Neuer Ballsaal entsteht

Abriss am Weißen Haus: Trump startet gigantisches Projekt – will er doch länger bleiben?

Donald Trump macht ernst. Der Umbau des Weißen Hauses beginnt, Teile des East Wing werden abgerissen. Der Zeitpunkt ist in zweierlei Hinsicht heikel.

Washington – Donald Trump will nicht nur Amerika wieder groß machen. Sein „MAGA“-Motto ist seit Beginn seines ersten Wahlkampfes vor fast zehn Jahren allgegenwärtig. Nun verhilft der US-Präsident auch dem Weißen Haus zu neuen Maßen. Am Montag (20. Oktober) begannen die Bauarbeiten am East Wing, wo ein riesiger Ballsaal entstehen soll. Bilder vom Abriss des Gebäudeteils, in dem traditionell auch die First Lady ihr Büro hat, veröffentlichte zunächst die Washington Post. Zu sehen ist ein Bagger bei der Arbeit, der einen Teil der Außenwand bereits beseitigt hat.

Sein Traum wird verwirklicht: US-Präsident Donald Trump lässt Teile des Weißen Hauses zugunsten eines großen Ballsaals abreißen.

Auf Truth Social schrieb Trump: „Ich bin erfreut, bekanntgeben zu dürfen, dass auf dem Gelände des Weißen Hauses der erste Spatenstich für den Bau des neuen, großen und wunderschönen Ballsaals erfolgt ist. Vollständig abgetrennt vom Weißen Haus selbst wird der Ostflügel im Rahmen dieses Prozesses vollständig modernisiert und nach seiner Fertigstellung schöner denn je sein!“

Trump und der Abriss am Weißen Haus: „Finanziert von Patrioten, Unternehmen und mir“

Jeder Präsident in den vergangenen 150 Jahren hätte davon geträumt, über einen solchen Ballsaal zu verfügen, um dort Gäste für große Partys oder Staatsbesuche zu empfangen, behauptet er. Weiter betont Trump – wie auch das Weiße Haus auf X –, dass das Projekt den Steuerzahler nichts koste: „Der Ballsaal des Weißen Hauses wird privat finanziert von vielen großzügigen Patrioten, großen amerikanischen Unternehmen und mir.“ Er werde vielen Generationen zugutekommen.

Erst am Mittwoch vor dem Beginn der Bauarbeiten hatte Trump ein Dinner für die Spender abgehalten. Im East Room sollen unter anderem Vertreter von Konzernen wie Amazon, Apple, Google, Meta Platforms, Microsoft, Lockheed Martin oder Palantir Technologies der Dankesrede des Staatsoberhauptes gelauscht haben, wie die New York Times und das Wall Street Journal berichteten.

Protest gegen Trump-Politik in Washington – und Sorge wegen Nationalgarde

An vielen Orten in Washingtons Stadtbild findet man Anti-Trump-Plakate.
An vielen Orten in Washingtons Stadtbild findet man Anti-Trump-Plakate. © Peter Sieben
Epstein-Plakat in Washington
Protestler fordern die Veröffentlichung der „Epstein-Files“, in die auch der US-Präsident verwickelt sein soll, sagen Regierungskritiker. © Peter Sieben
„No Kings“-Plakate
Die „No Kings“-Bewegung wächst in den USA: Viele Menschen haben die Sorge, dass Trump zu viel Macht auf sich bündelt. © Peter Sieben
Demo-Plakate in Washington
Ankündigung von Demos am 18. Oktober 2025.  © Peter Sieben
Derweil patrouillieren Nationalgardisten durch mehrere Städte in den USA.
Derweil patrouillieren Nationalgardisten durch mehrere Städte in den USA. © Peter Sieben
Nationalgarde in Washington, D.C.
Eine Form der Einschüchterung, sagen Trump-Gegner – mit einem Langfrist-Kalkül: Die Bevölkerung solle sich an den Anblick von Soldaten in ihren Heimatstädten gewöhnen.  © Peter Sieben
Protest am Rande der IWF-Herbsttagung gegen die Klimapolitik von Donald Trump.
Protest am Rande der IWF-Herbsttagung gegen die Klimapolitik von Donald Trump.  © Peter Sieben
Klimaprotest in Washington
Die Protestaktionen sollen schnell gehen – bevor die Aufmerksamkeit von Sicherheitskräften allzu groß wird. © Peter Sieben
Demonstrant Christian mit Trump-Maske: „Es ist gefährlich geworden, zu demonstrieren.“
Demonstrant Christian mit Trump-Maske: „Es ist gefährlich geworden, zu demonstrieren.“ © Peter Sieben

Trump zufolge betrugen manche Spenden 25 Millionen US-Dollar. Über den Ballsaal soll er gesagt haben, dieser werde über kugelsichere Fenster verfügen und 999 Menschen Platz bieten. Die Größe wurde bereits in einer Mitteilung des Weißen Hauses im Juli mit gut 8000 Quadratmetern angegeben. Damals war noch von einer Kapazität von 650 Personen die Rede, wobei darauf verwiesen wurde, dass der traditionelle East Room 200 Personen aufnehmen könnte.

Trump und der Abschied aus dem Weißen Haus: Geht US-Präsident wirklich im Januar 2029?

Zugleich wurde von Kosten in Höhe von 200 Millionen US-Dollar gesprochen, mittlerweile wird bereits von 250 Millionen US-Dollar ausgegangen. Das wären umgerechnet 215 Millionen Euro. Es soll sich um den größten Umbau des Gebäudeflügels seit 1942 handeln, als ein zweites Stockwerk ergänzt wurde.

Die Fertigstellung sei lange vor dem Ende von Trumps Amtszeit geplant, schrieb das Weiße Haus auch. Interessanterweise wird aber nicht erwähnt, wann der aktuell mächtigste Mann der Welt wieder ausziehen muss. Da die US-Verfassung nur zwei Amtszeiten erlaubt, müsste Trump das Weiße Haus im Januar 2029 wieder verlassen.

Allerdings kokettiert er immer wieder damit, doch länger an der Macht bleiben zu können oder einen Gefolgsmann wie Vize-Präsident J.D. Vance vorzuschicken, während dessen Präsidentschaft jedoch weiter das Sagen zu haben. Allerdings wäre Trump bei der nächsten US-Wahl auch schon 82 Jahre alt.

Trump in Schwierigkeiten? Abriss zu Zeiten von Protesten und Shutdown

Ursprünglich war der Startschuss des Projekts für September angekündigt worden. Der Zeitpunkt des ersten Spatenstichs fällt nun ausgerechnet in eine Zeit, in der Millionen US-Amerikaner auf die Straße gingen, um gegen Trumps Politik zu demonstrieren. Unter dem Slogan „No Kings“ warnten sie einmal mehr davor, dass der Republikaner seine Politik wie ein Monarch gegen alle Widerstände umsetzt.

Proteste quer durchs Land: Unter dem Motto „No Kings“ fanden sich Millionen US-Amerikaner zusammen.

Als Reaktion postete Trump auf Truth Social einen durchaus kontroversen Clip, in dem er mit Krone auf dem Kopf einen Kampfjet mit der Aufschrift „King Trump“ steuert und an Kot erinnernden Schlamm über den Demonstranten abwirft. Zudem sagte der 79-Jährige an Bord der Air Force One: „Ich bin kein König. Ich reiße mir den Ar… auf, um unser Land wieder groß zu machen. Ich bin überhaupt kein König.“

Nun kassiert Trump aber auch Kritik für den Abriss des East Wing. Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom schrieb etwa bei X: „Trumps Prioritäten: das Weiße Haus dem Erdboden gleichmachen.“ Zugleich spielte er darauf an, dass die US-Regierung wegen des Shutdowns gerade kaum handlungsfähig sei, Trump es aber offenbar nicht für nötig halte, hier an einer Einigung zwischen den beiden großen Parteien im Kongress zu arbeiten.

Den will er auch haben: US-Präsident Donald Trump wünscht sich in Washington einen Triumphbogen nach Pariser Vorbild.

Trump will Ballsaal im Weißen Haus: „Während sich Amerikaner Lebensmittel nicht leisten können“

Der YouTuber Brian Tyler Cohen twitterte zu einem Foto der Abrissarbeiten: „Das geschieht, während sich Amerikaner Lebensmittel nicht mehr leisten können und sich die Regierung im Shutdown befindet.“ Damit ist der Zeitpunkt gleich aus zwei Gründen heikel: Die Proteste gegen die Regierung erreichen gerade einen neuen Höhepunkt und die US-Politik steht wegen des Streits um den künftigen Bundeshaushalt bereits seit Wochen so gut wie still.

Auf dem X-Account des Rapid-Response-Teams des Weißen Hauses wird versucht, den zahllosen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem diverse Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten früherer Präsidenten an ihrem Amtssitz aufgelistet werden. Aus den vergangenen 50 Jahren wird hier jedoch nur der Umbau des Tennisplatzes in einen Basketballplatz durch Barack Obama im Jahr 2009 genannt.

Trump will auch Triumphbogen: „Bei jedem Schritt des Prozesses dabei“

Trump will sich aber offenbar nicht nur mit dem großen Ballsaal verewigen. Bei dem erwähnten Spendendinner präsentierte er laut CNN Pläne für den Bau eines an den Pariser Arc de Triomphe erinnernden Werks. Dieses soll demnach zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im kommenden Juli entstehen. Die Idee stamme von Trump selbst. Ein hoher Beamter des Weißen Hauses verriet demnach: „Er hat den Entwurf eingebracht und war bei jedem Schritt des Prozesses dabei.“

Bislang gibt es laut Trump drei Modelle mit verschiedenen Größen. Vor den prominenten Gästen sagte er: „Wir werden sehen, welches davon am besten aussieht. Ich denke, es ist das größte.“ Lachend fügte er hinzu: „Warum sind Sie schockiert?“ Bei einem Termin mit Reportern kam die Sprache ebenfalls auf den US-Triumphbogen. Für wen der denn gedacht sei, wollte ein Journalist wissen. Trumps trockene Antwort lautete: „Für mich.“ (Quellen: Washington Post, Truth Social, New York Times, Wall Street Journal, X, Weißes Haus, CNN) (mg)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Xinhua , Pedro UGARTE / AFP

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