Deutliche Reaktion
„Ein Witz!“ – Lautstarke Kritik an Zwayer nach Gladbach-Pleite gegen FC Bayern
Borussia Mönchengladbach machte Felix Zwayer nicht für das 0:1 gegen den FC Bayern verantwortlich. Der Schiedsrichter wurde dennoch laut kritisiert.
Mönchengladbach – Es war ein stimmungsvolles Jahresauftaktspiel, das Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern erlebte. „Unglaublich laut“ sei die Kulisse gewesen, urteilte Cheftrainer Gerardo Seoane nach dem Abpfiff. Dabei stand allerdings nicht immer seine Mannschaft im Vordergrund.
„War für mich ein Witz“ – Virkus mit deutlicher Kritik an Zwayer
Selbstverständlich wurde es am Samstagabend im Borussia-Park laut, weil Gladbach in den Schlussminuten alles in den Ausgleich gegen den FC Bayern investierte und Torhüter Moritz Nicolas mit einer weiteren Top-Leistung alle Chancen auf einen Punktgewinn wahrte. Dass auf den Halbzeitpfiff von Felix Zwayer aber ein gellendes Pfeifkonzert folgte, hing weniger mit einem trostlosen Fußballspiel zusammen als mit der Tatsache, dass der Unparteiische unmittelbar nach dem Ablauf der regulären Spielzeit während einer Angriffsphase der Hausherren die Pfeife in den Mund nahm und beide Mannschaften zum Pausentee bat.
Der vermeintlich verfrühte Abpfiff des ersten Durchgangs war eine von zwei Entscheidungen, die Sport-Geschäftsführer Roland Virkus nach Spielende in der Mixed Zone als „Witz“ bezeichnete. Sauer stieß Virkus auch auf, dass ein mit Gelb geahndetes Foulspiel von Julian Weigl an Kingsley Coman vor dem Gladbacher Strafraum (90.+1) auf Rot überprüft worden sei. „Da fällt mir nichts mehr ein“, sagte Virkus: „Es gab viele Kleinigkeiten gegen uns. Die Geschichte mit Weigl war ein Witz, die Geschichte mit der Halbzeit war für mich ein Witz.“
Bayern-Elfmeter „eine 50:50-Entscheidung“
Da gab es außerdem den Elefanten im Raum, über den selbstverständlich gesprochen wurde. In der 66. Minute erhielt der FC Bayern nach einem Kontakt zwischen Lukas Ullrich und Michael Olise einen Strafstoß, den Harry Kane zum entscheidenden 1:0 verwandelte. „Sehr ärgerlich“ sei der Pfiff gewesen, sagte Virkus, „weil es eine 50:50-Entscheidung ist.“ Der Gladbach-Boss war überzeugt: „Wenn der nicht gepfiffen wird und der VAR kontrolliert den, dann wird der nicht gegeben. Dafür ist das zu wenig.“
Auch Seoane zweifelte daran, ob der Kontakt für einen Strafraum ausreicht. „Als Schiedsrichter im Training pfeife ich diese Situationen nicht, es gehört irgendwo zum Fußball dazu“, so der Schweizer, der dafür Verständnis äußerte, dass Zwayer nach einem Kontakt zwischen Tim Kleindienst und Minjae Kim in der 88. Minute auf einen Gladbacher Elfmeter verzichtete: „Ich glaube, dass Tim die ehrliche Absicht hatte, den Fuß vor dem Gegner am Ball zu haben — für mich war es zu wenig.“
Virkus spricht von „Aversion“ gegen Zwayer
Das Gesprächsthema aber war Virkus‘ Rundumschlag, der nach dem Foulspiel von Weigl an Coman selbst mit Gelb verwarnt worden war. „Jeder hat einen schlechten Tag. Es geht auch gar nicht um den Elfmeter“, erläuterte der Sportchef: „Er pfeift Situationen sofort ab oder pfeift sie nicht und sagt mir in der Halbzeitpause, bei der Mannschaft, die mehr Ballbesitz habe, sei die Gefahr sehr groß, dass die anderen mehr foulen. Die Logik musst du mir erklären, die verstehe ich nicht.“
Womöglich sei es „bei mir auch eine Aversion gegen ihn, weil es nicht das erste Mal ist“, fuhr Virkus in Bezug auf Zwayer fort. Schon in einem Derby gegen den 1. FC Köln habe der Referee „ein paar ganz komische Aktionen“ gehabt, für die er dann auch Verantwortung übernehmen muss. „Ich stehe zu der Kritik, die muss er sich gefallen lassen. Das muss auch die Mannschaft, wenn sie schlecht spielt, und das muss ich mir gefallen lassen, wenn ich schlechte Transfers mache.“
Festmachen wollte Virkus die Niederlage gegen den FC Bayern aber nicht an Zwayer. „Das hat nichts mit dem Spielausgang zu tun, Bayern hat verdient gewonnen“, betonte er ausdrücklich. Einerseits erspielten sich die Münchner mehr Chancen, andererseits mangelte es Gladbach insbesondere im ersten Durchgang an längeren Ballbesitzphasen und Entlastung. Das Tempo und die Intensität des Bayern-Spiels gegen den Ball stellte Borussia vor Probleme, die Zuspiele ins letzte Drittel waren zu unpräzise. Dennoch herrschte angesichts des zweiten Durchgangs das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Maximilian Koch
