Einige Modelle überraschen positiv

E-Autos im Winter-Test: So stark verringert sich die Rechweite tatsächlich

Dass E-Autos bei Kälte viel weniger Reichweite haben, scheint eine Tatsache. Ein Test von dreizehn Modellen zeigt jedoch überraschende Ergebnisse.

Seattle/München – Trotz Tipps, die bei der winterlichen E-Autofahrt mehr Reichweite versprechen*, bleibt der Eindruck bestehen: Elektroautos haben Probleme bei Kälte. Der im Winter verstärkte Gebrauch von Heizung und Licht zahlt auf den Energieverbrauch ein – und glaubt man den von br.de zitierten Gerüchten, könnten E-Auto-Batterien im Winter ohnehin nicht länger als drei Stunden durchhalten. Die Fahrt mit dem Elektroauto könnte schnell zum Spiel mit dem Feuer werden. Etwa dann, wenn ständig die Angst, man könne liegen bleiben, regiert. Doch wie es ist wirklich um die Elektroauto-Reichweite bestellt, wenn die Temperaturen fallen?

Unternehmen:ADAC
Mitglieder:21,2 Mio. (Ende 2020)
Präsident:Christian Reinicke
Umsatz:215 Millionen EUR

E-Auto im Winter-Test: Wie weit sinkt die Reichweite bei Kälte wirklich?

Dass es zwischen dem E-Auto und einer schwachen Reichweite durchaus eine Schnittmenge gibt, zeichnet sich schon dann ab, wenn man hört, dass ein VW-E-Auto für 650 Kilometer 13 Stunden braucht* – weil die Faherin so häufig nachladen musste. Dass es im Schnitt nur eine Ladestation auf 21 E-Autos in Deutschland gibt, macht das Dilemma perfekt. Doch die ohnehin schwachen Reichweiten von Elektroautos sollen noch einmal deutlich unter den Angaben der Hersteller liegen – vor allem im Winter. Alexander Block, seines Zeichens Reporter des „Autor Motor Sport“-Magazin sagte unlängst: „Wenn man diese plakativen Reichweiten der Hersteller hört, kann man gleich mal 20 Prozent abziehen. Je nachdem, wann man fährt. Im Winter ist es noch schlimmer. Wenn die Heizung läuft, kann es sogar noch ein bisschen mehr sein“, wird er auf br.de zitiert.

Wie es ist wirklich um das Elektroauto bestellt, wenn es Winter wird? (Symbolbild)

Mit der Kälte kommen die Probleme – so scheint es zumindest. Mit den Temperaturen fällt auch die Akku- Leistung des E-Autos und fürs Laden braucht man noch länger. Da sich der Akku ebenfalls für das Heizen des Elektroauto-Inneren zuständig zeigt, sinkt die Reichweite weiter, möchte man nicht in Eiseskälte fahren. Wie verhält es sich also wirklich mit der Reichweite von E-Autos im winterlichen Straßenverkehr? Ein US-Service wagt das Experiment – 24auto.de berichtet von einem überraschenden Ausgang.

E-Autos: Reichweite im Winter – US-Unternehmen testet 13 Elektroauto-Modelle verschiedener Hersteller

Das amerikanische Unternehmen „Recurrent“ will wissen, wie es wirklich um die Akku-Laufzeiten eines Elektroautos bestellt ist. Nachdem die Elektromobilität vor Kurzem erst dadurch in Kritik geraten war, dass E-Autos massig Strom beim Laden verlieren*, braucht es allmählich wieder positive Nachrichten. Dass VW für Elektroautos Mega-Investitionen plant, könnte eine solche Meldung sein – die tatsächliche Reichweite bei winterlichen Temperaturen ist es eher keine.

E-Auto-Modell:Verlust der Reichweite bei 0 Grad; Quelle: 24auto.de
Tesla Model Y1 Prozent mehr Reichweite
Tesla Model X0 Prozent – gleiche Reichweite
Tesla Model 31 Prozent
Jaguar i-Pace3 Prozent
Tesla Model S4 Prozent
Audi E-Tron8 Prozent
Nissan Leaf14 Prozent
Hyundai Kona19 Prozent
VW e-Golf23 Prozent
BMW i324 Prozent
Ford Mustang Mach-E28 Prozent
Chevrolet Volt31 Prozent
Chevrolet Bolt32 Prozent

13 Elektroautos und ihre Reichweite wurden bei Winterbedingungen überprüft – zunächst bei 21 Grad, dann bei Temperaturen um und bei 0 Grad Celsius. Das Resultat überrascht und könnte so manch einen, der zuletzt noch darüber gespottet hat, dass E-Autos der Deutschen Post bei Kälte wohl zu schwach seien, Lügen strafen.

Sechs E-Auto-Modelle verlieren erheblich Reichweite bei Kälte – Tesla-Elektroautos überraschen

Denn viele der elektrisch-betriebenen Fahrzeuge widersetzen sich den Zweifeln und bleiben zuverlässig. Bezüglich der Reichweite konnte Tesla Modell Y sogar trotz klirrender Kälte einen minimalen Gewinn verzeichnen. Anders verhält es sich beim E-Auto Chevrolet Bolt, der erst vor Kurzem einen Großbrand zu verantworten hatte: Die Testergebnisse zeigen, dass das Modell bei Temperaturen von 0 Grad 32 Prozent seiner Leistungsfähigkeit einbüßen muss. Insgesamt sind bei sechs getesteten Modellen erhebliche Reichweitenverluste aufgetreten. Mit knapper Mehrheit erzielen die restlichen sieben Modelle aber gute Ergebnisse – dabei sind vier von Tesla.

ADAC-Test zeigt: Im Stand verlieren E-Autos bei laufender Heizung wenig Akku-Leistung

Vor rund einem Jahr, im Februar 2021, wollte bereits der ADAC dem vermeintlichen Reichtweitenproblem der Elektroautos auf den Zahn fühlen. Zwei Elektroautos „wurden über Nacht, also zwölf Stunden lang, bei unter minus zehn Grad Celsius abgestellt“, sagte ADAC-Unternehmenssprecherin Katja Legner. „Gleichzeitig lief die Innenraum-Heizung auf 22 Grad, die Sitzheizung und das Standlicht waren angeschaltet“, beschreibt sie den Testlauf. Am Ende des Versuchs hatte das E-Auto-Modell von Renault noch immer 70 Prozent, das VW E-Auto gar 80 Prozent Akku. „Das heißt, man kann es mehrere Stunden im Stau auch mit seinem E-Fahrzeug aushalten und muss nicht frieren. Vorausgesetzt, der Akku ist voll. Andernfalls verkürzt sich die Zeit entsprechend“, sagt Katja Legner.

Elektroauto-Hersteller bieten neue Features für Temperatur-Management: Heizung und Akku separat angesteuert

Die Testergebnisse überraschen und könnten den Siegeszug der Elektromobilität weiter voranbringen. Einziger Wermutstropfen des amerikanischen Experiments: Die deutschen Hersteller hatten keine neuesten Modelle ins Rennen geschickt. Dass jedoch auch sie bestens für den Winter gewappnet sind, zeigen Features wie ein integrierte Temperatur-Management, das die Akkuzellen separat ansteuert.

E-Auto-Heizung hat gegenüber Verbrennern auch Vorteile

Sind die Reichweitenprobleme erst einmal aus der Welt geschafft, kann man den Blick wieder auf das Wesentliche richten. So etwa, dass das winterliche Fahren eines Elektroautos sogar schnell zum Vorteil werden kann. Wie unternehmen-heute.de berichtet, verteilt sich die warme Luft schneller im Fahrzeug-Innenraum und ohnehin könne ein E-Auto problemlos vorgeheizt werden – wenn wer mag, sogar mit Handy-App. Das lästige Eiskratzen am Morgen gehört dann also endlich der Vergangenheit an. *kreiszeitung.de und 24auto.de ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Joerg Boethling

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