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Wagner-Deserteur packt aus und berichtet über Hinrichtungen: „Sie haben keine anderen Methoden“
Ein Deserteur der berüchtigten Wagner-Gruppe packt über seine Zeit in der Ukraine aus. Inzwischen bereue er seine Teilnahme am Krieg.
Oslo/Kiew – Andrei Medwedew, ehemaliger Kommandeur der berüchtigten Söldnergruppe Wagner, der derzeit in Norwegen auf Asyl hofft, hat sich in einem Interview zu seiner Zeit im Ukraine-Krieg geäußert. Dabei berichtete der 26-Jährige der Moscow Times, dass er Zeuge von mehreren Hinrichtungen von Kameraden geworden sei.
„Es gab einen Fall, in dem zwei Gefangene, die sich weigerten zu kämpfen, vor den Augen der anderen erschossen wurden, weil sie sich weigerten, Befehle zu befolgen“, sagte Medwedew. Der Vorfall soll sich in einem Wagner-Zentrum ereignet haben, in dem die Gruppe Häftlinge aus russischen Gefängnissen ausbildete. Bereits seit Monaten rekrutiert die Söldnertruppe Gefängnisinsassen für den Krieg.
Ukraine-Krieg: Wagner-Deserteur hofft auf Asyl in Norwegen – „Bedauere, dass ich überhaupt dort war“
Mewedew selbst war Anfang des Jahres nach Skandinavien geflohen, nachdem er vier Monate in der Ostukraine als Mitglied der Wagner-Gruppe gekämpft hatte. Nachdem er die Söldnergruppe im November verlassen hatte, soll der 26-Jährige nur knapp einer russischen Grenzpatrouille entkommen sein.
In der Ukraine seien die Kämpfer von den Wagner-Führern „wie Vieh behandelt“ und „wie Kanonenfutter an die Front geschickt“ worden – Gründe, wieso er die berüchtigte Truppe verlassen hatte. „Ich bedauere, dass ich überhaupt dort war“, sagte Medwedew. Er weigerte sich jedoch zu sagen, welche Verbrechen seine Kameraden begangen hatten und ob er selbst als Kommandeur kriminelle Befehle erteilt hatte, berichtet die Moscow Times.
Angaben der russischen Menschenrechtsorganisation Gulagu.net zufolge war Medwedew in der Nähe von Bachmut im Einsatz. Die Wagner-Gruppe kämpft seit Monaten gegen ukrainische Truppen im Raum Bachmut – und eroberte unter anderem die umkämpfte Kleinstadt Soledar.
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Jung und gewalttätig: Medwedew wurde im Krieg von Russland vom Räuber zum Wagner-Söldner
Andrei Medwedew, der in der sibirischen Region Omsk aufgewachsen ist, wurde in der Vergangenheit mehrfach wegen Raubüberfällen verurteilt – angeblich sei er aber nicht in einem Gefängnis rekrutiert worden, sondern habe sich im Sommer den Söldnern als Freiwilliger angeschlossen. Als junger, gewalttätiger Mann passte der 26-Jährige jedoch hervorragend in das Profil der Wagner-Gruppe.
Im November habe er sich schließlich entschlossen, zu desertieren, nachdem er gesehen habe, „was in der Ukraine geschah“. Einer der unter dem Kommando von Medwedew stehenden Männer – der verurteilte Mörder Jewgeni Nuschin – wurde von einem anderen Wagner-Söldner mit einem Vorschlaghammer getötet. Der Grund: Nuschin wollte sich kurz nach seiner Entsendung in den Krieg den ukrainischen Streitkräften ergeben. Unter anderem kursierten auf Twitter und Telegram Videos der Hinrichtung.
Wagner-Gruppe in der Ukraine: Anführer Prigoschin bestreitet aktuell Hinrichtung an eigenem Kämpfer
Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin sagte später, dass Nuschin einen „Hundetod“ verdient habe, seine Söldner jedoch nicht an seiner Ermordung beteiligt gewesen seien. Medwedew zufolge war eine solche Hinrichtung aber „zu erwarten“. „Wagner hat keine anderen Methoden“, sagte der ehemalige Söldner. Prigoschin habe er nur einmal in einem Schulungszentrum getroffen, wo der Wagner-Anführer „den Eindruck eines kranken Menschen“ gemacht haben soll.
Medwedews Anwalt sagte zu Beginn des Monats, dass sein Mandant bereit sei, über seine Erfahrungen innerhalb der Wagner-Gruppe zu sprechen und auch vor Gericht auszusagen. (nak)