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Zwölf-Minuten-Statement: FCB-Trainer Kompany spricht im Vinicius-Fall Klartext – und greift Mourinho an
Vincent Kompany hat bei einer denkwürdigen Pressekonferenz mit einem flammenden Appell in der Rassismus-Debatte um Vinicius Junior aufhorchen lassen.
Es war in den vergangenen Tagen das bestimmende Thema in den sozialen Medien und der allgemeinen medialen Berichterstattung im Fußball: Vinicius Junior wurde im Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon mutmaßlich erneut Opfer von rassistischen Anfeindungen. Sein Gegenspieler Gianluca Pestianni soll den Brasilianer wegen seiner Hautfarbe beleidigt haben – dabei hielt er sich das Trikot vor den Mund.
Am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt wurde Vincent Kompany zu dem Vorfall befragt. Der Bayern-Trainer stellte umgehend klar, dass er anschließend keine sportliche Frage mehr beantworten werde, weil ihm das Thema zu ernst sei. Zwei sportliche Fragen später nahm Kompany sich dann des Themas an, antwortete aber trotz guter Deutschkenntnisse auf Englisch und führte einen fast zwölf Minuten langen Monolog.
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Der Belgier mit kongolesischen Wurzeln ergriff bei dem aus seiner Sicht „schwierigen Thema“ klar Partei für Vinicius Junior und ließ mit einem flammenden Appell aufhorchen. Aus seiner Sicht müsse man bei der Bewertung mehrere Aspekte berücksichtigen: „Erstens, was auf dem Platz geschieht. Zweitens, was im Stadion mit den Fans passiert, und drittens, was nach dem Spiel geschieht“, leitete er ein.
Auf dem Platz sei die Sache für ihn klar: „Wenn du siehst, wie Vini Junior auf dem Platz reagiert, kann seine Reaktion nicht gespielt sein. Es ist eine emotionale Reaktion, in der ich für ihn keinerlei Vorteil sehe, dass er zum Schiedsrichter geht und das ganze Elend auf seine Schultern lädt“, so Kompany, der „absolut keinen Grund“ sieht, warum der Real-Star sich den Vorfall ausgedacht haben soll.
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Verstärkend ist für ihn die Reaktion von Kylian Mbappe, „der normalerweise immer sehr diplomatisch ist nach allen Seiten hin. Kylian Mbappe ist sich wirklich klar darüber, was er gehört und gesehen hat. Er ist noch klarer, wenn er nach dem Spiel darüber spricht. Dann gibt es einen Spieler, der sein Gesicht beim Sprechen hinter seinem Shirt versteckt (Benficas Gianluca Prestianni, Anm. d. R.). Am Ende gibt es einen Spieler, der sich beschwert, und einen Spieler, der sagt, dass er es nicht getan hat“, so Kompany weiter.
Doch auch die Fans im Stadion sind für den Bayern-Coach nicht unschuldig. „Dann sieht man im Hintergrund, wie Leute im Stadion Affenzeichen machen. Man sieht es im Video“, erinnert er sich zurück. Abschließend nimmt er sich Benfica-Trainer José Mourinho vor, der aus Sicht des 39-Jährigen völlig falsch reagiert hat.
„Was nach dem Spiel passiert ist, ist sogar noch schlimmer gewesen. José Mourinho, der Anführer der Mannschaft, hat den Charakter von Vinícius Junior attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler. Und das ist etwas, was wir nicht akzeptieren sollten“, appellierte Kompany, der sich insbesondere an einem Vergleich des Portugiesen störte.
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„Obendrein nennt er den Namen von Eusébio. Er sagt, dass Benfica nicht rassistisch sein kann, weil der beste Spieler der Klubgeschichte Eusébio ist. Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten? War er da, um mit Eusébio zu jedem Auswärtsspiel zu reisen? Mein Vater ist eine schwarze Person aus den 1960ern, der damals seinen Weg gegangen ist. Damals war ihre einzige Option, still zu sein, nichts zu sagen, darüberzustehen und zehnmal besser zu sein, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das ist wahrscheinlich Eusébios Leben“, ergänzt er.
Wichtig war dem Bayern-Trainer abschließend, dass er lediglich Mourinhos Umgang mit dem Thema kritisiert, nicht aber den Portugiesen als Person verurteilt. „Ich verstehe, was er da getan hat, dass er für seinen Klub und seine Mannschaft kämpft, aber er hat einen Fehler gemacht. Das ist etwas, das in der Zukunft hoffentlich nicht noch einmal passieren wird, sodass wir nach vorn schauen und wachsen können“, stellte er klar.