Schon wieder vier Gegentreffer

„Zack, vier Tore“ – Gladbach-Stars zunehmend von sich selbst genervt

Borussia Mönchengladbach kassiert seit April zahlreiche Gegentreffer. Die Unzufriedenheit der Spieler über die Schwäche im Abwehrverhalten steigt.

Mönchengladbach – Nach dem 1:0-Sieg gegen RB Leipzig am 29. März herrschte im Umfeld von Borussia Mönchengladbach große Euphorie. Mittlerweile ist davon nur noch wenig vorhanden.

Gladbach wird zur Schießbude der Bundesliga

Einerseits ist die kurzfristige Hoffnung auf die Qualifikation für den Europapokal verpufft. Andererseits – und das ist der schwerwiegendere Faktor – sorgt die Art und Weise der vergangenen Auftritte bei den Fans für großen Unmut.

Seit Borussia am 6. April im Rahmen des 28. Bundesliga-Spieltags beim FC St. Pauli (1:1) gastiert hat, haben die Fohlen 14 Gegentore kassiert. Ähnlich schwach schneidet nur die TSG Hoffenheim mit 13 Gegentreffern ab.

Borussia Mönchengladbach muss sich erneut über die schwache Abwehrleistung ärgern.

Kurioserweise haben sich Gladbach und Hoffenheim beim direkten Duell am 32. Spieltag nun gegenseitig vier Tore eingeschenkt.

Die Gastgeber vom Niederrhein gingen durch Fabio Chiarodia (5.) und Rocco Reitz (32.) in Führung, dann stach Hoffenheim in Person von Arthur Chaves (43.) und Marius Bülter (54.) zu. Franck Honorat (64.) ließ Hoffnung auf einen Gladbacher Sieg aufkeimen, Adam Hložek (73.) und Haris Tabakovic (81.) sorgten jedoch im Handumdrehen für Ernüchterung. Immerhin: Tim Kleindienst markierte mit dem ersten Tor seit dem 15. März den 4:4-Endstand (90.+1).

Reitz vermisst Druck auf den Gegner

Gladbach steckt in dem Dilemma, in dem sich die Mannschaft über weite Strecken der vergangenen Saison befunden hat. Das Toreschießen beherrschen die Fohlen weiterhin, die Abwehr wird aber zur Schießbude der Bundesliga.

„Die Gegentore bekommen wir definitiv viel zu einfach“, ärgerte sich Rocco Reitz in der Mixed Zone und kritisierte die Passivität nach seinem Tor: „Ab der 35. Minute hatte ich das Gefühl, dass wir nicht mehr den Griff gegen den Ball hatten, dass wir uns haben hineindrängen lassen. Das nervt mich extrem, muss ich sagen. Man kann sich mal fallen lassen und kompakt stehen, um etwas auszuhalten, aber dann muss man trotzdem auf den letzten zwei bis drei Metern da sein, wenn es in die rote Zone geht, und dann Flanken und Schüsse blocken.“

Die besten Sprüche von Trainer-Urgestein Christian Streich

„Meine Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. Ihre Ausstiegsklausel kann man in der Zeitung lesen – das ist furchtbar.“
„Meine Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. Ihre Ausstiegsklausel kann man in der Zeitung lesen – das ist furchtbar.“ © IMAGO/Rudel
„Wer jetzt nicht aufsteht, der hat nichts verstanden. Das steht außer jeder Frage. Es ist fünf Minuten vor zwölf. Wer jetzt nichts tut, hat in der Schule und in Geschichte nichts verstanden.“ Streichs eindringliche Warnung vor Rechtsextremismus
„Wer jetzt nicht aufsteht, der hat nichts verstanden. Das steht außer jeder Frage. Es ist fünf Minuten vor zwölf. Wer jetzt nichts tut, hat in der Schule und in Geschichte nichts verstanden.“ Streichs eindringliche Warnung vor Rechtsextremismus © IMAGO/Joeran Steinsiek
„Der Cristiano Ronaldo zeigt gern seine schöne Muskle. Diese Muskle hat er sich antrainiert. Der Cristiano Ronaldo hat, des weiß ich, weil des mir erzählt wurde, einen Trainingsaufwand … wenn jeder Spieler bei uns diesen Aufwand machen würde, wärs perfekt. Natürlich zelebriert er des, aber des hat er sich alles erarbeitet. Da werden die falschen Schlüsse gezogen.“ Streich verteidigt Cristiano Ronaldo
„Der Cristiano Ronaldo zeigt gern seine schöne Muskle. Diese Muskle hat er sich antrainiert. Der Cristiano Ronaldo hat, des weiß ich, weil des mir erzählt wurde, einen Trainingsaufwand … wenn jeder Spieler bei uns diesen Aufwand machen würde, wärs perfekt. Natürlich zelebriert er des, aber des hat er sich alles erarbeitet. Da werden die falschen Schlüsse gezogen.“ Streich verteidigt Cristiano Ronaldo © IMAGO/Joeran Steinsiek
„Mit jedem Jahr, in dem du wieder nicht gewinnst, steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass du eher gewinnst.“ Streichs einfache Erfolgsformel
„Mit jedem Jahr, in dem du wieder nicht gewinnst, steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass du eher gewinnst.“ Streichs einfache Erfolgsformel © IMAGO/Hettich
„Ich könnte jetzt hier eine Kampfansage an Bayern München machen: Zieht euch warm an und nochmal drei Lederhosen drüber!“ Streich vor einem Duell mit dem Rekordmeister
„Ich könnte jetzt hier eine Kampfansage an Bayern München machen: Zieht euch warm an und nochmal drei Lederhosen drüber!“ Streich vor einem Duell mit dem Rekordmeister © IMAGO/Rudel
„Wir machen keine Mega-Performance. Ich bin fast irritiert, wie Sie das formulieren. Sie sind in einer anderen Sprach-Generation, da komm‘ ich kaum noch mit. Ich hab keine Mega-Performance gesehen, ich habe gesehen, dass wir gearbeitet haben. Oder geworked.“ Streich über den modernen Sprachgebrauch
„Wir machen keine Mega-Performance. Ich bin fast irritiert, wie Sie das formulieren. Sie sind in einer anderen Sprach-Generation, da komm‘ ich kaum noch mit. Ich hab keine Mega-Performance gesehen, ich habe gesehen, dass wir gearbeitet haben. Oder geworked.“ Streich diskutiert mit einem Reporter über den modernen Sprachgebrauch © IMAGO/H. Langer
„Ganz unsexy sind wir nicht. Also ich bin jetzt relativ unsexy.“
„Ganz unsexy sind wir nicht. Also ich bin jetzt relativ unsexy, das gebe ich zu. Aber der Verein und die Struktur, die sind auch ein bisschen sexy.“ Streich lobt seinen Klub © THOMAS KIENZLE/AFP
„Es ist doch schöner, wenn jemand einem beim Einkaufen auf die Frage, wo der Senf steht, sagt: ‚Der Senf steht dort und wir freuen uns grad an euch.‘ Anstatt dass er sagt: ‚Sag ich dir nicht, wo der Senf steht, und gehen Sie aus dem Laden wieder raus!‘“ Streich über Erfolgserlebnisse
„Es ist doch schöner, wenn jemand einem beim Einkaufen auf die Frage, wo der Senf steht, sagt: ‚Der Senf steht dort und wir freuen uns grad an euch.‘ Anstatt dass er sagt: ‚Sag ich dir nicht, wo der Senf steht, und gehen Sie aus dem Laden wieder raus!‘“ Streich über Erfolgserlebnisse © Uwe Anspach/dpa
„Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne.“ Streich über die Motivation seiner Spieler
„Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne.“ Streich über die Motivation seiner Spieler © IMAGO/Rudel
„Am beschte: Machsch‘ de Fernseher aus, schausch‘ die Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch‘! Übsch‘!“ Streich über den Umgang mit Negativerlebnissen
„Am beschte: Machsch‘ de Fernseher aus, schausch‘ die Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch‘! Übsch‘!“ Streich über den Umgang mit Negativerlebnissen © IMAGO/Frank Hoermann
„Man verändert sich immer, weil man hat ja Stoffwechsel. Man ist ja nicht tot.“ Streich über Veränderungen im Leben
„Man verändert sich immer, weil man hat ja Stoffwechsel. Man ist ja nicht tot.“ Streich über Veränderungen im Leben © IMAGO/Rudel

Im tiefen Block verteidigen ist das eine, Nähe und Präsenz in Zweikämpfen das andere. „Wir machen die Räume zu und stehen eng. Es fehlt dann aber vor Flanken oder Torschüssen die letzte Konsequenz, den Ball zu blocken“, machte Reitz seinen Kritikpunkt deutlich.

Borussia kassiert zu einfache Gegentore

Wie Robin Hack betonte, sei der Matchplan in der ersten Halbzeit weitgehend aufgegangen. Analog zum Hinspiel (2:1) lautete die Gladbacher Idee, Hoffenheim über Umschaltsituationen den Stecker zu ziehen – doch wie im Dezember erspielten sich die Kraichgauer zu viele Chancen.

„Es war irgendwann zu passiv. Wenn du keinen Druck auf den ballführenden Spieler ausübst, kommen viele Flanken. Das Problem ist dann, dass du nicht mehr rauskommst“, erläuterte der Flügelspieler die Gladbacher Probleme und machte einen anderen Schwachpunkt aus: „Hoffenheim war bei den zweiten Bällen besser. Wir haben viele lange Bälle gespielt, da ist es wichtig, dass du die zweiten Bälle gewinnst.“

Dass drei Gegentore nach Eckbällen gefallen sind, nachdem bereits Holstein Kiel beim 4:3-Sieg über Gladbach zweimal nach Ecken erfolgreich war, ärgerte Borussia erst recht. „Die Tore an sich fühlen sich nicht gut an, die sind zu einfach gefallen. Zack, zack, zack – vier Tore“, so Hack.

Virkus kritisiert Gladbach-Abwehr: „Wie viele Tore willst du noch schießen?“

Sport-Geschäftsführer Roland Virkus ließ zunächst mit seiner Kritik an der Reaktion der Fans nach dem 4:4-Ausgleich aufhorchen, übte im Anschluss aber ebenfalls Kritik am defizitären Verhalten gegen den Ball.

„Drei Gegentore nach Standardsituationen dürfen nicht passieren. Eigentlich gibt es eine klare Aufgabenverteilung, da müssen wir wachsamer sein“, sagte Virkus und klagte: „Wir schießen vier Tore, wie viele willst du noch schießen, um ein Heimspiel zu gewinnen?“

Beim ersten Gegentreffer spielte Hoffenheim einen kurzen Eckball und lockte damit mehrere Gladbacher aus der späteren Gefahrenzone heraus. Der 2:2-Ausgleich fiel indes nach einem Einwurf für die Gäste. „Da pennen wir. Du musst den Stürmer nach außen lassen, damit er einen schlechten Winkel hat“, übte Virkus unter anderem Kritik an Joe Scally, der Bülter zu einfach zum Schuss kommen ließ.

Mit der plötzlichen Schwäche im Spiel gegen den Ball hat sich Borussia die Chance auf einen friedlichen Saisonausklang womöglich verbaut. Der ausbleibende Jubel beim Kleindienst-Tor war ein erster Fingerzeig, wie groß die Unzufriedenheit im Fan-Umfeld ist. Aus Sicht der Anhängerschaft wäre ein einstelliger Tabellenplatz wohl ein schwacher Trost nach diesem Leistungseinbruch.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon

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