Ärgerliche 2:4-Pleite bei den Bayern
Werder schnuppert an der Sensation
München - Werder war so dicht dran, die dunkelschwarze Serie gegen den FC Bayern zu beenden. Zwischendurch durften die Bremer sogar vom ersten Sieg gegen den Rekordmeister seit 2008 träumen. Doch der tolle Werder-Auftritt wurde nicht belohnt, der FC Bayern setzte sich ziemlich glücklich, aber am Ende deutlich mit 4:2 (1:1) durch.
Thomas Müller (41. und 84.) und Robert Lewandowski (63. und 76.) trafen für die Gastgeber, für Werder waren Jerome Gondorf (25.) und Niklas Süle (74./Eigentor) erfolgreich gewesen. Die Gäste hätten einen Punkt verdient gehabt, der im Abstiegskampf ziemlich gut getan hätte. Die Konkurrenz hat schließlich an diesem Spieltag ordentlich gepunktet. So steht Werder am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Hertha BSC gehörig unter Druck.
Werder-Coach Florian Kohfeldt hatte gegenüber dem Hoffenheim-Spiel vor einer Woche drei Änderungen in der Startelf vorgenommen. Thomas Delaney, Jerome Gondorf und Robert Bauer ersetzten Florian Kainz, Ishak Belfodil und Theodor Gebre Selassie. Dazu verordnete der Coach seinem Team ein 4:1:4:1-System. Die Bayern hatte da so ihre Probleme, Räume zu finden. Nur einer nicht: Franck Ribery. Der Franzose wirbelte von der ersten Sekunde an, als wolle er unbedingt zeigen, dass er mit 34 Jahren längst noch nicht zum alten Eisen gehört. Da hatte Bauer so seine liebe Mühe. Schon im ersten Zweikampf musste er foulen und sah dafür die Gelbe Karte (5.).
Gondorf erzielt Werder-Führung - Müller gleicht aus
Die erste Torchance hatten allerdings die Bremer nach einem feinen Angriff über die linke Seite. Die Flanke von Ludwig Augustinsson köpfte Max Kruse an den Pfosten (7.). Die Gäste schafften es immer wieder, sich vom Druck der Bayern zu befreien und selbst nach vorne zu spielen. So wie in der 25. Minute: Maximilian Eggestein behauptete sehr gut den Ball, legte auf Kruse ab, der Gondorf perfekt in Szene setzte - und der schob Bayern-Keeper Sven Ulreich die Kugel durch die Hosenträger. 1:0 für Werder – wer hätte davon zu träumen gewagt? Und das Beste daran: Die Führung war durchaus verdient.
Die Bayern ließen sich von dem Rückstand nicht beeindrucken, spulten ihr Programm weiter runter – etwas leidenschaftslos. Zum Ausgleich reichte es trotzdem, weil Milos Veljkovic nach einem langen Ball von Jerome Boateng pennte. Thomas Müller nahm die Einladung zum 1:1 dankend an (41.). Ein ärgerliches Tor, das vielleicht auch Delaney mit einer etwas heftigeren Attacke gegen Boateng hätte verhindern können. Die Hauptschuld lag aber klar bei Veljkovic, der bis dahin eigentlich ganz gut gespielt hatte.
Bitter für Bauer: Der früh verwarnte Rechtsverteidiger hatte sich nach schwachem Beginn gesteigert, musste aber zur Pause raus. Die Gefahr eines Platzverweises war Trainer Kohfeldt offenbar zu groß, er brachte Gebre Selassie. Der Tscheche fügte sich ganz gut ein. Werder blieb seiner Linie treu: hinten sehr diszipliniert, vorne mit gelegentlichen Überfällen. Wie in der 56. Minute: Wieder brachte Kruse Gondorf ins Spiel, dessen Schlenzer von Süle übers Tor gelenkt wurde. Schade für Werder, da war mehr als nur eine Ecke drin.
Auf der anderen Seite verfehlte Lewandowski knapp das Tor (57.). Es war die erste Bayern-Chance nach der Pause – ziemlich wenig für einen Tabellenführer. Das fand auch Jupp Heynckes, der Bayern-Trainer reagierte mit einem Doppelwechsel: Arturo Vidal und Kingsley Coman kamen für Javier Martinez und den unauffälligen Arjen Robben (58.). Und siehe da, Vidal hätte fast sofort getroffen, scheiterte aber am starken Jiri Pavlenka (62.). Doch nur eine Minute später machte es Lewandowski besser. Der Pole versenkte eine Ecke per Kopf zum 2:1, Delaney hatte ihn nicht entscheidend gestört.
Lewandowski antwortet schnell auf Süles Eigentor
Doch Werder zeigte sich nicht geschockt. Im Gegenteil: Gebre Selassie hatte umgehend die Chance zum Ausgleich, köpfte aber über das Tor (65.). Kurz darauf wäre die Partie dann beinahe schon entschieden gewesen, als Lewandowski in die Trickkiste griff. Doch dessen Versuch mit der Hacke vereitelte Pavlenka mit einer Fußabwehr (70.).
Nun reagierte auch Kohfeldt: Für den völlig erschöpften Gondorf brachte er Angreifer Florian Kainz (73.). Es war ein klares Signal an die Mannschaft, dass hier noch etwas geht. Den Beweis dafür gab es nur wenige Sekunden später. Eine Ecke von Kruse beförderte Bayern-Innenverteidiger Niklas Süle unfreiwillig mit der Brust ins eigene Tor 2:2 (74.). Doch die Freude darüber war noch nicht ganz verfolgen, da jubelten schon wieder die Bayern und wieder hatte Lewandowski per Kopf getroffen (76.). Ausgerechnet der in dieser Saison so überragende Pavlenka machte dabei eine nicht ganz so glückliche Figur.
Aber Werder gab sich einfach nicht auf. Junuzovic zwang Ulreich zu einer Glanzparade (80.). Ging da noch was? Leider nicht mehr, denn Müller machte mit seinem 4:2 den Deckel drauf (84.). Werder konnte aber erhobenen Hauptes das Feld verlassen.
