Erste Straßentests absolviert
Tschüss E-Auto: BMW will Wasserstoffautos in Serie produzieren
BMW plant die Serienproduktion von Wasserstoffautos. Nun hat der Hersteller erste Straßentests absolviert und kündigt an, was sich noch ändern muss.
München – BMW bringt die Serienproduktion von Wasserstoffautos voran. Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse kündigte gegenüber dem Handelsblatt an: „Wasserstoff als Energieträger wird in vielen Weltregionen eine wichtige Rolle spielen“. Dafür startet die BMW Group „die Alltagserprobung von seriennahen Fahrzeugen mit einem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb auf europäischen Straßen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Noch 2022 soll die erste Kleinserie von BMW-Wasserstoffautos präsentiert werden.
| Automobilhersteller: | BMW |
| Hauptsitz: | München |
| Umsatz: | 111,2 Milliarden Euro |
| Eigentümer: | Susanne Klatten, Stefan Quandt |
Serienproduktion: BMW plant Wasserstoff als wichtige Antriebs-Säule
„Hier bietet sich insbesondere das obere Ende unserer X-Familie an, die sich großer Beliebtheit bei unseren Kunden erfreut“, so Zipse. Insgesamt treibe die Energie-Krise den Wasserstoffantrieb enorm voran.
„Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in der neuen Klasse perspektivisch auch die Brennstoffzelle im Serieneinsatz sehen werden“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Zipse. Bereits seit 2013 arbeite BMW gemeinsam mit dem japanischen Autohersteller Toyota an der Brennstoffzellen-Technologie. Erst zuletzt kündigte ein chinesischer Autohersteller die erste Massenproduktion von Wasserstoffautos an. In Deutschland kündigten Forscherinnen und Forscher des Zentrums für Luft- und Raumfahrt ein Wasserstoffauto zum Billig-Preis an.
Tschüss E-Auto: BMW will Wasserstoffautos in Serie produzieren
Bereits im Frühjahr erklärte Klaus Fröhlich, Entwicklungsvorstand der BMW AG: „Wir sind überzeugt, dass künftig verschiedene alternative Antriebsformen nebeneinander existieren werden, da es keine alleinige Lösung gibt, die sämtliche Mobilitätsanforderungen der Kunden weltweit abdeckt. Der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb kann langfristig eine vierte Säule in unserem Antriebsportfolio werden“.
BMW-Experte: Wasserstoffantrieb mit „Henne-Ei-Problem“
Mit den ersten Straßentests von BMW-Wasserstoffautos wird es nun konkret. Doch bevor die Serienproduktion startet, gilt es noch einige Hürden zu überwinden. Axel Rücker, Program Manager Hydrogen Fuel Cell bei der BMW Group, erklärt: „Beim Wasserstoffantrieb haben wir ein Henne-Ei-Problem“, so der Experte. „Solange das Netz von Wasserstofftankstellen derart dünn ist, wird die geringe Nachfrage der Kunden keine rentable Serienproduktion von Brennstoffzellenautos ermöglichen. Und solange kaum Wasserstoffautos auf den Straßen fahren, werden die Betreiber ihr Tanknetz nur zögerlich ausbauen.“
Vorteile von Wasserstoffautos gegenüber reinen Elektroautos
Wasserstoffautos werden rein elektrisch angetrieben. Das Fahrgefühl gleicht also demjenigen der bekannten Elektroautos. Bedeutet: nahezu keine Motorengeräusche und ein impulsiver Antritt, weil Elektromotoren schon bei niedrigen Drehzahlen das volle Drehmoment zur Verfügung stellen.
Weiterer Vorteil: die kurze Ladezeit. Je nach Ladestation und Batteriekapazität benötigen vollelektrische Fahrzeuge aktuell zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden für eine komplette Ladung. Der Wasserstofftank eines Brennstoffzellenautos hingegen ist in weniger als fünf Minuten wieder voll. Damit liegen Fahrzeugverfügbarkeit und -flexibilität für die Kunden auf dem Niveau eines konventionellen Autos.
Momentan noch ein Vorteil gegenüber rein elektrischen Autos: Wasserstofffahrzeuge haben eine größere Reichweite. Ein voller Wasserstofftank genügt für etwa 500 Kilometer. Diesen Wert erreichen batteriebetriebene Autos mit sehr großen Batterien – was wiederum zu einem höheren Fahrzeuggewicht und längeren Ladezeiten führt.
Die Reichweite von Wasserstofffahrzeugen ist unabhängig von der Außentemperatur, sie verschlechtert sich bei kaltem Wetter also nicht. (Quelle: BMW)
BMW plant Wasserstoffauto-Serienproduktion: nur noch Tankstellen ein Problem?
Um dieses Problem zu verhindern, habe sich BMW zu mindestens in Deutschland mit Wasserstofferzeugern und Tankstellenbetreibern in der Initiative Clean Energy Partnership zusammengeschlossen. Zusammen würden sie den Ausbau des Wasserstoff-Tankstellennetzes auf 130 Tankstellen bis Ende 2022 zu planen. Außerdem scheint Wasserstoff-Technik auch wichtig zu sein, weil viele Hersteller den E-Auto-Verkauf einstellen müssten.
BMW plant bis 2025 in Deutschland 400 Wasserstoff-Tankstellen
In der Praxis würde das den Betrieb von rund 60.000 Wasserstoffautos auf deutschen Straßen ermöglichen. Bis 2025 soll die Anzahl der Tankstellen auf 400 Standorte erweitert werden. Jedoch müssten auch im Ausland zunehmend Tankstellen installiert werden, damit Wasserstoffautos nicht nur in Deutschland problemlos fahren könnten. Zuletzt sei Forschern aus Geesthacht ein wichtiger Durchbruch in der Wasserstoff-Technologie gelungen.
Wasserstoff „eine interessante Option für nachhaltige Antriebe“
Auch Frank Weber, Mitglied des Vorstandes der BMW AG für Entwicklung, erklärt: „Besonders bei größeren Fahrzeugklassen ist die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie eine interessante Option für nachhaltige Antriebe“, so Weber. „Deshalb ist die Straßenerprobung von seriennahen Fahrzeugen mit einem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb ein wichtiger Meilenstein in unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit.“ Bei der Alltagserprobung wurde demnach mit einem Prototyp des BMW i Hydrogen NEXT getestet.
Zuvor seien bereits das Brennstoffzellen-System, die Wasserstoff-Tanks und die Leistungspuffer-Batterie ebenso wie das zentrale Fahrzeug-Steuergerät als auch gemeinsam in Hunderten von Testläufen auf Prüfständen erprobt worden. Dieser Funktionserprobung folge laut BMW jetzt der Praxis-Test auf der Straße, ein realistischer Startpunkt für die Serienproduktion sei 2025.
Rubriklistenbild: © dpa/Matthias Balk
