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Gladbach-Shootingstar ist das absolute Gegenteil eines gehypten Jungstars
Es ist ein Vorurteil, dass Profifußballer auf Glanz statt auf Leistung achten. Lukas Ullrich von Borussia Mönchengladbach widerlegt dieses Klischee.
Mönchengladbach – Der Profifußball hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auf rasante Weise verändert.
Es geht längst um mehr als nur Fußball
Mehr Spiele und mehr Öffentlichkeit bedeuten mehr Einnahmen für die Klubs und ihre Profis. Die Stars fallen nicht mehr nur mit schnellen Autos auf, sondern auch mit ihrer Kleidung, mit Frisuren, Tattoos und einem extravaganten Lebensstil, der nicht selten auf Social Media zur Schau gestellt wird.
Für den Boulevard sind auffällige Spieler gefundenes Fressen, Glanz und Glamour liefern häufig bemerkenswerte Geschichten. Vielen jungen Spielern wird vorgeworfen, im fortschreitenden Alter des Geldes und der Aufmerksamkeit wegen ihren Durchbruch im Profifußball schaffen zu wollen, überstürzte Vereinswechsel verstärken diese Annahme.
Im Fan-Umfeld von Borussia Mönchengladbach wird bis heute negativ über Sinan Kurt gesprochen, der Anfang der 2010er-Jahre als große Nachwuchshoffnung galt, 2014 zum FC Bayern wechselte und heute für die Holzheimer SG in der Landesliga Niederrhein spielt. Das zweite große Negativbeispiel ist Michaël Cuisance, der 2019 nach zwei Jahren in Gladbach ebenfalls zu den Bayern wollte und nach seinem Abschied vom Rekordmeister über die Stationen Venezia FC, Sampdoria Genua und VfL Osnabrück bei Hertha BSC gelandet ist.
Ullrich ist Gladbachs bodenständiger Shootingstar
Da ist es fast schon eine Wohltat für die Anhängerschaft, wenn Lukas Ullrich im Interview mit der Rheinischen Post durchblicken lässt, mit dem ganzen Drumherum wenig anfangen zu können. Stattdessen will der 20-jährige Linksverteidiger spielen und lernen.
Nicht viel reden, einfach machen – das ist die Haltung von Ullrich, den seine eigene Entwicklung offenbar kaltlässt. „Ich bin eher ein Mensch, der das nicht an die große Glocke hängt“, entgegnete der Youngster auf die Frage, ob er seinen steilen Aufstieg während der Weihnachtstage habe realisieren können.
Gladbach-Senkrechtstarter wollte „einfach mein Spiel zeigen“
Ullrich hat die Fohlen-Fans mit Leistung überzeugt, auch mit seinem Charakter wird er Pluspunkte sammeln. Bei Traditionsvereinen haben Werte wie Identifikation, Einsatz, Leidenschaft und Ehrgeiz einen größeren Stellenwert als ein choreografierter Torjubel oder ein möglichst protziges Auftreten auf und abseits des Rasens.
Wo bei Real Madrid vor einigen Jahren Cristiano Ronaldo das Estadio Santiago Bernabéu eingenommen hat, weil er bis heute keinen Hehl daraus macht, sich seit jeher für den besten Fußballer der Welt zu halten, stiehlt bei Borussia Mönchengladbach Tim Kleindienst allen die Show. Dazu trägt natürlich seine Ausbeute von 13 Bundesligatoren bei, doch Kleindienst wird auch für sein mannschaftsdienliches Spiel und seine Demut abseits des Rasens geschätzt.
Auch Ullrich ist jemand, der mit Taten auf sich aufmerksam machen will. „Ich wollte einfach mein Spiel zeigen, das ich die ganzen Jahre über gespielt habe“, sagt er über sein Startelfdebüt im Oktober, „es war die pure Vorfreude, dass ich aufs Feld gelassen wurde, ich wollte zeigen, was ich draufhabe.“
Ullrich: „Ich bin noch kein gestandener Bundesligaspieler“
Dass er außerdem ein Charakter ist, der seine Fähigkeiten einzuschätzen weiß, unterstreichen zwei Aussagen. Einerseits betont Ullrich, es sei „sehr wichtig“ gewesen, nach seiner Ankunft am Niederrhein im Sommer 2023 erste Schritte in der U23 zu machen: „Das würde ich jedem jungen Spieler raten. Es hilft einem in der Entwicklung weniger, wenn man jede Woche 90 Minuten auf der Bank sitzt. Deswegen habe ich das Spielen in der U23 immer genossen.“
Andererseits steht Ullrich zwar wöchentlich auf dem Rasen und misst sich mit Gegenspielern wie Michael Olise vom FC Bayern, noch sieht er aber einen weiten Weg vor sich: „Ich bin noch kein gestandener Bundesligaspieler, das dauert. Es ist so, dass ich in jedem Spiel noch etwas lernen kann, sowohl aus den positiven als auch aus den negativen Erfahrungen.“
Insofern nimmt sich der Linksverteidiger nur eine Sache raus: Anweisungen an die Mannschaftskollegen zu geben und Verantwortung zu übernehmen: „Wir wollen doch den größtmöglichen Erfolg mit der Mannschaft haben. Deswegen muss jeder sein Bestmögliches beisteuern, da gehört natürlich das Coachen dazu.“ Unbeliebt macht er sich bei den Fans damit keineswegs.