2.500 Euro jährlich pro Auto

„Krank“: Strafsteuer für Verbrenner – Forderung löst Kritikwelle aus

Damit E-Autos auch nach der Umweltprämie nicht ihren Reiz nicht verlieren, fordert Autoexperte Dudenhöffer eine Strafsteuer für Verbrenner. Und erntet Kritik.

Duisburg – Der Verkauf von Elektroautos in Deutschland boomt: Von 2020 auf 2021 hat sich die Anzahl zugelassener E-Autos in der Bundesrepublik fast vervierfacht. Grund dafür ist unter anderem die staatliche Förderung von Elektrowagen in Form einer E-Auto-Prämie. Diese soll jedoch derzeitigen Koalitionsplänen zufolge nach 2025 auslaufen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer befürchtet mit dem Ende des Zuschusses auch ein abruptes Ende des Elektroauto-Booms und regt aus dem Grund eine Strafsteuer für Benzin- und Dieselautos an. Die Zusatzsteuer würde bei durchschnittlich gut 2500 Euro pro Auto liegen.

Direktor bei CAR Center Automotive Research:Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer
Geboren:29. Juni 1951 (Alter: 70 Jahre) in Karlsruhe
Studium der Volkswirtschaftslehre Universität Mannheim:1972 bis 1977
Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen:1996 bis 2008

E-Auto-Prämie: Danach will Autoexperte Dudenhöffer Strafsteuer für Verbrenner – es hagelt Kritik

Da Elektroautos derzeit noch vergleichsweise teuer sind, unterstützt der deutsche Staat die Anschaffung mit einer Förderung. Förderfähig ist dabei der Erwerb – sowohl Kauf als auch Leasing – eines E-Fahrzeugs, das erstmalig zugelassen wurde und einen Netto-Listenpreis von 65.000 Euro nicht überschreitet. Im Jahr 2020 wurde die maximale Fördersumme auf 9000 Euro erhöht, zwei Drittel übernimmt dabei der Staat, der Restbeitrag wird von teilnehmenden Autoherstellern als Netto-Rabatt gewährt.

Die Höchstsumme erhalten Modelle mit einem Netto-Listenpreis unter 40.000 Euro, Elektroautos zum Preis von 40.000 bis 65.000 Euro werden mit insgesamt 7500 Euro gefördert. Ferdinand Dudenhöffer zufolge setze diese Förderung einen wichtigen Kaufanreiz, da Elektroautos in vielen Fällen noch mindestens 8000 Euro teurer seien als vergleichbare Verbrenner, erklärt der Direktor des CAR-Center Automotive Research gegenüber „Spiegel“. Außerdem ist ein Wechsel von Verbrenner auf E-Auto für manche wohl gar nicht so einfach: Ein Senior hat es versucht – und musste prompt zum Idiotentest*.

Strafsteuer für Verbrenner: Auto-Verbände strikt dagegen, Spott und Kritik im Netz: „Was soll die Scheiße?“

Zufolge aktueller Koalitionspläne hat die E-Auto-Prämie nur noch bis 2025 Bestand. Der Boom könnte enden – so die Sorge von Ferdinand Dudenhöffer, der eine Strafsteuer für Verbrenner ins Gespräch bringt. Zahlt man bald beim Kauf eines Auto 2.500 Euro zwangsläufig obendrauf? Nach Meinung des ADAC, gebe es aktuell jedenfalls „keinen Grund zusätzlich eine Strafsteuer für den Kauf von Pkw mit Diesel- oder Benzinmotor einzuführen“.

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner wäre sozial unausgewogen.

Verband der Automobilindustrie (VDA)

Laut Online-Portal „Auto-Motor-und-Sport“ stemmt sich der Automobil-Club gegen das Vorhaben etwaiger Steuererhöhungen. Zukünftig könnten Verbrenner schließlich „auch mit Biokraftstoffen und E-Fuels klimaneutral betrieben werden“, stellt ein ADAC-Sprecher klar. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht ein Entgegenkommen Dudenhöffers Vorschlägen kritisch: Gegenüber auto-motor-und-sport.de sagte ein Sprecher: „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner wäre sozial unausgewogen, da sie Haushalte mit kleineren und mittleren Einkommen überproportional treffen würde.“

Wie bw24.de berichtet, trifft der Vorschlag einer Verbrenner-Strafsteuer auch auf Social Media auf Unverständnis*. Auf Facebook machten Nutzerinnen und Nutzer ihren Unmut über eine vermeintliche Steuererhöhung Luft: „Was soll der Schwachsinn, als der TDI auf den Markt kam, haben wir Vergünstigungen als Kaufanreiz bekommen und nun so ein Mist“, schreibt ein Nutzer. Es ist nur ein Auszug der vielen markanten Statements, die sich gegen die Pläne von Strafsteuern richten. Die Kritik ist vehement. Das äußert sich auch in anderen Kommentaren: „Mit Anreizen arbeitet man in Demokratien – in Diktaturen mit Strafen“. Ein anderer kommentiert: „Genau so Leute sind schuld, wenn die Bevölkerung gespalten ist. Und sowas nennt sich Experte. Lächerlich.“ Und ein User bringt den Unmut vieler so auf den Punkt: „Krank so ein Vorschlag!“

Genau so Leute sind schuld, wenn die Bevölkerung gespalten ist. Und sowas nennt sich Experte. Lächerlich.

Facebook-Kommentar zur geforderten Strafsteuer für Verbrenner

Umweltprämie für E-Autos soll abgeschafft werden – war es das dann mit dem Elektroauto-Boom?

Aber was passiert jetzt, wenn die Umweltprämie für Elektroautos endgültig abgeschafft wird*? Dieser Schritt steht bevor, denn bereits zum kommenden Jahreswechsel will die Koalition Änderungen am Zuschuss vornehmen und diesen nach 2025 ganz auslaufen lassen. Autoexperte Dudenhöffer warnt in einem Gespräch mit dem „Spiegel“ infolgedessen vor einem plötzlichen Stopp des Elektrowagen-Booms. Auch für Autobauer und Ladenetzbetreiber ergebe sich dadurch ein „gesteigertes Investitionsrisiko“.

Um dem entgegenzuwirken, regt er eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner von 19 auf 26 Prozent an, was auf durchschnittlich gut 2500 Euro pro Benzin- und Dieselauto hinauslaufen würde.

Mit dem Ende der E-Auto-Prämie fordert Autoexperte Dudenhöffer die Einführung einer Zusatzsteuer für Verbrenner. (kreiszeitung.de-Montage)

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Strafsteuer für Verbrenner soll Elektroautos wieder attraktiver machen – nur Käufer neuer Verbrennerautos wären betroffen

Die erhöhte Steuer würde Dudenhöffer zufolge Elektroautos indirekt wieder attraktiver machen und den Wegfall der Prämie immerhin teilweise kompensieren, erklärt der Autoexperte dem „Spiegel“. Betroffen von einer Strafsteuer wären dabei ausschließlich Käufer von neuen Verbrennerautos. Einkalkuliert werde dabei auch, dass Verbrennerfahrzeuge durch die CO2-Steuer ohnehin teurer und E-Autos durch Fortschritte bei den Batterien billiger werden.

Auch wenn Elektroautos in Zukunft günstiger werden sollen, haben unabhängige Studien zunächst ergeben, dass die Reparatur und Wartung bei Elektroautos viel teurer als bei Verbrennern ist, wodurch E-Autos zur überraschenden Kostenfalle werden. Außerdem verlieren E-Autos laut ADAC-Test wohl massig Strom beim Laden, was „wie literweise Benzin verschütten“* wäre, so das Automobil-Unternehmen.

Andere europäische Länder verteuern Verbrenner bereits – Kfz-Steuer für Pkw in Deutschland hingegen vergleichsweise niedrig

Andere Länder sind Deutschland in Bezug auf eine Verteuerung von Verbrennerfahrzeugen bereits einen Schritt voraus: Schweden beispielsweise verlangt von Käufern neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge schon seit Juli 2018 in den ersten drei Jahren nach der Erstzulassung eine erhöhte jährliche Kfz-Steuer. Eine Analyse des Umweltbundesamts ergab derweil, dass die Kfz-Steuer für Pkw in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch sehr niedrig ist. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de und bw24.de Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/Patrick Pleul/dpa

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