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US-Geheimdienste: Irans Regime überlebt den Krieg – und wird dabei radikaler

Menschen halten ein Bild des neu ernannten iranischen Obersten Führers, Ayatollah Mujataba Chamenei, während einer nächtlichen Kundgebung in den Straßen Teherans (Symbolbild).
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Menschen halten ein Bild des neu ernannten iranischen Obersten Führers, Ayatollah Mujataba Chamenei, während einer nächtlichen Kundgebung in den Straßen Teherans (Symbolbild).

US-Geheimdienstberichte erwarten trotz Luftangriffen keinen Machtwechsel in Teheran. Ausgerechnet die Revolutionsgarden bauen ihren Einfluss aus. Eine Analyse.

Trotz mehr als zwei Wochen unermüdlicher Luftangriffe gehen US-Geheimdienstberichte davon aus, dass das iranische Regime – geschwächt, aber radikaler – vorerst an der Macht bleibt. Die einflussreichen Sicherheitskräfte der Revolutionsgarden (IRGC) haben ihren Einfluss weiter ausgebaut.

Die USA und Israel haben Irans Raketenarsenal und Marine erheblich dezimiert, den Obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet und Dutzende hochrangige Militärs und Geheimdienstler ausgeschaltet. Die Kosten des Krieges steigen – bislang mindestens 12 Milliarden Dollar und 13 getötete US-Soldaten. Irans eiserner Griff um die Straße von Hormus hat den Schifffahrtsverkehr fast zum Erliegen gebracht und löst eine historische Ölkrise aus.

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Ein Regimewechsel rückt nicht näher

Westliche Beamte und Analysten, die Iran beobachten, sehen wenig Aussicht auf einen „Regime Change“ oder eine demokratischere Regierung in der bald 50 Jahre alten Islamischen Republik. Letzteres Ziel nennt teils Israels Premier Netanjahu und zeitweise auch Präsident Donald Trump, der das Kriegsende daran messen will, „wenn ich es im Gefühl habe“.

Mehrere US-Geheimdienstbewertungen seit Kriegsbeginn gehen davon aus, dass das Regime bestehen bleibt und sich womöglich sogar bestärkt fühlt, weil es Trump widerstanden und überlebt hat – so erklären es zwei mit den Einschätzungen vertraute Personen. US-arabische Verbündete am Golf sind wütend und alarmiert, weil sie Ziel iranischer Raketen- und Drohnenangriffe werden.

Ein europäischer Diplomat sieht als wahrscheinlichstes Szenario ein „Rest-IRGC-Regime“ in Teheran mit verbleibenden Nuklear- und Raketenkapazitäten und Unterstützung durch regionale Verbündete. Allerdings sei das Regime „so weit geschwächt, dass wir uns in einer besseren Lage befinden als zuvor“.

Trump habe sehr ernüchternde Geheimdienstbriefe erhalten, so eine der Quellen. Noch vor Kriegsbeginn sei er über das Risiko einer noch gefestigteren IRGC-Struktur informiert worden – dieses Szenario war vorhergesagt worden.

Golfstaaten verärgert über US-Führung in Krise

US-Verbündete am Golf sind zornig auf die Trump-Regierung. „Sie haben diesen Krieg für Israel begonnen und uns dann mit den Angriffen allein gelassen“, so ein ranghoher arabischer Beamter. Die US-Seite habe beteuert, der Konflikt dauere nur kurz – nun versuche Iran, ihn maximal in die Länge zu ziehen, um Nachbarn zu schädigen.

„Wir haben keinen Plan für einen langen Krieg. Der muss so schnell wie möglich enden“, so der Beamte. Während Irans Vergeltungsschläge inzwischen seltener werden, weitet Teheran seine Zielregionen aus.

Golfstaaten nutzen Kampfhubschrauber und Jets zur Abwehr iranischer Drohnen – Angriffe auf Iran selbst wagen sie nicht, um keine Eskalation gegen eigene zivile Infrastruktur zu provozieren.

Trump zeigte sich am Montag überrascht von der Heftigkeit der iranischen Reaktion: „Sie trafen Katar, Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain, Kuwait – niemand hat das erwartet. Wir waren schockiert. Sie haben tatsächlich zurückgeschlagen.“

Straße von Hormus wird zum Zentrum des Krieges

Irans Griff auf die Straße von Hormus entwickelt sich zum entscheidenden Faktor; Märkte reagieren panisch auf die mögliche lange Schließung der wichtigsten Ölroute. Das Weiße Haus war durch die Dienste vorgewarnt worden. „Der Krieg dreht sich jetzt einzig um die Straße von Hormus. Punkt“, postet Eurasia-Group-Analyst Gregory Brew.

Iran nutzt billige Drohnen und einen schwindenden Raketenbestand, um zu bestimmen, wer passieren darf – so Brew. Teheran hofft, über diese Erpressung den US-Rückzug zu erzwingen, und setzt auf Trumps mangelnde Bereitschaft für einen langen Krieg.

Trotz der Erfolge des US- und israelischen Militärs – über 15.000 Ziele bombardiert – bleibt Iran stur. US-Streitkräfte bombardierten am Freitag Kharg Island, das Herzstück der iranischen Ölindustrie. Trump drohte via Social Media: „Iranische Soldaten und alle mit diesem Terrorregime Beteiligten sollten kapitulieren und retten, was von ihrem Land noch übrig ist – was nicht viel ist!“

Schwächung und Radikalisierung, aber kein Zusammenbruch

Ein israelischer Schlag tötete am ersten Kriegstag Chamenei, den IRGC-Kommandeur und den Verteidigungsminister; Chameneis Sohn Mojtaba wurde verletzt, dann aber als Nachfolger eingesetzt.

Laut westlichen Sicherheitskreisen sind die verbliebenen Entscheidungsträger verunsichert, paranoid und haben Kommunikationsprobleme – dennoch gibt es keine sichtbaren Risse im System. Eine geheime Analyse vor Kriegsbeginn ging bereits davon aus, dass auch massive Angriffe militärische und geistliche Führung nicht beseitigen würden.

Die Revolutionsgarden verfügen heute über erhebliche wirtschaftliche und politische Macht und kontrollieren den Repressionsapparat des Staates. Der Krieg dürfte laut Analysten die Entschlossenheit der IRGC weiter gestärkt haben.

Kaum Hoffnung auf Reformen und anhaltende Repression

Dass wirtschaftliche Not, Wasserknappheit und Stromausfälle neue Protestwellen lostreten, sei zwar möglich, aber das Regime hat bereits im Januar gezeigt, dass es anders als 2022 rigoros durchgreift. Mojtaba Chamenei gilt als Partner der IRGC, nicht als unabhängige Führungsfigur.

Ein Machtkampf nach dem Krieg wäre das Best-Case-Szenario – doch Experten bleiben skeptisch. Massive Demonstrationen sind derzeit nicht zu erwarten, es sei denn, Machtfraktionen oder bewaffnete Gruppen kehren sich von der Führung ab.

Internationale Isolation der Revolutionsgarden als neue US-Strategie

Die US-Regierung drängt andere Länder, die IRGC und die Hisbollah als Terrororganisationen einzustufen. Diplomaten wurden am Montag angewiesen, dies bis Freitag an ihre Gastregierungen heranzutragen, idealerweise abgestimmt mit israelischen Verbündeten. Kollektive Sanktionen, so das State Department, könnten Iran empfindlicher treffen als Einzellösungen.

Trump und sein Kabinett haben unterschiedliche Begründungen für den Krieg geliefert – wahlweise Regimesturz, Bedrohung durch Nuklear- und Raketenprogramme oder „existenzielles Risiko“ – Premier Netanjahu betont inzwischen vor allem die Schwächung iranischer Kapazitäten.

Stimmung im Land – Radikalisierung auf allen Seiten

Unter Regimegegnern wird das gezielte Töten von Revolutionsgardisten und weiteren Funktionären bejubelt – so berichtet eine Menschenrechtsaktivistin aus Teheran. „Es sind so viele Uniformierte getötet worden wie nie zuvor – das macht uns Hoffnung.“

Das tägliche Leben im Iran sei zunächst von Schock und Angst geprägt gewesen, doch nach zwei Wochen Luftangriffen sei die Bevölkerung weniger furchtsam, berichtet ein Berater von Präsident Masoud Pezeshkian. Die Hardliner fühlen sich im Krieg bestärkt, Diplomaten sind diskreditiert.

Tausende, darunter die politische Führung, marschierten am Freitag bei Quds-Tag-Demonstrationen in Teheran – die Parole: „Kein Kompromiss, kein Aufgeben, sondern Kampf bis zum Schluss.“

Die Sicherheitsapparate nutzten die Kriegszeit, um ihre Macht im Land weiter auszubauen. Die Führung feiert Vergeltungsschläge auf Golfstaaten als Machtdemonstration; gemäßigtere Regierungsvertreter wurden an den Rand gedrängt.

Die Region brennt, das Regime steht

„Die Region steht in Flammen und das Regime existiert immer noch“, so ein europäischer Diplomat. Die Angriffe und die harte Linie gegen sämtliche Proteste haben innenpolitisch zur weiteren Radikalisierung beigetragen.

Adam Taylor und Noah Robertson haben zu dem Bericht beigetragen.

Zu den Autoren

Ellen Nakashima ist Reporterin für Geheimdienste und nationale Sicherheit bei der Washington Post. Sie war Teil von drei Teams, die den Pulitzer-Preis gewannen – für Berichte zum Sturm aufs Kapitol am 6. Januar, russische Einmischung in die US-Wahl 2016 und verborgene Formen staatlicher Überwachung. Verschlüsselte Hinweise via Signal an Ellen.626.

Warren P. Strobel berichtet für die Washington Post über US-Geheimdienste. Er schrieb unter sieben Präsidenten über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Im Film „Shock and Awe“ wird er für seine kritische Berichterstattung zur Entscheidung des Irakkriegs porträtiert. Verschlüsselte Hinweise: Signal 202 744 1312.

Susannah George ist Korrespondentin für globale Angelegenheiten und nationale Sicherheit bei der Washington Post in Washington, D.C. Zuvor leitete sie das Büro in Dubai mit Schwerpunkt Golfstaaten und Iran und war davor Afghanistan-Pakistan-Korrespondentin der Post.

Dieser Artikel war zuerst am 16. März 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

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