Energiesparen in Sportstätten: Weyhe und Stuhr rüsten um und appellieren an Vereine
Die geradezu explodierenden Energiekosten machen natürlich auch vor den Sportstätten im Landkreis Diepholz nicht Halt. Was tun die zuständigen Städte und (Samt)gemeinden, um möglichst viel Energie und damit letztlich auch Geld zu sparen? Zum Auftakt unserer neuen Serie „Energiesparen in Sportstätten“ stellen wir sechs wichtige Fragen an die größten Kommunen und liefern die Antworten. Den Auftakt machen die Gemeinden Weyhe und Stuhr.
Weyhe/Stuhr - Bei den Sportvereinen habe angesichts der Energiekrise zuletzt Sorge geherrscht, dass Schließungen von Sportstätten drohen oder das Wasser in den Duschen kalt bleibt, berichtet Frank Meierdiercks von der Gemeinde Stuhr. Doch derartige Maßnahmen halte man derzeit nicht für erforderlich. Denn die Gemeinde möchte die Sportstättenangebote gerade nach den Einschränkungen durch die Corona-Krise weitestgehend aufrechterhalten. Gleiches gilt für die Gemeinde Weyhe, betont Pressesprecher Sebastian Kelm. Andere Sparmaßnahmen sind dennoch in beiden Gemeinden notwendig. Welche, erklären Meierdiercks und Kelm zum Auftakt unserer neuen Serie „Energiesparen in Sportstätten“.
Sechs Fragen zur Energie an die Gemeinde Weyhe:
1. Wer trägt die Energiekosten für die Sportstätten?
„Die Energiekosten trägt die Gemeinde Weyhe.“
2. Wie sehen die Energiespar-Ziele bei den Sportstätten konkret aus?
„Das zwischen Politik und Verwaltung abgestimmte Ziel der Gemeinde Weyhe lautet, mindestens 15 Prozent des Energieverbrauchs einzusparen.“
3. Welche Energiespar-Maßnahmen sind geplant oder werden umgesetzt?
„Vieles aus dem Leitfaden zur Energieeinsparung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist von der Gemeinde Weyhe bereits aufgegriffen worden. Der Ratgeber wird den Vereinen auch zur Verfügung gestellt. Generell ist jede Anregung hilfreich, die dazu dienen kann, mit pragmatischen Mitteln noch mehr Energie einzusparen.
Mit Beginn der Heizperiode greifen – neben dringenden, dauerhaft gültigen Empfehlungen etwa zum richtigen Lüften, Duschen und Stromsparen – folgende Maßnahmen für alle elf Turnhallen und vier Außensportanlagen sowie die beiden Lehrschwimmhallen: Raumtemperatur von 17 Grad Celsius in Turnhallen und Lagerräumen, Raumtemperatur von 19 Grad Celsius in Büroräumen (zuvor gab es keine konkrete Temperaturvorgabe, es sollte verantwortungsvoll geheizt werden), Kontrolle der Heizzeiten, Anpassung der Heizungsregelung, Abschaltung aller Durchlauferhitzer an Handwaschtischen, Reduzierung der Wassertemperatur in den Lehrschwimmbecken Kirchweyhe und Melchiorshausen von 28 auf 26 Grad beziehungsweise von 32 auf 30 an Warmbadetagen. In den Sommerferien war die Warmwasserversorgung der Duschen in der Mehrzweckhalle ausgeschaltet worden.
Jede Maßnahme wird im Austausch mit den Vereinen getroffen, bei jeglicher Kommunikation ist der Gemeindesportring eingebunden.“
4. Sind Schließungen von Sportstätten in den kalten Monaten denkbar?
„Spätestens beim Eintreten einer akuten Gasmangellage beziehungsweise beim Ausrufen der Notfallstufe 3 seitens des Bundes werden auch Hallenschließungen zu prüfen sein.“
5. Erheben Sie von den Vereinen Nutzungsgebühren für die Sportstätten?
„Die Gemeinde verlangt von den Vereinen bisher keinerlei Nutzungsentgelte. Es gibt lediglich eine Vereinbarung über vereinsseitig zu erbringende Arbeitsdienste als einzige „Gegenleistung“. Die kostenlose Überlassung der Sportstätten ist Ausdruck der Philosophie der Gemeinde Weyhe, den Sport in besonderem Maße zu unterstützen und dessen gesellschaftlichen Beitrag besonders würdigen zu wollen.
Über vereinseigene Anlagen verfügen die Schützenvereine. Der TSV Weyhe-Lahausen, SC Weyhe, TuS Sudweyhe und TSV Blau-Weiß Melchiorshausen betreiben zudem eigene Vereinsheime beziehungsweise Räume.“
6. Effiziente Modernisierung: Was wurde umgesetzt, was ist geplant?
„LED-Beleuchtung ist bereits vorhanden in den Turnhallen der Ganztagsgrundschulen Sudweyhe, Lahausen und Kirchweyhe. Geplant ist die Umstellung bei der Ganztagsgrundschule Leeste und den beiden Kooperativen Gesamtschulen Kirchweyhe und Leeste für das kommende Jahr. Platz sechs der Zentralsportanlage (ZSA) verfügt schon über LED-Flutlicht, ebenso der Platz des Sportnebenzentrums Melchiorshausen.
PV-Anlagen bestehen am Vereinsheim des TSV Blau-Weiß Melchiorshausen, die allerdings nicht von der Gemeinde betrieben wird, sowie in Form einer Bürgersolaranlage auf dem Dach der Sporthalle der KGS Leeste.
Modernisierungen wie die LED-Umrüstung können über die Kommunalrichtlinie gefördert werden. Dies geschieht auch bereits.“
Sechs Fragen zur Energie an die Gemeinde Stuhr:
1. Wer trägt die Energiekosten für die Sportstätten?
„Die Gemeinde Stuhr trägt die Energiekosten der kommunalen Sportstätten, in denen der Schulsport stattfindet. Darüber hinaus gibt es Sportstätten in unserer Gemeinde, die ausschließlich dem Vereinssport dienen. Diese Sportstätten werden den Sportvereinen im Rahmen von Nutzungs- und Bewirtschaftungsverträgen zur Verfügung gestellt. Die Bewirtschaftung dieser Sportanlagen, einschließlich der Sanitäranlagen und Umkleideräume sowie der sportbezogenen Räume, obliegt dem Verein. Folglich tragen diese Vereine auch die Energiekosten. Die Gemeinde Stuhr beteiligt sich an den Bewirtschaftungskosten mit einem jährlichen Zuschuss. Von dieser Regelung der Bezuschussung ausgenommen sind die beiden Tennishallen.“
2. Wie sehen die Energiespar-Ziele bei den Sportstätten konkret aus?
„Zur Realisierung des von der Bundesregierung verfolgten Ziels, der freiwilligen Einsparung im Zeitraum von August 2022 bis einschließlich März 2023 von mindestens 15 Prozent, werden alle Nutzerinnen und Nutzer der Sportanlagen dazu aufgefordert, den Energieverbrauch bestmöglich zu reduzieren. Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Stuhr und den Sportvereinen erfolgt langjährig auf einer guten Basis. Es ist allen bekannt, dass Vorgaben zur Energieeinsparung umgesetzt werden müssen. Dieses wurde thematisiert und seitens der Gemeinde sorgfältig abgewogen.“
3. Welche Energiespar-Maßnahmen sind geplant oder werden umgesetzt?
„Die Raumtemperatur in den Sporthallen wird unter Berücksichtigung grundsätzlicher Empfehlungen und DIN-Vorgaben auf 17 Grad (vorher waren es 19) eingestellt. Die Wassertemperatur der Duschen wird aus hygienischen Gründen (Legionellengefahr) in einem vertretbaren Rahmen reduziert.
Die Beleuchtungszeiten in den Sporthallen und auf den Außenanlagen sollen angepasst werden. In einigen Sportstätten erfolgt dies bereits durch Bewegungsmelder, sowohl im Außenbereich als auch in den Gebäuden. Darüber hinaus haben wir darauf hingewiesen, die Beleuchtungszeiten der Flutlichtanlagen auf den Sportplätzen ebenfalls weitestgehend zu begrenzen.
Außerdem sollen die Duschzeiten mit Blick auf die Energiesparziele möglichst kurz gehalten werden. Dieses wird in vielen Sportstätten durch die Einstellungen der Duscharmaturen bereits geregelt (kurze Wasserlaufzeiten bei Drückerarmaturen). Über diese Vorgaben wurden die Sportvereine informiert.“
4. Sind Schließungen von Sportstätten in den kalten Monaten denkbar?
„Die Gemeinde Stuhr möchte die Sportstätten, trotz der Vorgabe zur Energieeinsparung, weiterhin offen halten. Schließungen oder die Reduzierung der Öffnungszeiten sind derzeit nicht angedacht.“
5. Erheben Sie von den Vereinen Nutzungsgebühren für die Sportstätten?
„Über sämtliche Sportanlagen bestehen vertragliche Regelungen mit der Gemeinde Stuhr. Die Anlagen befinden sich grundsätzlich alle im Eigentum der Gemeinde Stuhr, die keine Nutzungsgebühren erhebt.“
6. Effiziente Modernisierung: Was wurde umgesetzt, was ist geplant?
„Unsere Sportanlagen sind unter energetischen Aspekten grundsätzlich gut aufgestellt. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden im Rahmen der Sanierung der Schulgebäude auch die Sporthallen einbezogen. Aktuell erfolgt eine umfangreiche energetische Sanierung der beiden Sporthallen der KGS Stuhr-Brinkum.
Nahezu alle Sporthallen werden mit Gas beheizt. Die Sporthallen der KGS Stuhr-Brinkum werden über Fernwärme versorgt. Die Umstellung sämtlicher Beleuchtungsanlagen auf LED hat für uns hohe Priorität. Überall dort, wo wir modernisiert haben, haben wir auch die Beleuchtungsanlagen auf LED umgestellt – das soll auch künftig so sein. Darüber hinaus werden wir uns zukünftig mit der Umrüstung auf Solar- und/oder Photovoltaikanlagen beschäftigen.
Die Gemeinde beteiligte sich in der Vergangenheit mehrfach an Förderprogrammen zur Modernisierung von Sportstätten. Letztmalig erfolgte dies für die Maßnahme der Sanierung der Sporthallen der KGS Stuhr-Brinkum. Leider wurden unsere Anträge wiederholt auf Grund der Überzeichnung der Förderprogramme nicht positiv beschieden.“