Die Militärdiktatur und VW

Volkswagen, Brasilien und die Sache mit dem Schuldeingeständnis

Volkswagen und die Militärdiktatur in Brasilien: Die Geschichte ist nicht abgeschlossen. Der Autobauer will Millionen zahlen, doch sich nicht entschuldigen.

Wolfsburg – Der Autobauer Volkswagen und die Militärdiktatur in Brasilien: Es ist eine schockierende Geschichte von einem Unternehmen, das sich selbst aktiv an der politischen Verfolgung von Regime-Gegnern beteiligt haben soll. Heute pflegt der Konzern einen höchst problematischen Umgang mit seiner Vergangenheit und das, obwohl er selbst eine Studie dazu in Auftrag gegeben hatte. Bei VW, wo es wegen des Ukraine-Kriegs kürzlich zu Produktionsausfällen kam, will man sich seiner Verantwortung bewusst sein, Millionen-Zahlungen fließen. Ein Schuldeingeständnis und eine Entschuldigung gibt es trotzdem nicht – nach wie vor.

Zahlungen, doch kein Schuldeingeständnis von Volkswagen zu Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen in Brasilien

Bei Volkswagen hat man sich zu Zeiten der Militärdiktatur in Brasilien aktiv an der Verfolgung von Regime-Gegnern beteiligt, unter anderem wurden Mitarbeiter der Folter ausgeliefert. Der Konzern selbst erklärt laut Tagesschau, man sei „sich seiner historischen Verantwortung bewusst“, weshalb Volkswagen „seine Geschichte während des brasilianischen Militärregimes als erstes ausländisches Unternehmen aufgearbeitet und publiziert“ habe. Auf den zweiten Blick ist die Situation keineswegs so eindeutig, wie man sie beim Konzern nach außen hin gerne vermittelt, denn: Ein wirkliches Schuldeingeständnis, respektive eine Entschuldigung von VW gibt es nicht.

1953 war der Beginn der Volkswagen-Aktivitäten in Brasilien: Zu sehen ist die Produktionsstätte Ipiranga mit davor geparkten VW-Käfern. Später, zu Zeiten der Militärdiktatur, beteiligte sich das Unternehmen aktiv an der Verfolgung von Regimegegnern. Entschuldigt wurde sich bisher nicht.

Im Rahmen eines Vergleichs mit der brasilianischen Justiz von 2020 erklärte sich die Firma mit Ursprung in Niedersachsen zur Zahlung von 5,5 Millionen Euro bereit. Rund die Hälfte davon sollte an die damaligen Opfer gehen. Recherchen des NDR zeigen jedoch, dass man bei Volkswagen kurz vorher noch Abstand von der Zahlung nehmen wollte. In einem Brief an die Justiz schrieb der Autobauer den Recherchen zufolge, dass es unter anderem wegen der Corona-Pandemie „unmöglich“ sei, „dass sich Volkswagen jetzt auf die Verpflichtungen des Vergleichs festlegen kann“.

VW: Öffentlichkeitswirksam, doch wenig überzeugend – Volkswagens Umgang mit dem Vergleich

Als der Vergleich dann doch zustande kam, nutzte man die Gelegenheit bei VW, wo es zuletzt möglicherweise einen Durchbruch bei der Wasserstoff-Technologie gab, gerne auch zu Vermarktungszwecken. Der Konzern schrieb: „Mit diesem Vergleich will Volkswagen die Aufklärung der Wahrheit über Menschenrechtsverletzungen zu der Zeit fördern“. Dass man kurz vorher noch Abstand von der Vereinbarung nehmen wollte, während man den VFL Wolfsburg weiter mit Millionen sponserte, schien da schon fast vergessen.

Wie weit weg Volkswagen tatsächlich von einer Entschuldigung und einem Schuldeingeständnis ist, zeigen die Vergleichsunterlagen, die dem NDR vorliegen. In ihnen erklärte das Unternehmen: „Volkswagen Brasilien schließt diesen Vergleich ab, ohne jegliche eigene Verantwortung der Firma, ihrer Leitung, ihrer Angestellten oder Mitarbeiter anzuerkennen, für die Taten und Fakten, die in den Akten des Ermittlungsverfahrens untersucht wurden.“ Es kommen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Auseinandersetzung von VW mit der Firmenvergangenheit auf.

Volkswagen in Brasilien: Eigene Studie von VW zu Kooperation mit dem Militärregime – trotzdem kein Schuldeingeständnis

Bemerkenswert ist in diesem Kontext auch, dass Volkswagen tatsächlich eine eigene Studie in Auftrag gegeben hatte, die zu einem ähnlichen Schluss kam, wie vorherige Berichte. Der von VW beauftragte Bielefelder Historiker Christopher Kopper war zu der Erkenntnis gelangt, es habe eine systematische Zusammenarbeit zwischen dem Militärregime und dem Konzern gegeben. Wo selbst die eigene Studie dies feststellt, ist das ausbleibende Schuldeingeständnis und die ausbleibende Entschuldigung Volkswagens umso erstaunlicher. Im Rahmen des Vergleichs war VW dazu verpflichtet worden, sich zu äußern, die Art und Weise waren dem Konzern selbst überlassen worden. Das Wording der Stellungnahme zeigt, dass man sich bei VW partout nicht entschuldigen wollte.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden

In Verlautbarungen des Unternehmens von Anfang 2021 heißt es lapidar: „Volkswagen bedauert zutiefst die während der Zeit der Diktatur geschehenen Menschenrechtsverletzungen und zeigt sich mitfühlend angesichts eventueller Episoden, die unsere eigenen Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen betrafen, und die im vollkommenen Gegensatz zu den Werten der Firma standen.“ Eine aufrichtige Entschuldigung für das eigene Handeln klingt anders. Nach wie vor warten die Betroffenen beziehungsweise deren Hinterbliebene auf die Entschuldigung und das Geständnis der eigenen Schuld durch VW. Keine Zahlung der Welt könnte sie je ersetzen.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Volkswagen/dpa

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Deutschlands Fußball-Kader 2026: Wer hat Wurzeln außerhalb Deutschlands?

Deutschlands Fußball-Kader 2026: Wer hat Wurzeln außerhalb Deutschlands?

Joker und Undav retten Deutschland – DFB-Noten gegen die Elfenbeinküste

Joker und Undav retten Deutschland – DFB-Noten gegen die Elfenbeinküste

Hurricane 2026: Die Bilder vom Festival-Samstag

Hurricane 2026: Die Bilder vom Festival-Samstag

Bildergalerie: Das ist der Samstag auf dem Hurricane

Bildergalerie: Das ist der Samstag auf dem Hurricane

Kommentare