Duell gegen Mainz

Vorsicht, Gladbach: Der Trainer-Vulkan der Bundesliga kommt

Das Aufeinandertreffen von Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 ist ein Spiel der Gegensätze, wie man an der Seitenlinie sehen wird.

Mönchengladbach – Wenn Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 am Freitagabend (20.30 Uhr) um drei Punkte spielen werden, werden zwei Extrembeispiele auf den Trainerbänken zu beobachten sein.

Gladbach trifft auf den Trainer-Vulkan

Gladbach-Coach Gerardo Seoane hat durchaus emotionale Momente, dennoch ist der Schweizer ein weitgehend ruhiger und sachlicher Übungsleiter. Ganz anders tritt Bo Henriksen auf, der nach seinem Wechsel zu Mainz 05 im Februar 2024 zum Trainer-Vulkan der Bundesliga avanciert ist.

Schon vor den Spielen saugt Henriksen die Emotionen im Stadion auf, sprintet zum Mainzer Fanblock und heizt die Anhänger lautstark ein. Sobald der Schiedsrichter die Partie angepfiffen hat, gibt es erst recht kein Halten mehr.

Ein typisches Bild: Bo Henriksen kennt vor der Fankurve von Mainz 05 kein Halten mehr.

„In Midtjylland wurde mir am Spieltag mal ein Tracker angelegt, und es kam heraus: Von der Busankunft bis zum Verlassen des Stadions nach Spielende hatte ich 13 Kilometer zurückgelegt“, berichtete Henriksen dem kicker im Februar von seinem kraftraubenden Verhalten in der Coachingzone und gestand: „Wenn wir am Freitagabend spielen, dann bin ich am Samstag praktisch tot und verbringe die meiste Zeit des Tages auf der Couch.“

Henriksen „passt einfach perfekt“ nach Mainz

Das Wochenende wird im Hause Henriksen wohl ein ruhiges, denn in Gladbach wird sich der 50-jährige Däne erneut auspowern. Im heimlichen Spitzenspiel des 25. Bundesliga-Spieltags kann Mainz den vierten Tabellenplatz behaupten, bei einer Niederlage spränge Borussia indes mit nur noch einem Punkt Rückstand auf den fünften Platz.

Nun haben die Rheinhessen das Verlieren nicht verlernt, unter ihrem gegenwärtigen Trainer ist die Anzahl der Rückschläge jedoch drastisch gesunken. Von 38 Pflichtspielen wurden nur neun verloren, zu Buche stehen 19 Siege und zehn Unentschieden.

In der laufenden Saison verzeichnet Henriksen einen Durchschnitt von 1,78 Punkten pro Spiel, zählt damit zu den erfolgreichsten Trainern in der Bundesliga.

Vor einem Jahr sicherte er Mainz den Klassenerhalt, trotz einiger Tiefschläge zwischen September und November 2024 gab der Klub im Januar dieses Jahres die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2027 bekannt. „Bo hat mit seiner positiven, emotionalen Art auch den gesamten Verein und die Stadt auf diesem Weg mitgenommen – er passt einfach perfekt zu uns“, ließ sich Sportvorstand Christian Heidel in der Mitteilung zitieren.

Trainer-Vulkan Henriksen teilt auch intern aus

Henriksen hat Mainz wachgeküsst. So steht Jonathan Burkardt bei 14 Saisontoren und mittlerweile zwei Länderspielen für Deutschland, Paul Nebel könnte nach seinem Formanstieg ein Überraschungskandidat von Bundestrainer Julian Nagelsmann werden.

Die besten Sprüche von Trainer-Urgestein Christian Streich

„Meine Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. Ihre Ausstiegsklausel kann man in der Zeitung lesen – das ist furchtbar.“
„Meine Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. Ihre Ausstiegsklausel kann man in der Zeitung lesen – das ist furchtbar.“ © IMAGO/Rudel
„Wer jetzt nicht aufsteht, der hat nichts verstanden. Das steht außer jeder Frage. Es ist fünf Minuten vor zwölf. Wer jetzt nichts tut, hat in der Schule und in Geschichte nichts verstanden.“ Streichs eindringliche Warnung vor Rechtsextremismus
„Wer jetzt nicht aufsteht, der hat nichts verstanden. Das steht außer jeder Frage. Es ist fünf Minuten vor zwölf. Wer jetzt nichts tut, hat in der Schule und in Geschichte nichts verstanden.“ Streichs eindringliche Warnung vor Rechtsextremismus © IMAGO/Joeran Steinsiek
„Der Cristiano Ronaldo zeigt gern seine schöne Muskle. Diese Muskle hat er sich antrainiert. Der Cristiano Ronaldo hat, des weiß ich, weil des mir erzählt wurde, einen Trainingsaufwand … wenn jeder Spieler bei uns diesen Aufwand machen würde, wärs perfekt. Natürlich zelebriert er des, aber des hat er sich alles erarbeitet. Da werden die falschen Schlüsse gezogen.“ Streich verteidigt Cristiano Ronaldo
„Der Cristiano Ronaldo zeigt gern seine schöne Muskle. Diese Muskle hat er sich antrainiert. Der Cristiano Ronaldo hat, des weiß ich, weil des mir erzählt wurde, einen Trainingsaufwand … wenn jeder Spieler bei uns diesen Aufwand machen würde, wärs perfekt. Natürlich zelebriert er des, aber des hat er sich alles erarbeitet. Da werden die falschen Schlüsse gezogen.“ Streich verteidigt Cristiano Ronaldo © IMAGO/Joeran Steinsiek
„Mit jedem Jahr, in dem du wieder nicht gewinnst, steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass du eher gewinnst.“ Streichs einfache Erfolgsformel
„Mit jedem Jahr, in dem du wieder nicht gewinnst, steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass du eher gewinnst.“ Streichs einfache Erfolgsformel © IMAGO/Hettich
„Ich könnte jetzt hier eine Kampfansage an Bayern München machen: Zieht euch warm an und nochmal drei Lederhosen drüber!“ Streich vor einem Duell mit dem Rekordmeister
„Ich könnte jetzt hier eine Kampfansage an Bayern München machen: Zieht euch warm an und nochmal drei Lederhosen drüber!“ Streich vor einem Duell mit dem Rekordmeister © IMAGO/Rudel
„Wir machen keine Mega-Performance. Ich bin fast irritiert, wie Sie das formulieren. Sie sind in einer anderen Sprach-Generation, da komm‘ ich kaum noch mit. Ich hab keine Mega-Performance gesehen, ich habe gesehen, dass wir gearbeitet haben. Oder geworked.“ Streich über den modernen Sprachgebrauch
„Wir machen keine Mega-Performance. Ich bin fast irritiert, wie Sie das formulieren. Sie sind in einer anderen Sprach-Generation, da komm‘ ich kaum noch mit. Ich hab keine Mega-Performance gesehen, ich habe gesehen, dass wir gearbeitet haben. Oder geworked.“ Streich diskutiert mit einem Reporter über den modernen Sprachgebrauch © IMAGO/H. Langer
„Ganz unsexy sind wir nicht. Also ich bin jetzt relativ unsexy.“
„Ganz unsexy sind wir nicht. Also ich bin jetzt relativ unsexy, das gebe ich zu. Aber der Verein und die Struktur, die sind auch ein bisschen sexy.“ Streich lobt seinen Klub © THOMAS KIENZLE/AFP
„Es ist doch schöner, wenn jemand einem beim Einkaufen auf die Frage, wo der Senf steht, sagt: ‚Der Senf steht dort und wir freuen uns grad an euch.‘ Anstatt dass er sagt: ‚Sag ich dir nicht, wo der Senf steht, und gehen Sie aus dem Laden wieder raus!‘“ Streich über Erfolgserlebnisse
„Es ist doch schöner, wenn jemand einem beim Einkaufen auf die Frage, wo der Senf steht, sagt: ‚Der Senf steht dort und wir freuen uns grad an euch.‘ Anstatt dass er sagt: ‚Sag ich dir nicht, wo der Senf steht, und gehen Sie aus dem Laden wieder raus!‘“ Streich über Erfolgserlebnisse © Uwe Anspach/dpa
„Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne.“ Streich über die Motivation seiner Spieler
„Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne.“ Streich über die Motivation seiner Spieler © IMAGO/Rudel
„Am beschte: Machsch‘ de Fernseher aus, schausch‘ die Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch‘! Übsch‘!“ Streich über den Umgang mit Negativerlebnissen
„Am beschte: Machsch‘ de Fernseher aus, schausch‘ die Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch‘! Übsch‘!“ Streich über den Umgang mit Negativerlebnissen © IMAGO/Frank Hoermann
„Man verändert sich immer, weil man hat ja Stoffwechsel. Man ist ja nicht tot.“ Streich über Veränderungen im Leben
„Man verändert sich immer, weil man hat ja Stoffwechsel. Man ist ja nicht tot.“ Streich über Veränderungen im Leben © IMAGO/Rudel

Der Coach erachtet Kaishu Sano indes als einen der besten defensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga, dabei war der Japaner nach seiner Ankunft von den Kashima Antlers im vergangenen Sommer noch zu brav. „Einmal habe ich sogar mit Wucht auf ein Taktikboard gehauen, um ihm zu verdeutlichen, wie er in die Zweikämpfe gehen soll“, so Henriksen, der auch intern für Emotionen steht.

Gleichwohl hat der Mainzer Erfolgstrainer die Erfahrung machen müssen, dass er seine Ausbrüche hin und wieder reduzieren muss. Am 14. Januar handelte er sich beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen einen Platzverweis ein, nur um am 31. Januar gegen Werder Bremen den nächsten zu kassieren.

Gladbach hofft, „dass der Kessel brennt“

Seoane muss sich demnach auf eine lautstarke Kulisse von der benachbarten Bank einstellen, hat damit aber kein Problem. „Jeder Coach versucht, seiner Mannschaft mit seiner Art und Authentizität zu helfen. Es ist wichtig, dass du es schaffst, dich mit den Spielern zu verbinden – in welcher Form auch immer. Wichtig ist, dass es zu deiner Persönlichkeit und deinem Glauben passt“, sagte der Gladbacher Übungsleiter in Bezug auf Henriksen.

Sport-Geschäftsführer Roland Virkus hofft indes, den Trainer-Vulkan mithilfe der lautstarken Kulisse im Borussia-Park eindämmen zu können. „Es wird wichtig werden, dass der Kessel brennt“, forderte Virkus am Mittwoch und appellierte daran, „dass wir gute Gastgeber sind, aber nicht freundlich.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Revierfoto

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