„Sie voll tätowierte asoziale Frisösen-Tusse“

„Du nerviger Bauer“: Deutschlands frechster Autohändler zerlegt Kunden

Norddeutsches Autohaus verlangt teuer Geld für Auto-Besichtigung und Probefahrten. Auf Kritik reagiert der Inhaber bei Google mit unvergleichlich wüster Pöbelei. 

Henstedt-Ulzburg – Wer beim Autohaus Ulzburg auf Fahrzeugsuche geht, der sollte das nötige Kleingeld dabei haben und eventuell noch ein dickes Fell. Denn der Autohändler im schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg verlangt von seinen Kundinnen und Kunden 15 Euro nur für das Angucken von Autos – für eine Probefahrt gar ganze 35 Euro. Negative Kundenrezensionen häufen sich mittlerweile auf Google: Die beantwortet der Inhaber Christos Stambolidis offenbar mit großer Leidenschaft – und kaum zu fassendem Wortlaut sowie Beleidigungen.

GemeindeHenstedt-Ulzburg
Fläche39,47 km²
Bevölkerung26.529
Bürgermeisterin Ulrike Schmidt (parteilos)

Authändler verlangt 15 Euro für Besichtigung, 35 Euro für Probefahrt – pro Auto

Auf potenzielle Kunden des Autohauses Ulzburg wartet eine recht ungewöhnliche Überraschung. Die allerdings versteht Inhaber Christos Stambolidis überhaupt nicht. „Dass wir für Fahrzeugbesichtigung mit Schlüsselübergabe 15 Euro berechnen und für eine Probefahrt 35 Euro, steht im Internet und auch bei uns in Empfang. Wir sagen es auch jedem Kunden vorher telefonisch“. So erklärt er seine ungewöhnlichen Preise für Leistungen, die in wohl fast jedem anderen Autohaus aus Service-Gründen kaum anfallen dürften.

Immerhin: Einigen Kunden reicht diese Transparenz: „Herr Stambolidis hat seine Prinzipien und diese kommuniziert er offen und ehrlich. Wir wurden sehr freundlich beraten und die Kaufabwicklung war professionell und kompetent. Ich würde dort jederzeit gerne wieder ein Auto kaufen“, schreibt ein User lobend über das Autohaus. Eine Ausnahme?

Autohändler verärgert Kunden mit dreisten „Service-Preisen“ – und wird bei Kritik unverschämt (kreiszeitung.de-Montage)

Zahlreiche Kunden verärgert über Autohaus-Preise für normale Service-Leistungen vor Kauf

Längst nicht jeder hat so gute Erfahrungen wie dieser lobende Nutzer gemacht, im Gegenteil: „Hab ich noch nie erlebt sowas. Kundenbetreuung kann man ebenfalls knicken. Da lässt sich niemand blicken“, heißt es in einer Rezension. Dabei handelt es sich offensichtlich nicht um eine Ausnahme. Ein anderer Kunde schreibt: „35 Euro für eine Probefahrt ist ja eine Frechheit. Und beim Telefonat wird auch nicht darauf hingewiesen. Dazu werden Kunden als unseriös dargestellt, obwohl dies wohl eher auf den Händler zutrifft. Service geht anders“.

Insgesamt reihen sich frustrierte bis fassungslose Kommentare in den Google-Bewertungen für das Autohaus Ulzburg aneinander, häufig geschrieben: „Unverschämt“, „Inhaber wird beleidigend“, „Abzocke“ und „frech“. Doch all die Kritik, sie perlt nicht einfach an Autohändler ab – sie fordert ihn zu direkten und oftmals überaus rauen Antworten heraus.

Inhaber von Autohaus Ulzburg antwortet auf Kritik bei Google persönlich – und beleidigt Kunden

Öffentlich auf Google, für jeden Menschen einsehbar, schreibt sich der Autohaus-Inhaber bei fast jeder Kritik höchst persönlich seinen Ärger von der Seele, jedenfalls möchte man dies für ihn hoffen. Dann hätten der doch überraschende Ton zumindest für Herrn Stambolidis gelohnt – für die Kritiker sind sie oftmals eine herbe Klatsche: „Mich würde echt interessieren über welche Kundenbetreuung du redest, du bist doch kein Kunde sondern ein nerviger Bauer“, kontert der Autohändler zum Beispiel auf die Kritik mangelnden Services. Von Kundenbindung kann an der Stelle wohl keine Rede sein.

Du bist doch kein Kunde sondern ein nervige Bauer.

Christos Stambolidis, Inhaber Autohaus Ulzburg in Google-Bewertungen

Geschäftstüchtiger Autohändler wird unflätig: „nerviger Bauer“ und „Honk“ schreibt er im Netz

Kurios wurde ein Autohaus-Ereignis zwar kürzlich auch in Hamburg, wo, eine Frau satte 220 Kilometer mit einem Auto fuhr, dass sie aus einem Autohaus gestohlen hatte*. Doch der Chat-Verlauf in den Google-Bertungen – er ist bei weitem noch kurioser. Munter beleidigt der Inhaber vom Autohaus Ulzburg dort ob seiner Leistung oder Art enttäuschte Menschen: „Wenn du nicht lesen kannst dann kannst du auch kein Auto fahren-also brauchst du auch kein Schlüssel,bequem sitzen kannst du auch bei MCD -Wlan inkl...du Honk.“ Immerhin: Hier gibt es noch einen „nett gemeinten“ Tipp. Mit dem kann sich ein anderer potenzieller Kunde nicht trösten, den herrscht Stambolidis bereits am Telefon an: „Was machen Sie hir für einen Telefonterror?!“ Oha.

„Unglaublich frech“: Kunden werden von Autohändler mit teurem Service fies bepöbelt

Raue Worte für einen Geschäftsmann. Zumal sich fast alle ja über tatsächlich ungewöhnliche „Service-Preise“ beschweren. „Absolut schlecht, ich habe zuerst den Bewertungen keinen Glauben geschenkt. Aber es ist wahr, der gute Herr verdient anscheinend sein Geld nur mit 15 Euro Auto angucken und 35 Euro für eine Probefahrt. Unglaublich frech“, beschreibt ein User seine Erfahrung. Eine mehr als beleidigende Antwort folgt: „Sie voll tätowierte asoziale Frisösen-Tusse, sobald sie unsere Gelände betreten haben war klar, Assi kommt, es gibt Stress. Ihr Heulen passt vielleicht zum Jobcenter, aber nicht zu uns.“ Worte, die vielleicht gar in den strafrechtlich relevanten Bereich fallen könnten – in den verletzenden in jedem Fall. Das wird wohl nur noch von der schlechten Erfahrung getopt, die ein Amerikaner mit seinem Autohändler machte: Nachdem der Akku sein Elektroauto in Brand gesetzt hatte, sollte er noch 12.000 Euro draufzahlen*.

Sie voll tätowierte asoziale Frisösen-Tusse, sobald sie unsere Gelände betreten haben war klar, Assi kommt, es gibt Stress. Ihr Heulen passt vielleicht zum Jobcenter, aber nicht zu uns.

Christos Stambolidis, Inhaber Autohaus Ulzburg in Google-Bewertungen

Immer mehr wütende Kundenrezensionen in Google-Bewertungen für das Autohaus

„Sobald man dem Herren den Rücken zuwendet wird er beleidigend und ausfallend“, schreibt ein andere User über den Inhaber vom Autohaus Ulzburg. Die Antwort von selbigem: „Ihr Verhalten eines 5-jähriges Kindes hat uns gezwungen Ihnen unseren Ausgang zu zeigen. Vielleicht hilft es Ihnen, sich nicht wie eine Heulsuse zu präsentieren“. Definitiv harsche Beleidigungen, zu denen der Inhaber greift, doch die Art der Geschäftsführer scheint den Verkauf nicht zu bremsen.

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Pöbelnder Autohändler hat auch treue Kunden und echte Fans

Negative und positive Reaktionen halten sich tatsächlich die Waage, das Autohaus ist mit drei von fünf möglichen Sterne durchschnittlich gut auf Google bewertet. „Herr Stambolidis ist sehr direkt (kann wohl nicht jeder ab), aber Fair“, schreibt ein Kunde. Ein anderer bestätigt diesen Eindruck: „. Ich würde wieder ein Auto dort kaufen. Das gesamte Team ist Nett und hilfreich.“

Einige geben sogar an, die Probefahrt und das Autoanschauen nicht bezahlen haben zu müssen. Insgesamt scheint es in einigen Fällen auch ohne Beleidigung und mit Kundenzufriedenheit zu gehen. Auch andere Händler machen auf sich aufmerksam, ein brasilianisches Autohaus stellte sogar einen Hund ein*, nachdem dieser jeden Tag zu Besuch gekommen war. Man weiß es nicht, aber vielleicht ist Herr Stambolidis zu Vierbeinern ja auch viel, viel netter. Die schreiben aber leider keine Google-Bewertungen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Geisler/imago

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