Hohe Verschleißquote

Warum die Trainerdiskussion in Gladbach ein historisches Problem ist

Gerardo Seoane ist bei Borussia Mönchengladbach unter Druck. Ein Trainerwechsel wäre bei den Fohlen kein seltenes Szenario.

Mönchengladbach – Seit der 1:2-Niederlage gegen den FC Augsburg nehmen die Spekulationen um Gerardo Seoane zu. Vereinzelt forderten Fans von Borussia Mönchengladbach eine Ablösung des Schweizers, der laut der Bild-Zeitung ein Ultimatum über drei Spiele erhalten haben soll.

Droht dem nächsten Gladbach-Trainer das Aus?

Seoane wird in den Bundesligaspielen gegen den 1. FC Heidenheim, Mainz 05 und Werder Bremen sowohl Punkte als auch Argumente liefern müssen, um seinen Platz auf der Gladbacher Trainerbank zu sichern. Sollte diese Herausforderung scheitern und sich der Klub gezwungen sehen, einen neuen Impuls zu setzen, hätte Seoane zwar länger durchgehalten als seine Vorgänger Daniel Farke und Adi Hütter, dennoch sehnt sich Borussia nach Kontinuität an der Seitenlinie.

Seoane ist der dritte Trainer der Ära Roland Virkus, der seit Februar 2022 als Sport-Geschäftsführer die Geschicke am Niederrhein leitet. Zugleich sind die vielen Trainerwechsel ein Phänomen, das den Traditionsverein seit vielen Jahren begleitet.

Gerardo Seoane ist seit Juli 2023 Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach

Seit der Jahrtausendwende haben nur zwei Trainer länger als drei Jahre in Mönchengladbach durchgehalten. Hans Meyer übernahm das Zepter im September 1999, führte die zuvor abgestiegene Borussia 2001 zurück in die Bundesliga und blieb bis März 2003 an der Seitenlinie. Im Februar 2011 schlug die Stunde von Lucien Favre, der Gladbach vor dem Abstieg bewahrte und in die Champions League führte, ehe er im September 2015 zur Überraschung der Klub-Bosse seinen Rücktritt verkündete – obgleich zu betonen ist, dass Favre bereits zuvor in Betracht gezogen hatte, seinen Posten aufzugeben.

Viele Coaches scheiterten bei Borussia

In der Vergangenheit scheiterten mehrere Trainer am Vorhaben, Borussia längerfristig zu trainieren. Ewald Lienen war lediglich von März bis September 2003 im Amt, Jupp Heynckes feierte im Juli 2006 seine Rückkehr nach 19 Jahren und verabschiedete sich im Februar 2007. In der Post-Favre-Ära heuerte Dieter Hecking im Dezember 2016 an und hielt die vom damaligen Sportdirektor Max Eberl übermittelte Nachricht, der Klub werde sich zum Ende der Saison 2018/19 trennen, ursprünglich für einen Aprilscherz.

Insgesamt ist Seoane der 17. Trainer von Borussia Mönchengladbach in diesem Jahrtausend. Sollte der 45-Jährige, dessen Schnitt von 1,16 Punkten pro Spiel der schwächste seit Michael Frontzecks Amtszeit von Juli 2009 bis Februar 2011 ist (im Durchschnitt 1,05 Punkte pro Spiel), scheitern, wäre Nummer 18 gefordert, die Elf vom Niederrhein auf Kurs zu bringen.

Hoher Trainerverschleiß seit 1987

Warum aber haben so viele Trainerwechsel stattgefunden? Eine Spur führt bis in die 1960er-Jahre zurück. Am 27. April 1964 nahm Hennes Weisweiler die Arbeit in Gladbach auf und feierte in elf Jahren drei Meisterschaften, einen DFB-Pokal-Sieg und einen UEFA-Cup-Sieg. Anschließend war Udo Lattek von 1975 bis 1979 tätig, gewann zwei Meisterschaften, den UEFA-Cup und lehrte in seiner letzten Saison Heynckes an, der wiederum bis 1987 Cheftrainer war und sowohl das UEFA-Cup-Finale 1980 als auch das DFB-Pokal-Finale 1984 erreichte.

Es waren die erfolgreichsten Jahrzehnte in Borussias Historie, der Verein zehrt bis heute von den großen Spielern und Pokalen aus dieser Zeit. In den Folgejahren konnte Gladbach aber nie konstant daran anknüpfen, auch wenn Bernd Krauss 1995 den DFB-Pokal gewann und 1996 den vierten Tabellenplatz feierte. Doch bereits ab der Saison 1989/90 mehrten sich die Platzierungen in der unteren Tabellenhälfte, hinzu kamen finanzielle Probleme und eine drohende Insolvenz im Jahr 1992.

Die mangelnde Kontinuität auf der Bank ist somit ein historisches Problem. Trotzdem dient sie keineswegs als Entschuldigung für Seoanes bisherige Leistung. Er steht nach der Länderspielpause in der Bringschuld und wird einige Fragen beantworten müssen, um die Skeptiker innerhalb des Fan-Umfelds umzustimmen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/kolbert-press/Peter Fastl

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