„Nicht tiefer hinterfragt“

Kleindienst erinnert an bittere Erfahrung – Wird Gladbach davon profitieren?

Droht Borussia Mönchengladbach der vorzeitige Verlust von Tim Kleindienst? Ein Erlebnis des Stürmers nährt die Hoffnung auf einen Verbleib.

Mönchengladbach – Auch wenn sich Tim Kleindienst im Laufe dieser Saison mehrfach zu Borussia Mönchengladbach bekannt hat, bleibt ein potenzieller Abgang nach nur einer Saison ein Thema in der Medienlandschaft.

Parallelen zu Niclas Füllkrug

Mit 14 Toren in 24 Einsätzen und seiner unermüdlichen Art auf dem Rasen hat sich Kleindienst einen großen Stellenwert innerhalb der Mannschaft und des Fan-Umfelds erarbeitet. Der Stern des Stürmers geht mit 29 Jahren auf, seit dieser Saison darf sich Kleindienst sogar als vierfacher deutscher Nationalspieler bezeichnen.

Einen ähnlichen Weg schlug Niclas Füllkrug ein. Der Angreifer wurde 2022/23 mit Christopher Nkunku geteilter Torschützenkönig in der Bundesliga (beide 16 Tore), feierte im November 2022 mit 29 Jahren sein Debüt bei der deutschen Nationalmannschaft, fuhr zur Weltmeisterschaft in Katar mit und wechselte 2023 von Werder Bremen zu Borussia Dortmund.

Der BVB zahlte seinerzeit über 17 Millionen Euro für Füllkrug, der im Sommer 2024 sogar für 27 Millionen Euro zu West Ham United weiterzog.

Muss Gladbach um Kleindienst-Abgang fürchten?

Es gibt diese Profis, die sich schneller als der Verein entwickeln. In Gladbach zählt Ko Itakura zu diesem Kaliber, womöglich sogar Rocco Reitz – und auf dem Papier auch Kleindienst.

Tim Kleindienst spielt seit dieser Saison für Borussia Mönchengladbach und steht bis 2028 bei den Fohlen unter Vertrag.

Gegenüber dem kicker erläuterte Roland Virkus in Bezug auf mögliches Interesse an Kleindienst, es sei bei adäquaten Angeboten „immer der Weg gewesen, darüber nachzudenken“, doch „gerade bei Tim muss man abwägen. Er ist wichtig für das gesamte Umfeld, nicht nur für die Mannschaft.“ Zustimmen würde man einem Transfer wohl nur in einer Extremsituation.

Belgien-Wechsel als mahnendes Beispiel für Kleindienst

In die Karten spielt Borussia, dass ein Transfer ein Drei-Parteien-Geschäft ist, die Spielerseite also ein gewichtiges Wort mitredet – und Kleindienst ist niemand, der voreilig den nächsten Schritt macht.

In der Vergangenheit war das noch der Fall, genauer gesagt im Sommer 2020. Seinerzeit spielte Kleindienst schon für den 1. FC Heidenheim, der belgische Europapokalaspirant KAA Gent klopfte plötzlich an und lockte mit der Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation.

Er habe sich von Sprüchen wie „Das musst du machen“ blenden lassen, sagt Kleindienst in der neuesten Ausgabe des Bundesliga-Magazins der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Den Wechsel habe ich überhaupt nicht tiefer hinterfragt. Zum Beispiel bin ich einfach über die Tatsache hinweggegangen, dass Josephine (Kleindiensts Ehefrau, d. Red.) als Lehrerin nicht nach Belgien mitgehen konnte.“

Rekord-Summe 222 Millionen Euro: Die 11 teuersten Transfers der Geschichte

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Bei Atlético Madrid und der französischen Nationalmannschaft überzeugte Antoine Griezmann auf ganzer Linie – auch den FC Barcelona. Die Katalanen kauften im Sommer 2019 den heute 31-Jährigen für 120 Millionen Euro. Zwischenzeitlich wurde er allerdings wieder an Atlético Madrid ausgeliehen.  © PIERRE-PHILIPPE MARCOU
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Eden Hazard, dessen Bruder Thorgan beim BVB aufläuft, wechselte 2021 vom FC Chelsea zu Real Madrid. Die Königlichen bezahlten für den Transfer nicht weniger als 115 Millionen Euro.  © JOHN THYS
Im Januar 2023 sorgte der FC Chelsea für einen Transfer-Hammer im Winter. 121 Millionen Euro legten die Blues für Enzo Fernandez von Benfica Lissabon auf den Tisch. Zusammen mit dem Mittelfeld-Juwel gewannen die Londoner 2025 die Klub-WM in den USA.
Im Januar 2023 sorgte der FC Chelsea für einen Transfer-Hammer im Winter. 121 Millionen Euro legten die Blues für Enzo Fernandez von Benfica Lissabon auf den Tisch. Zusammen mit dem Mittelfeld-Juwel gewannen die Londoner 2025 die Klub-WM in den USA.  © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Florian Wirtz ist der einzige deutsche Spieler in dieser Liste. Nachdem er Bayer 04 Leverkusen zur ersten Bundesliga-Meisterschaft der Vereinsgeschichte führte, eiste der FC Liverpool den Offensiv-Künstler für 125 Millionen Euro von der Werkself weg.
Florian Wirtz ist der einzige deutsche Spieler in dieser Liste. Nachdem er Bayer 04 Leverkusen zur ersten Bundesliga-Meisterschaft der Vereinsgeschichte führte, eiste der FC Liverpool den Offensiv-Künstler für 125 Millionen Euro von der Werkself weg. © IMAGO/Conor Molloy
Jude Bellingham spülte dem BVB mit seinem Wechsel zu Real Madrid satte 127 Millionen Euro in die Kassen. Direkt in seinem ersten Jahr holte er mit den Königlichen im Anschluss die Champions League – gegen seinen Ex-Verein.
Jude Bellingham spülte dem BVB mit seinem Wechsel zu Real Madrid satte 127 Millionen Euro in die Kassen. Direkt in seinem ersten Jahr holte er mit den Königlichen im Anschluss die Champions League – gegen seinen Ex-Verein. © IMAGO/Sergio Ruiz / PRESSINPHOTO
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Der Angreifer Joao Felix zählt ebenfalls zu den teuersten Transfers der Geschichte. Seine Verpflichtung kostete Atlético Madrid 127,2 Millionen Euro. 2019 erhielt er den Golden Boy Award als bester U21-Spieler Europas. © OSCAR DEL POZO
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Auf Platz fünf ist Philippe Coutinho. FC Barcelona hat 135 Millionen Euro an Liverpool gezahlt. Richtig durchsetzen konnte er sich bei den Blaugranas allerdings nicht. 2019 – ein Jahr nach seiner Verpflichtung in Barcelona – wurde er erst an den FC Bayern, dann an Aston Villa verliehen. An den England-Klub wurde er dann 2022 verkauft.  © DOUGLAS MAGNO
Platz vier schnappt sich ein weiterer Liverpool-Transfer der Saison 2025/26. Für 145 Millionen Euro verpflichteten die Reds Stürmer Alexander Isak von Newcastle United und krönten den Schweden damit zum teuersten Premier-League-Transfer der Geschichte.
Platz vier schnappt sich ein weiterer Liverpool-Transfer der Saison 2025/26. Für 145 Millionen Euro verpflichteten die Reds Stürmer Alexander Isak von Newcastle United und krönten den Schweden damit zum teuersten Premier-League-Transfer der Geschichte. © IMAGO/Mickael Chavet
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Wir sind auf dem Siegertreppchen angekommen: Platz drei der teuersten Transfers aller Zeiten belegt Ousmane Dembélé. Bei seinem Wechsel vom BVB zum FC Barcelona kassierte Borussia Dortmund 140 Millionen Euro. Sein Vertrag beim FC Barcelona geht bis Juni 2022. © LLUIS GENE
KYLIAN MBAPPE, PSG, Ligue 1, PSG vs Metz 5-0, Paris LIGUE 1 2021-22 PSG-METZ 5-0 - FESTA VITTORIA CAMPIONATO
Kylian Mbappé ist der zweitteuerste Transfer aller Zeiten. Sein Wechsel ließ sich AS Monaco fürstlich entlohnen. 180 Millionen Euro musste Paris Saint-Germain bezahlen. Ursprünglich sollte seine Verpflichtung 145 Millionen Euro kosten, durch seine Verlängerung bei den Hauptstädtern im Jahr 2022 stieg die Summe aber nochmal um 35 Millionen Euro – aufgrund von Bonuszahlungen. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Neymar (PSG) FOOTBALL : Paris St Germain Vs FC Metz - Ligue 1 - 21/05/2022 MichaelBaucher/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxF
Mit weitem Abstand führt Neymar die Liste der teuersten Transfers an. Auch hier musste Paris Saint-Germain tief in die Tasche greifen: 222 Millionen Euro kostete die Rekordverpflichtung. Sein Vertrag läuft bis 2025.  © IMAGO/Michael Baucher

Gent verpasste die Champions League, spielte dafür immerhin in der Europa League. Allerdings hat Kleindienst in Belgien binnen eines halben Jahres mit vier unterschiedlichen Trainern zusammengearbeitet, darunter dem heutigen Coach des FC Augsburg, Jess Thorup. Im Januar 2021 erfolgte mit der Rückkehr nach Heidenheim der Schlussstrich unter dieses Kapitel.

Kleindienst hat über Gladbach-Wechsel „20-mal mehr nachgedacht“

Bereits im Sommertrainingslager in Rottach-Egern erzählte Kleindienst als frischgebackener Gladbacher Neuzugang vom Abenteuer in Gent, das sich schnell zum Albtraum entwickelte.

„Du bereitest dich vor, hast mit dem Trainer gesprochen, der wird aber nach zwei Wochen entlassen. Dann kommt ein neuer, der komplett andere Ideen hat. Du hast die Familie nicht gesehen, warst alleine da. Es war ein Strudel, der sehr negativ war“, blickte Kleindienst auf „eine brutal negative Erfahrung“ zurück.

Obwohl der Stürmer über eine Ausstiegsklausel verfügt hat, musste Gladbach – nicht nur aus finanziellen Gründen – um den Transfer kämpfen. „Ich habe bei dem Wechsel 20-mal mehr darüber nachgedacht als damals“, betonte Kleindienst.

Seine Tor-Bilanz, sein Standing innerhalb des Klubs und der Aufschwung der Borussia, die trotz der Niederlage gegen Mainz 05 nur zwei Punkte Rückstand auf den sechsten Tabellenplatz hat, hat Kleindienst in seiner Entscheidung für Gladbach allerdings bestätigt. Und nach dem unglücklichen Halbjahr in Gent wird er auch in Zukunft überlegen, welcher Schritt wirklich der richtige ist.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Laci Perenyi

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