Warnschuss auf St. Pauli

Bekommt Gladbach plötzlich Europa-Hemmungen?

Borussia Mönchengladbach lieferte gegen den FC St. Pauli eine schwache Vorstellung ab. Werden die Fohlen von Europa gehemmt?

Mönchengladbach – Schon wieder befindet sich Borussia Mönchengladbach in einer Situation, in der man eigentlich gar nicht sein wollte.

Gladbach auf einmal im Rennen um Europa

Vor einem Jahr musste der Traditionsverein darauf achten, nicht in den Abstiegskampf zu geraten, obwohl die Richtung im eingeleiteten Umbruch nach oben zeigen sollte.

In der laufenden Saison mischt Gladbach plötzlich im Rennen um einen Europapokalplatz mit. Zwar hatte Sport-Geschäftsführer Roland Virkus zu Beginn der Sommervorbereitung einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgerufen, so hoch sollte es für Borussia aber nicht hinausgehen.

Borussia Mönchengladbach erlebte gegen St. Pauli ein enttäuschendes Unentschieden.

„Es ist eine schöne Momentaufnahme, wir ziehen Energie daraus“, kommentierte Virkus die Situation noch am Freitag und betonte: „Die andere Situation ist viel schlimmer. Wenn es wirklich um die Existenz geht – heißt, Abstieg oder nicht – ist das eine andere Hausnummer.“

Dennoch verwunderte der Gladbacher Auftritt beim dürftigen 1:1-Remis gegen den FC St. Pauli am Sonntagnachmittag. Bekommen die Fohlen etwa eine Europa-Hemmung?

Wird Borussia von der großen Chance gehemmt?

„Wir können glücklich sein, dass wir den Punkt am Ende mitgenommen haben. Mit und gegen den Ball war das nichts von uns, damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte Rocco Reitz am DAZN-Mikrofon. „St. Pauli hat es mit den Positionswechseln gut gemacht, du wusstest nie, auf wen du Zugriff haben kannst und musst. Am Ende läufst du dich tot, vielleicht fehlt auch die Energie nach vorne.“

Figo, Jeremies, Ibrahimovic: 15 Fußballer, die zum Erzrivalen gewechselt sind

Zlatan Ibrahimovic: Der schwedische Ausnahmespieler ist fürs Anecken bekannt. Dass ihm der Titel als Publikumsliebling herzlich egal ist, bewies er bereits mehrfach. 2010 wechselte er von Inter Mailand zum FC Barcelona und nur ein Jahr später zur AC Mailand, wo er heute bereits das zweite Mal unter Vertrag steht.
Zlatan Ibrahimovic: Der schwedische Ausnahmespieler ist fürs Anecken bekannt. Dass ihm der Titel als Publikumsliebling herzlich egal ist, bewies er bereits mehrfach. 2010 wechselte er von Inter Mailand zum FC Barcelona und nur ein Jahr später zur AC Mailand, wo er heute bereits das zweite Mal unter Vertrag steht. © picture alliance/dpa/AP | Antonio Calanni
Wayne Rooney: Kaum ein anderer Spieler steht so sehr für Manchester United wie der bullige Engländer. Wayne Rooney wechselte allerdings vom Erzrivalen Everton zu den Reds und wieder zurück. Zumindest der erste Wechsel sorgte bei Fans für Furore.
Wayne Rooney: Kaum ein anderer Spieler steht so sehr für Manchester United wie der bullige Engländer. Wayne Rooney wechselte allerdings vom Erzrivalen Everton zu den Reds und wieder zurück. Zumindest der erste Wechsel sorgte bei Fans für Furore. © IMAGO / PA Images
Jens Lehmann: 2006 wurde Jens Lehmann zum WM-Helden gegen Argentinien. Schalker werden den Torhüter aber für etwas anderes in Erinnerung behalten. 1998 wechselte der Keeper zum Revier-Rivalen Borussia Dortmund.
Jens Lehmann: 2006 wurde Jens Lehmann zum WM-Helden gegen Argentinien. Schalker werden den Torhüter aber für etwas anderes in Erinnerung behalten. 1998 wechselte der Keeper zum Revier-Rivalen Borussia Dortmund. © IMAGO / Sven Simon
Luís Figo: Bevor der portugiesische Mittelfeld-Star zur Ikone der Königlichen wurde, spielte er sage und schreibe fünf Jahre beim FC Barcelona. Den Transfer zu Real Madrid verziehen ihm die Katalanen nie – und bewarfen ihn bei einer Ecke gar mit einem Schweinekopf.
Luís Figo: Bevor der portugiesische Mittelfeld-Star zur Ikone der Königlichen wurde, spielte er sage und schreibe fünf Jahre beim FC Barcelona. Den Transfer zu Real Madrid verziehen ihm die Katalanen nie – und bewarfen ihn bei einer Ecke gar mit einem Schweinekopf. © IMAGO / Ulmer
Carlos Tévez: Von Manchester United zu Manchester City – diesen Schritt ging Carlos Tévez. Von 2007 bis 2009 von West Ham United an die Reds ausgeliehen, wechselte der Argentinier 2009 zu Manchester City. Dort wurde er 2012 durch das legendäre Last-Minute-Tor von Sergio Agüero Meister.
Carlos Tévez: Von Manchester United zu Manchester City – diesen Schritt ging Carlos Tévez. Von 2007 bis 2009 von West Ham United an die Reds ausgeliehen, wechselte der Argentinier 2009 zu Manchester City. Dort wurde er 2012 durch das legendäre Last-Minute-Tor von Sergio Agüero Meister. © IMAGO / Colorsport
Florian Wirtz: Trotz seines jungen Alters hat das Leverkusener Kronjuwel schon einen Wechsel hinter sich. Florian Wirtz machte es wie Bernd Schuster und kam vom Rhein-Rivalen. Mit damals 17 Jahren wechselte er vom 1. FC Köln zu Bayer Leverkusen.
Florian Wirtz: Trotz seines jungen Alters hat das Leverkusener Kronjuwel schon einen Wechsel hinter sich. Florian Wirtz machte es wie Bernd Schuster und kam vom Rhein-Rivalen. Mit damals 17 Jahren wechselte er vom 1. FC Köln zu Bayer Leverkusen. © IMAGO / Revierfoto
William Gallas: London ist ein heißes Pflaster. William Gallas hat den Großteil seiner Karriere in der britischen Hauptstadt verbracht. Dort kam er vom FC Chelsea zum Stadtrivalen FC Arsenal, bevor er zum nicht minder gehassten Rivalen Tottenham Hotspur wechselte.
William Gallas: London ist ein heißes Pflaster. William Gallas hat den Großteil seiner Karriere in der britischen Hauptstadt verbracht. Dort kam er vom FC Chelsea zum Stadtrivalen FC Arsenal, bevor er zum nicht minder gehassten Rivalen Tottenham Hotspur wechselte. © IMAGO / Paul Marriott
Bernd Schuster: Fußballromantiker müssen jetzt ganz stark sein. Bernd Schuster wechselte von Köln zum FC Barcelona. Anschließend verschlug es ihn über Real Madrid zu Atletico Madrid, bevor er bei Bayer Leverkusen landete. Viel mehr kann man nicht mit Herzen spielen.
Bernd Schuster: Fußballromantiker müssen jetzt ganz stark sein. Bernd Schuster wechselte von Köln zum FC Barcelona. Anschließend verschlug es ihn über Real Madrid zu Atletico Madrid, bevor er bei Bayer Leverkusen landete. Viel mehr kann man nicht mit Herzen spielen. © IMAGO / WEREK
Mario Götze: Einst Dortmunder Goldjunge, dann Symbolfigur für Rücksichtslosigkeit bayrischer Transferpolitik. Mario Götze wechselte vom BVB zum FC Bayern und zurück, bevor es ihn ins Ausland und schließlich nach Frankfurt verschlug.
Mario Götze: Einst Dortmunder Goldjunge, dann Symbolfigur für Rücksichtslosigkeit bayrischer Transferpolitik. Mario Götze wechselte vom BVB zum FC Bayern und zurück, bevor es ihn ins Ausland und schließlich nach Frankfurt verschlug. © IMAGO / Plusphoto
Jens Jeremies: Ein Wechsel zum Erzrivalen ist das eine, ein Wechsel zum Erzrivalen in der selben Stadt etwas ganz anderes. Jens Jeremies tat genau das. 1998 wechselte er von 1860 München zum FC Bayern, wo er 2006 seine aktive Karriere beendete.
Jens Jeremies: Ein Wechsel zum Erzrivalen ist das eine, ein Wechsel zum Erzrivalen in der selben Stadt etwas ganz anderes. Jens Jeremies tat genau das. 1998 wechselte er von 1860 München zum FC Bayern, wo er 2006 seine aktive Karriere beendete. © IMAGO / MIS
Andreas Möller: Durch seine Fähigkeiten bekannt und durch seine Schwalbe berühmt. Möller sorgte aber für noch mehr Aufsehen. 2000 wechselte er vom BVB zu Schalke 04, beteuerte aber, im Herzen ein Borusse zu sein.
Andreas Möller: Durch seine Fähigkeiten bekannt und durch seine Schwalbe berühmt. Andreas Möller sorgte aber für noch mehr Aufsehen. 2000 wechselte er vom BVB zu Schalke 04, beteuerte aber, im Herzen ein Borusse zu sein. © picture-alliance / dpa | Uta_Rademacher
Hakan Çalhanoğlu: Vom HSV zu Leverkusen in die Serie A. Hakan Çalhanoğlu spielte fünf Jahre bei AC Mailand, mit denen er 2021 Vizemeister wurde. Er wechselte Ablösefrei zum amtierenden Meister Inter Mailand, um dort dabei zuzusehen, wie sein Ex-Verein die Meisterschaft holte.
Hakan Çalhanoğlu: Vom HSV zu Leverkusen in die Serie A. Hakan Çalhanoğlu spielte fünf Jahre bei AC Mailand, mit denen er 2021 Vizemeister wurde. Er wechselte Ablösefrei zum amtierenden Meister Inter Mailand, um dort dabei zuzusehen, wie sein Ex-Verein die Meisterschaft holte. © IMAGO / NurPhoto
Ronaldo: Die wohl schrägste Frisur im Weltfußball. Die meisten verbinden Ronaldo mit Real Madrid. Der Brasilianer spielte zuvor aber für Barcelona und Inter Mailand. Nach Madrid zog es ihn zur AC Mailand. Mehr Erzrivalen-Wechsel geht nicht.
Ronaldo: Die wohl schrägste Frisur im Weltfußball. Die meisten verbinden Ronaldo mit Real Madrid. Der Brasilianer spielte zuvor aber für Barcelona und Inter Mailand. Nach Madrid zog es ihn zur AC Mailand. Mehr Erzrivalen-Wechsel geht nicht. © IMAGO / Ulmer
Andrea Pirlo: Der Maestro, der Zauberfuß im Mittelfeld – auch Andrea Pirlo wechselte von Inter Mailand zur AC Mailand. Anschließend machte er das Triple der italienischen Top-Clubs voll und beendete seine aktive Karriere bei Juventus Turin. Eine Achterbahn der Fan-Gefühle.
Andrea Pirlo: Der Maestro, der Zauberfuß im Mittelfeld – auch Andrea Pirlo wechselte von Inter Mailand zur AC Mailand. Anschließend machte er das Triple der italienischen Top-Clubs voll und beendete seine aktive Karriere bei Juventus Turin. Eine Achterbahn der Fan-Gefühle. © IMAGO / Insidefoto
Lothar Matthäus: 1984 wechselte der deutsche Superstar von Mönchengladbach zum FC Bayern. Kurz zuvor kam es zum legendären 1:1, bei dem Matthäus im Elfmeterschießen versagte und seinem neuen Arbeitgeber den Sieg bescherte.
Lothar Matthäus: 1984 wechselte der deutsche Superstar von Mönchengladbach zum FC Bayern. Kurz zuvor kam es zum legendären 1:1, bei dem Matthäus im Elfmeterschießen versagte und seinem neuen Arbeitgeber den Sieg bescherte. © IMAGO / Team 2

Damit hat Gladbach genau die Aufgabe verfehlt, die Cheftrainer Gerardo Seoane seinen Spielern auf der Pressekonferenz am Freitag im Zuge der Europa-Diskussion auf den Weg gab. „Je höher, desto besser, aber jetzt davon zu sprechen oder zu träumen, bringt uns schlussendlich nichts, wenn wir es vermissen lassen, alle Attribute auf den Platz zu bringen.“

Keine Performance, keine Siege – zwar sprang gegen St. Pauli immerhin ein Zähler heraus, doch der kam vor allem zustande, weil die Entscheidungsfindung der Hausherren ebenso dürftig war wie die Präzision im Abschluss.

Reitz mit Appell an Gladbach-Kollegen

Dabei hatte Seoane in den vergangenen Wochen einen anderen Eindruck von der Mannschaft: „Die gute Ausgangslage gibt ihr Energie. Ich sehe sie sehr hungrig, sehr willig, mit einer hohen Bereitschaft, um das Maximum zu holen.“

Die nächsten Spiele werden zeigen, wie gut Gladbach das spannende Europa-Rennen verkraftet. Das Positive: Borussia kann die Überraschung als Tabellensechster (44 Punkte) noch immer aus eigener Kraft stemmen und hat direkte Duelle mit dem SC Freiburg (12. April) und Borussia Dortmund (20. April) vor der Brust.

Während sich bei den Fans in den sozialen Netzwerken stellenweise Nervosität breitmacht, appelliert Reitz an die Mentalität nach vergangenen Rückschlägen: „Wir dürfen uns von so etwas nicht aus dem Flow bringen lassen. Wir müssen ruhig bleiben. Wir sind immer noch ein gutes Team, wir haben eine super Mannschaft und wir haben noch einiges vor.“

Beispielhaft folgten auf die Null-Punkte-Woche zum Jahresauftakt drei Siege in vier Spielen. Nach der 0:3-Klatsche gegen den FC Augsburg feierte Gladbach einen 3:0-Erfolg in Heidenheim, auf das 1:3 gegen Mainz 05 reagierte die Seoane-Elf mit dem Doppelschlag gegen Werder Bremen (4:2) und RB Leipzig (1:0).

Gladbach nach Europa? Virkus zieht Vergleich zur Vorsaison

Für die Fans gilt es, der Mannschaft das Vertrauen auszusprechen. Die Spieler konzentrieren sich wiederum „darauf, was unser Job ist“, sagte Seoane am Freitag: „Performen, weiterarbeiten, sich weiterentwickeln. Ich glaube, dass wir noch einige Punkte sammeln können.“

Und wenn es dann doch nicht für Europa reichen sollte, dann sicherlich nicht, weil die Saison 2024/25 enttäuschend verlaufen ist.

„Letztes Jahr haben 42 Punkte gereicht, um Conference League zu spielen – die werden in dieser Saison sicher nicht reichen“, betonte Virkus und bekräftigte: „Man darf sich am Ende keine Vorwürfe machen, dass wir nicht alles getan haben, das zu erreichen, was jetzt möglich wäre.“

Vielmehr ist diese Saison ein großer Schritt in die richtige Richtung, die Hoffnung auf eine vielversprechende Zukunft keimen lässt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Ruhnke

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