Leverkusen nach 4:2 im DFB-Pokal-Halbfinale
Bremer Jungs schmeißen Werder raus
Leverkusen - Der Start ein Traum, das Ende ein Alptraum! Trotz einer schnellen 2:0-Führung bei Bayer Leverkusen hat Werder Bremen am Dienstagabend nach einem rassigen Fight den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals verpasst.
Nach frühen Toren von Max Kruse (4./Elfmeter) und Aron Johannsson (7.) verloren die Bremer nach Verlängerung noch mit 2:4 (1:2/2:2) bei der Werkself. Das kurios-bittere an dem Aus: Für Leverkusen trafen ausgerechnet die in Bremen geborenen Julian Brandt (31./55.) und Karim Bellarabi (111.), ehe Kai Havertz alles klar machte (118.).
Dass es ein bemerkenswertes Pokalspiel werden würde, zeichnete sich schon in den ersten Minuten der Partie ab. Und diese Minuten gehörten allein Werder Bremen. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, als Leverkusens Abwehrriese Jonathan Tah Werder-Angreifer Kruse im Strafraum wegrammte. Klarer Fall: Elfmeter. Kruse selbst trat an und bewies einmal mehr, dass die normalen Fußballgesetze für ihn nicht gealten. Der Gefoulte, der nicht schießen soll? Egal. Kruse trat an und traf sicher (4.).
Sinn des Videobeweises darf in Frage gestellt werden
Wer dachte, das sei schon ein Traumstart, irrte. Denn nur drei Minuten später erhöhte Aron Johannsson auf 2:0 (7.). Nach einem Klasse-Spielzug mit den Stationen Kruse-Junuzovic-Kruse hob der Isländer den Ball cool ins Netz. So viel Nervenstärke nach so viel Frust – das war schon alle Ehren wert. Johannsson war bei Werder eigentlich schon abgeschrieben gewesen, hatte zuletzt am 11. September 2016 (!) in der Bremer Startelf gestanden. Nun gab Trainer Florian Kohfeldt ihm den Vorzug vor 7,5-Millionen-Einkauf Milot Rashica. Das zahlte sich. Und Werder-Aufsichtsrat Marco Bode staunte über Johannssons kaltschnäuzigen Treffer: „Er strotz vor Selbstvertrauen. So einen Lupfer hat er auf Schalke als Assist hingelegt.“
Nach dem Traumstart hoch zwei hätte es für Werder auch traumhaft weitergehen können. Doch eine Flipper-Kombination zwischen Kruse und Johannsson endete kurz vor dem Strafraum. Und als Kruse abermals im Sechzehner weggeräumt wurde, blieb der fällige Elfmeterpfiff aus. Charles Aranguiz hatte dem Bremer den Ellbogen ins Gesicht gerammt – Strafstoß und Rot für Aranguiz wären die richtige Entscheidung gewesen. Doch es gab nichts – weshalb einmal mehr die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Videobeweises gestellt werden musste. Im Pokal ist er zwar ab dem Viertelfinale im Einsatz, der Assistent am Monitor – in diesem Fall Wolfgang Stark – meldete sich aber nicht.
Für das alles brauchte das Spiel nur zwölf Minuten. Danach änderte sich schleichend der Charakter der Partie. Leverkusen schüttelte den Schock ab, wurde stärker und stärker. Immer wieder segelten von rechts die Flanken in den Bremer Strafraum, Werders 4-1-4-1 wurde mehrfach klassisch ausgespielt. Auch beim Anschlusstreffer durch den gebürtigen Bremer Julian Brandt. Die Bremer Abwehrkette ließ sich überrumpeln, Dominik Kohr lieferte die perfekte Vorarbeit (31.).
Anschließend befreite sich Werder wieder etwas und hatte durch Johannsson, der eine Hereingabe von Florian Kainz nur knapp verpasste, die große Chance, auf 3:1 zu stellen (37.). Wenige Sekunden später fischte Bayer-Keeper Bernd Leno einen Kainz-Distanzschuss aus dem Winkel.
Es war das letzte Mal, dass die 25 653 Zuschauer in der BayArena (darunter 4 500 aus Bremen) in der atemberaubenden ersten Halbzeit nach Luft schnappen mussten. Es ging in die Kabine – und aus der kam Johannsson nicht mehr zurück aufs Feld. Angeschlagen musste er Platz machen für Rashica.
Traum von 21. Halbfinal-Teilnahme geplatzt
Nicht allein deshalb fragte sich Marco Bode, ob es in Halbzeit zwei so gut weitergehen würde. „Es ist schön anzusehen. Hoffentlich hält die Mannschaft das durch.“ Für weitere Bremer Herrlichkeit sorgte jedoch wieder der Bremer im Bayer-Dress. Aus dem Stand traf Brandt in den Winkel (55.). 2:2 – ausgerechnet der Junge aus dem Stadtteil Borgfeld, der früher in der Ostkurve des Weserstadions gestanden und Werder zugejubelt hatte, brachte die Bremer wieder vom Halbfinalkurs ab. Vermutlich wäre das Spiel entschieden gewesen, wenn Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) den Einsatz von maximilian Eggestein gegen Aranguiz als elfmeterwürdig gewertet hätte. Die Aktion war grenzwertig, aber wieder schaltete sich Stark nicht korrigierend ein (72.). Kurz darauf rettete Werder-Keeper Jiri Pavlenka in höchster Not gegen Kohr.
Von Werder kamen nur noch gelegentlich Entlastungsangriffe, torgefährlich wurden Kruse, Kainz und Co. aber lange nicht mehr. Bis Rashica flach zu Thomas Delaney passte, dessen Abschluss aber von Tah geblockt wurde (79.). Danach passierte nichts mehr, es ging in die Verlängerung.
Höhepunkt des ersten Teils: Ein Freistoß an den Pfosten von Leverkusens Wunderknaben Leon Bailey (102.). Höhepunkt des zweiten Teils: Das 3:2 (111.) des eingewechselten Bellarabi. Ausgangspunkt des Treffers war wieder ein Bailey-Freistoß – und den hätte es nie gegeben, wenn der für kainz gekommene Ishak Belfodil sich nicht ein extrem unnötiges Foul geleistet hätte. Havertz machte schließlich nach Vorlage von Bellarabi alles klar. So platzte der Bremer Traum von der 21. Halbfinalteilnahme im DFB-Pokal.
Fotostrecke: Werder verschenkt 2:0-Führung




