AZR-Daten führt.
Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024 befindet sich Syrien in einer Phase großer Unsicherheit. Mitte Juli eskalierte ein Konflikt zwischen Drusen, Beduinen und der syrischen Regierung, woraufhin Israel Luftangriffe auf Damaskus durchführte.
Einbürgerungen von Syrern nehmen zu – Asylverfahren liegen weiterhin auf Eis
Zudem fallen jeden Monat syrische Staatsbürger aus der Ausländerstatistik heraus, weil sie Deutsche geworden sind. Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesinnenministerium 83.150 vormals syrische Staatsangehörige in Deutschland eingebürgert. Für dieses Jahr liegen entsprechende Daten bisher nicht vor. Jedoch erfüllen viele der Geflüchteten, die 2015 oder 2016 gekommen waren, inzwischen die Kriterien für die Einbürgerung – von der Sicherung des eigenen Lebensunterhalts bis zu deutschen Sprachkenntnissen.
Gleichzeitig kommen weiterhin Syrerinnen und Syrer nach Deutschland, um einen Asylantrag zu stellen. 17.650 Menschen aus Syrien beantragten beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zwischen Anfang Januar und Ende August Asyl. Entschieden wird über Anträge syrischer Staatsbürger jedoch seit dem Machtwechsel im Dezember in der Regel nicht – abgesehen von wenigen Ausnahmen und Fällen, in denen geklärt wird, ob ein anderes europäisches Land für das Verfahren zuständig ist.
Begründet wird dies damit, dass die Lage in Syrien nach wie vor starken Veränderungen unterworfen sei. Dieser Aufschub hat dazu geführt, dass sich bei der Behörde inzwischen 53.187 Verfahren von Menschen aus Syrien angesammelt haben, bei denen die Entscheidung noch aussteht. (jal/dpa)