Greenwashing

„Veganer Wahnsinn“: Landwirte laufen gegen VW Sturm

VW legt sich ein grünes Image zu, im Betriebsrestaurant gibt es nur noch vegetarisches Essen. Landwirte sind stinksauer und rufen zum Boykott auf.

Wolfsburg/Hannover – Dass der Wolfsburger Autobauer Volkswagen dringend ein besseres Image benötigt, ist kein großes Geheimnis in der Branche. Nachdem man in den vergangenen Jahren die Schlagzeilen vor allem durch den Abgas-Skandal beherrscht hat, versucht der Konzern um den Noch-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess sich seit einiger Zeit ein grünes Image zuzulegen. Der Ausbau der Elektrosparte ist dabei nur ein Aspekt. Seit rund einem Jahr bietet VW in seinen Betriebsrestaurants vegane Speisen an. Dagegen laufen nun Landwirte in Deutschland Sturm und rufen zum Boykott der Marke auf.

Deutsche Landwirte wettern „Veganer Wahnsinn“ und wollen Volkswagen boykottieren

Am Stammsitz in Wolfsburg gibt es im VW-Betriebsrestaurant nur noch ausschließlich vegetarische Speisen. Dass Umstellung auf veganes Essen immer beliebter wird, zeigt auch die Mensa am Turm der Georg-August-Universität in Göttingen. Dort gibt es nur noch veganes und vegetarisches Essen. In Berliner Mensen wird ebefalls nur noch vegetarische Kost serviert und auch Uli Hoeneß hat offensichtlich etwas gegen Veganer.

Weil der VW-Konzern in seinen Mitarbeiterkantinen veganes Essen anbietet, drohen Landwirte in Deutschland mit einem Boykott. (Symbolbild)

 „Fleischfreie Kantine, milchfreies Stadion – VW steht für ‚Veganer Wahnsinn‘“

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), der während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident mit im Aufsichtsrat des Autobauers saß, wettert gegen das Currywurst-Aus bei VW. Auch die Landwirte sind sauer über die „grüne“ Politik mancher Unternehmen. Ganz genau wie eben bei VW, wie Focus Online berichtet.  „Fleischfreie Kantine, milchfreies Stadion – VW steht heute leider für ‚Veganer Wahnsinn‘. Wir stehen zu unseren Bauern und kaufen deshalb keinen VW mehr“, zitiert das Portal die Webseite „VW-Panne.de“. Dahinter steckt der Verein „Freie Bauern“. Inzwischen haben sich hunderte Bauern in Deutschland der Boykott-Aktion angeschlossen.

Vegane Hafermilch sogar im Fußballstadion – Landwirte schäumen

Neben der vegetarischen Betriebskantine am Stammsitz in Deutschland ist den Landwirten eine Milch-Aktion im Stadion des VfL Wolfsburg ein Dorn im Auge. Im Stadion hatte es nämlich im vergangenen Jahr neben normaler Milch auch Hafermilch gegeben. Wie es in dem Bericht heißt, sei dies für einige Landwirte ein Reizthema. Die Wolfsburger Kicker werden durch VW finanziert.

Landwirte wollen VW boykottieren: Freie Bauern werfen VW wegen veganen Essen Greenwashing vor

Die „Freien Bauern“ in Niedersachsen werfen VW Greenwashing vor, und zwar auf Kosten der Landwirte. „Mit der billigen Marketing-Lüge, tierische Produkte seien pauschal klimaschädlich, betreibt der Abgas-Betrüger Volkswagen Greenwashing auf Kosten der vielen redlichen Bauernfamilien, die Nutztiere halten und unsere Bevölkerung in der Krise mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen“, zitiert Focus Online Cord Meyer von den „Freien Bauern“.

Aus diesem Grund wollen die Landwirte mit Vorstandschef Diess sprechen und drohen unverhohlen mit einem Boykott der Marke. Cord Meyer kann sich vorstellen, dass viele Mitglieder und Freunde sich sonst den Kauf eines neuen VWs verkneifen könnten. Im Zuge dessen rief Meyer alle Landwirte mit einem VW dazu auf, das Logo im Kühlergrill so zu verändern, dass nur noch das „V“ stehen bleibt – für Victory. Dann müsse sich niemand mehr schämen, so Meyer. Das Zeichen soll für den Erfolg der Proteste stehen, den sich die Landwirte erhoffen.

VW-Boykott der Landwirte: „Fehlende Achtung vor unserem Berufsstand“

Natürlich sei den Bauern klar, dass sie durch diese Proteste kaum ein Einlenken des VW-Konzerns erzwingen werden. Vielmehr will man der Politik ein deutliches Zeichen senden. Denn dort fehle es offensichtlich an „Achtung vor dem Berufsstand der Landwirte“. Viele Bauern würden durch immer mehr werdende vegane Lebensmittel in Bedrängnis kommen. Aus Sicht der Bauern sei man sowieso nicht in der Lage, die Ernährung komplett auf vegan umzustellen und genügend Menschen zu ernähren. Auch, wenn in Australien Veganer schon ihre fleischessende Familien von ihren Hochzeiten ausschließen.

VW kontert: „Unsachliche Kritik, es gibt auch nichtveganes Essen“

Beim Autobauer in Wolfsburg zeigt man sich verwundert ob der Aktion der Landwirte. Die Kritik sei unsachlich, heißt es aus der Konzernzentrale. Man böte eine Auswahl an veganen und nicht-veganen Essen an, damit die Beschäftigten ganz nach eigenen Wünschen und Vorlieben ihr Essen auswählen könnten.

„Veganer Wahnsinn“ – Bauern laufen wegen fleischfreier VW-Kantine Sturm

„Wir wollen unsere Mitarbeitenden nicht bevormunden. Wir wissen aber um unsere Verantwortung als Arbeitgeber, klären entsprechend über gesunde Ernährung auf und passen das Angebot in den Betriebsrestaurants an, wenn sich Ernährungsgewohnheiten verändern“, zitiert Focus Online aus einer vorliegenden E-Mail. Wie sehr die Diskussion um fleischfreie Ernährung Wellen schlagen kann, zeigt auch die Forderung veganer Soldaten nach einem Extra-Menü – sie kassieren Klatsche und Spott.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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