Im TV nicht zu sehen

Entscheidende Goretzka-Aktion vor Müller-Party in der Allianz Arena

Thomas Müller veredelt sein Rekordspiel beim FC Bayern mit einem spektakulären Treffer. Nach dem Abpfiff macht ihm Leon Goretzka eine Ansage.

München – Die Fans wollten Thomas Müller, die Fans bekamen Thomas Müller …

Nach dem Sieg des FC Bayern gegen den SC Freiburg spielten sich auf dem Rasen der Allianz Arena emotionale Szenen ab.

Thomas Müller feiert mit Bayern-Fans auf dem Zaun

„Müller auf den Zaun“, skandierten die Ultras in der Südkurve der Allianz Arena nach Abpfiff. Der Ur-Bayer tat den Anhängern den Gefallen, allerdings mit ein wenig Widerwillen. Doch der Reihe nach.

Es lief die 59. Spielminute, als Thomas Müller unter frenetischem Applaus und Standing Ovations in der mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Allianz Arena eingewechselt wurde. Stadionsprecher Stephan Lehmann kündigte den historischen Moment freudig an, denn Müller stieg mit seinem 710. Spiel für den FC Bayern zum neuen Rekordspieler des Klubs auf und überflügelte Torwart-Legende Sepp Maier. Doch Müller wäre nicht Müller, wenn er sich allein mit dieser Marke an diesem Abend zufriedengegeben hätte.

Gute Laune in der Fankurve: Thomas Müller, der sein Rekordspiel mit dem FC Bayern feiert, und Kumpel Leon Goretzka

Müller erzielt im Bayern-Rekordspiel ein Traumtor

Knapp zwanzig Minuten später ließ er es wieder müllern – und brachte das Stadion zum Beben. In der 78. Minute nahm Müller eine Gnabry-Flanke gefühlvoll mit dem rechten Fuß an und traf mit links zum vorentscheidenden 2:0 für den FC Bayern. Ein Tor im Rekordspiel: fast schon zu kitschig, um wahr zu sein – sogar Torwart Manuel Neuer eilte zum Jubeln herbei.

Sein 245. Tor für den FC Bayern würde er „von der Klasse her“ sogar in seinen Top 10 ansiedeln, so Müller schmunzelnd: „Das war schon eine sehr leckere technische Darbietung.“ Und es sei einer der Momente gewesen, „da scheppert es da oben in der Birne, da haut es die Hormone durcheinander“.

Goretzka-Ansage an Müller nach Bayern-Sieg in der Allianz Arena

Und auch nach Abpfiff gab es große Gefühle, die teils nicht im TV auf DAZN zu sehen waren. Die Mannschaft ging gemeinsam in die Kurve, um sich von den Fans für den ersten Heimsieg der Saison feiern zu lassen – vorneweg natürlich Thomas Müller. Der 34-Jährige animierte die Anhänger immer wieder mit seinen Gesten.

Komplett im Mittelpunkt zu stehen, war dem Anführer dann aber doch etwas unangenehm. Dem Wunsch der Fans, auf den Zaun zu klettern, kam Müller erst nach einer Ansage von Teamkollege Leon Goretzka nach. Nach ein paar kräftigen Schubsern und ein paar netten Worten von Goretzka gab es kein Entkommen mehr für Müller.

Dienstältester Profi jedes Bundesligisten: Nur einer gleichauf mit Thomas Müller

Thomas Müller bei einem Spiel des FC Bayern München
Beim FC Bayern macht Thomas Müller niemand etwas vor, seit 2009 kickt das Urgestein für die Münchner. In die Jugendakademie wechselte er sogar schon im Jahr 2000. Auf Platz zwei liegt übrigens Manuel Neuer, der 2011 vom FC Schalke an die Isar kam. © Frank Hoermann/SVEN SIMON / Imago
Marco Reus bei einem Spiel von Borussia Dortmund
2005 wechselte Marco Reus aus der Dortmunder Jugend nach Ahlen, über den Umweg Mönchengladbach landete er 2012 wieder bei der Borussia. Seitdem ist er beim BVB, war lange Kapitän und gilt als Fanliebling. © Maik Hölter/TEAM2sportphoto / Imago
Yussuf Poulsen bei einem Spiel von RB Leipzig
Im Sommer 2013 zog es Yussuf Poulsen aus der dänischen Heimat zu RB Leipzig in die 3. Liga. Mit den Sachsen feierte der Stürmer zwei Aufstiege und ebenso viele DFB-Pokalsiege. © BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik / Imago
Christopher Trimmel bei einem Spiel von Union Berlin
Nicht ganz so lange ist Christopher Trimmel bei Union Berlin, er schloss sich „erst“ 2014 von Rapid Wien den Köpenickern an. Mittlerweile ist er Kapitän und Identifikationsfigur und trug maßgeblich zum Aufschwung in den vergangenen Jahren bei. © Matthias Koch / Imago
Nicolas Höfler bei einem Spiel des SC Freiburg
Nicolas Höfler ist aus dem defensiven Mittelfeld des SC Freiburg schon seit Jahren nicht mehr wegzudenken. 2010 wurde er aus der eigenen Jugend hochgezogen, nach seinre zweijährigen Leihe zu Erzgebirge Aue (2011 bis 2013) startete er beim Sport-Club dann so richtig durch. © nordphoto GmbH / Hafner / Imago
Niklas Lomb bei einem Spiel von Bayer Leverkusen
Torhüter Niklas Lomb schaffte 2012 den Sprung in den Profikader von Bayer Leverkusen. Den Status als Nummer eins erarbeitete er sich allerdings nie und wurde insgesamt drei Mal verliehen. © Beautiful Sports / IMAGO
Makoto Hasebe und Timothy Chandler vor einem Spiel von Eintracht Frankfurt
Bei Eintracht Frankfurt teilen sich Makoto Hasebe und Timothy Chandler den Status als Dienstälteste. Kurios: Beide wechselten im Sommer 2014 vom 1. FC Nürnberg zur SGE. © BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik / Imago
Maximilian Arnold nach einem Spiel des VfL Wolfsburg
Mittelfeldspieler Maximilian Arnold wagte 2009 aus der Jugend von Dynamo Dresden den Schritt zum VfL Wolfsburg, seit 2012 ist er Teil der Profis und führt die „Wölfe“ auch als Spielführer an. © Darius Simka / Imago
Stefan Bell bei einem Spiel von Mainz 05
Zwei Jahre länger ist Stefan Bell schon Teil von Mainz 05, zudem ist der Innenverteidiger der FSV-Spieler mit den meisten Bundesliga-Einsätzen in der Vereinshistorie.  © UWE KRAFT / Imago
Tony Jantschke bei einem Spiel von Borussia Mönchengladbach
Gleichauf mit Bayern-Star Müller liegt Tony Jantschke. Der Innenverteidiger von Borussia Mönchengladbach ist ebenfalls seit 2009 mit dabei. © Nico Paetzel / Imago
Benno Schmitz bei einem Spiel des 1. FC Köln
Wesentlich kürzer ist da schon die bisherige Zeit von Benno Schmitz in Köln, im Sommer 2018 kam er von RB Leipzig zum „Effzeh“. Neben dem Rechtsverteidiger sind zudem nur Florian Kainz und Noah Katterbach schon vor diesem Jahrzehnt in Köln aktiv gewesen, beide sind seit 2019 Teil der Profis. © BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl / Imago
Kevn Akpoguma bei einem Spiel der TSG Hoffenheim
Zum Stammpersonal gehört Kevin Akpoguma bei Hoffenheim nicht, den Status als dienstältester TSG-Profi hat er aber inne. Seit 2013 ist der achtmalige nigerianische Nationalspieler Teil im Kraichgau, seine Zeit wurde lediglich von zwei Leihen unterbrochen. © eu-images / IMAGO
Michael Zetterer bei einem Spiel des SV Werder Bremen
Im Januar 2015 lotste der SV Werder Bremen Michael Zetterer aus Unterhaching in die Hansestadt, niemand ist länger Teil der Werder-Profis. Die Nummer eins war er allerdings nur kurzzeitig im Zweitliga-Jahr, zwei Spielzeiten war er zudem verliehen. © Kirchner/Noah Wedel / Imago
Anthony Losilla nach einem Spiel des VfL Bochum
Anthony Losilla ist eine Institution beim VfL Bochum. Seit seinem Wechsel von Dynamo Dresden nach Bochum im Jahr 2014 ist er Stammspieler, zur Saison 2018/19 übernahm er auch die Kapitänsbinde. © Michael Taeger / Imago
Raphael Framberger bei einem Spiel des FC Augsburg
Von der Nachwuchsakademie bis in die erste Mannschaft – diesen Weg ging Raphael Framberger beim FC Augsburg. Im Januar 2015 wurde der Rechtsverteidiger zu den Profis hochgezogen. © Roger Petzsche / Imago
Roberto Massimo bei einem Spiel des VfB Stuttgart
Immer wieder hat der VfB Stuttgart mehr oder weniger große Umbrüche zu meistern. Da verwundert es auch nicht, dass mit Roberto Massimo ein Spieler am längsten dabei ist, der „erst“ 2018 zu den Schwaben wechselte. © Paul Zimmer / Imago
Kevin Müller und Norman Theuerkauf bei einem des 1. FC Heidenheim
Aus der zweiten Mannschaft des VfB kam übrigens Torwart Kevin Müller im Sommer 2015 nach Heidenheim. Den Rang als Dienstältester muss er sich jedoch mit Norman Theuerkauf teilen, der zeitgleich mit Müller aus Braunschweig zum damaligen Zweitligisten wechselte. © Sportfoto Zink / Daniel Marr / Imago
Fabian Holland bei einem Spiel von Darmstadt 98
Beim anderen Bundesliga-Aufsteiger aus Darmstadt trägt Fabian Holland seit Januar 2019 die Kapitänsbinde, schon dreieinhalb Jahre zuvor kam er von Hertha BSC zu den Hessen. © Mara Wolf / Imago

Goretzka hat bei Müller-Party wieder gut lachen

Goretzka wurde kurz vor Schluss für Dayot Upamecano als Innenverteidiger eingewechselt und feierte damit sein Saison-Debüt. Trotz seiner Reservistenrolle unter Trainer Vincent Kompany ist davon auszugehen, dass Goretzka innerhalb der Mannschaft noch immer als Führungsspieler und wichtiger Ansprechpartner gilt, dessen Wort Gewicht hat.

Manch jüngerer Akteur hätte wohl eher nicht die Muße gehabt, dem großen Müller den entscheidenden Anstoß zu geben. Die Szene liefert einen Hinweis, dass Goretzka trotz Wechselgerüchten im Sommer-Transferfenster eine wichtige Rolle im Mannschaftsgefüge spielt.

Entscheidender Impuls: Leon Goretzka schickt Thomas Müller Richtung Bayern-Fans.

Müller-Forderung an Bayern-Fans auf dem Zaun

Müller kletterte im Anschluss auf den Zaun und feierte ausgelassen mit Megaphon. Nach seinem Rekordeinsatz verrät Müller seine Worte an die Bayern-Fans. „Ich kenne einige persönlich. Ich habe ihnen gesagt, dass sie dieses Jahr hart arbeiten sollen, weil sie werden einige Urlaubstage brauchen“, unkte der Publikumsliebling bei DAZN, der den Fans noch seine Fußballschuhe schenkte. „Wir haben dieses Jahr richtig was vor. Das hat ihnen und mir natürlich richtig gut gefallen.“

Was damit gemeint ist, ist offensichtlich: Das „Finale dahoam“, das Champions-League-Finale 2025 findet in München statt. Das liege allerdings noch „in weiter Ferne“, so Müller. „Das wirkliche Ziel ist aber erstmal, die PS so auf die Straße zu bringen, dass wir gute Spiele machen. Das andere ist das übergeordnete Ziel, aber du musst natürlich den Weg ins Auge fassen, der dich zum Ziel bringt. Das andere kann irgendwo in der Kabine als Leitspruch hängen.“ Fest steht: Thomas Müller wird auf dem Weg dahin eine prägende Rolle spielen, und vielleicht ja sogar auch ein gewisser Leon Goretzka. (ck)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/Imago

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