Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Benzinpreise und Steuer-Frust: Deutsche trauen Merz-Regierung das Reformwunder nicht zu
Die SPD auf einem Sieben-Jahres-Tief, Kanzler Merz büßt acht Prozentpunkte an Beliebtheit ein. Gewinnerin im ARD-„Deutschlandtrend“ ist die AfD.
Die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz findet aus den Umfragetiefs keinen Ausweg. Nicht nur die Parteien verlieren an Rückhalt – auch die handelnden Politikerinnen und Politiker büßen in der Gunst der Wahlberechtigten ein. Die Regierungsarbeit kommt bei den Befragten offenbar nicht so positiv an, wie es die Koalition seit ihrem Amtsantritt in Aussicht gestellt hat. Die horrend steigenden Benzinpreise dürften das negative Bild noch verstärkt haben.
Das belegt der aktuelle ARD-Deutschlandtrend. Beide Koalitionspartner verlieren gleichermaßen: Die CDU/CSU rutscht in der Sonntagsfrage von Infratest dimap von 28 auf 26 Prozent. Die SPD verliert ebenfalls zwei Punkte und landet bei 12 Prozent. Laut WDR ist das der schlechteste Wert der Sozialdemokraten seit August 2019.
Die AfD legt bei Deutschlandtrend-Umfrage um 2 Prozent zu
Zulegen kann hingegen die AfD: Sie gewinnt zwei Punkte und kommt auf 25 Prozent. Damit liegt sie knapp hinter der Union. Die Grünen erreichen 14 Prozent (plus 1), die Linke 10 Prozent (plus 1). Das BSW fällt auf 3 Prozent (minus 1) und würde damit ebenso wie die FDP, die unverändert bei 3 Prozent liegt, den Sprung in den Bundestag verfehlen.
Besonders deutlich wird das Stimmungsbild bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Bundesregierung. Das Ergebnis ist eindeutig: Lediglich 15 Prozent zeigen sich derzeit sehr zufrieden oder zufrieden mit der Regierungsarbeit – ein Rückgang um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat. 84 Prozent hingegen sind unzufrieden.
Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern
So glauben nur 20 Prozent daran, dass die Regierung die „notwendigen Maßnahmen einleitet“, um die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland „zukunftssicher“ zu machen. Auch das Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz der Regierung ist gering – immerhin 26 Prozent äußern sich hier positiv.
Kanzler Merz verliert 8 Prozent an Beliebtheit
Betrachtet man die Koalitionspartner einzeln, schneidet die SPD am schlechtesten ab: Nur 13 Prozent bewerten ihre Arbeit positiv. Bei der CDU sind es 22 Prozent, bei der CSU 17. Bemerkenswert: Die CDU überzeugt wenigstens ihre eigene Anhängerschaft. Bei der SPD hingegen bewertet die Mehrheit der eigenen Unterstützerinnen und Unterstützer die Leistung der Partei in der Koalition kritisch.
Zustimmung und Ablehnung
Die Befragten stimmen mehrheitlich dem Vorschlag von Bundesfinanzminister Klingbeil zu, niedrige und mittlere Einkommensgruppen steuerlich zu entlasten und gleichzeitig höhere Einkommen stärker zu belasten.
Ablehnung erfährt eine Abschaffung des Ehegattensplittings für zukünftige Ehen sowie eine pauschale Anhebung der Mehrwertsteuer – dies wurde jedoch vom Kabinett noch nicht anvisiert.
Zustimmung erfährt der SPD-Vorschlag einer beschleunigten Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse zur schnelleren Integration von Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt.
Zustimmung finden Vorschläge zur gesetzlichen Krankenversicherung wie eine stärkere Besteuerung von gesundheitsschädlichen Stoffen wie Alkohol, Tabak und Softdrinks.
Höhere Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen werden von den Befragten jedoch ebenso deutlich abgelehnt, wie eine Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern oder begrenzte Vergütungen für niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser. (Tagesschau.de)
Verluste verzeichnen auch die einzelnen Regierungsmitglieder – und CSU-Chef Markus Söder. Mit Bundeskanzler Merz sind 21 Prozent zufrieden, ein Minus von 8 Punkten; 76 Prozent zeigen sich unzufrieden. Noch stärker bricht Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil ein: Sein Zufriedenheitswert sinkt um 15 Punkte auf 18 Prozent. Bärbel Bas kommt auf einen Zufriedenheitswert von 15 Prozent, ein Rückgang um 10 Punkte. Söder erreicht 27 Prozent, büßt aber ebenfalls 6 Punkte ein. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius, der seit Langem die Beliebtheitsskala anführt, verliert an Zustimmung. 49 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden – 6 Punkte weniger als noch im März.
Wahlumfragen sind keine Prognosen
Infratest dimap weist darauf hin, dass Wahlumfragen grundsätzlich mit Unsicherheiten verbunden sind. Sinkende Parteibindungen und zunehmend spontane Wahlentscheidungen machen es den Instituten schwerer, die erhobenen Daten richtig zu gewichten. Umfragen bilden stets nur die Stimmung zum Befragungszeitpunkt ab und lassen keine Rückschlüsse auf künftige Wahlergebnisse zu.
Für den Deutschlandtrend befragte Infratest dimap zwischen dem 30. und 31. März 2026 zufällig 1.316 Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland. Davon entfielen 785 auf Telefoninterviews und 531 auf Online-Interviews. Die Erhebung gilt als repräsentativ, die statistische Schwankungsbreite liegt zwischen 2 und 3 Prozent. (Quellen: ARD, dpa, eigene Recherche) (ktho)