Rechnung gibt Aufschluss

Neue Studie des Ifo-Instituts: Für wen sich Arbeiten wegen des Bürgergeldes noch lohnt

Im Jahr 2024 wurden die Regelsätze des Bürgergeldes deutlich angehoben. Laut des Ifo-Instituts lohnt sich das Arbeiten vor allem für Geringverdiener.

Bremen – Nach der Erhöhung des Bürgergeldes im Jahr 2024 gab es weitreichende Forderungen nach der Einhaltung des sogenannten „Lohnabstandsgebots“. Die Befürchtung war, dass es sich für viele Menschen nicht mehr lohnt, arbeiten zu gehen.

Bürgergeld für Geringverdiener: Arbeiten lohnt sich in vielen Fällen

Die Regelsätze des Bürgergeldes wurden in diesem Jahr deutlich angehoben. Alleinstehende bekommen 61 Euro mehr, seit Anfang 2024 sind das 563 Euro pro Monat. Einige Politiker fürchteten deshalb, dass der Unterschied im verfügbaren Einkommen zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen nicht mehr gewahrt bleibt. Um das zu überprüfen, stellte das Ifo-Institut einige Berechnungen an. Das Ergebnis: Vor allem für Geringverdiener lohnt sich das Arbeiten – unter einer Bedingung.

Die Regelsätze des Bürgergeldes wurden 2024 erhöht. Dennoch kann sich Arbeiten für viele Empfänger lohnen.

„Die von manchen Politikern aufgestellte Behauptung, wer nur Sozialleistungen beziehe, bekomme netto mehr als ein Geringverdiener, ist schlicht falsch“, behauptet Andreas Peichl, Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen. In einer Beispielrechnung zeigte er den Beweis: Eine alleinstehende Person würde in einer Stadt mit mittlerem Mietniveau bei einem Bruttoverdienst von 1000 Euro mithilfe zusätzlicher Sozialleistungen auf 891 Euro netto kommen. Der Bürgergeld-Betrag würde demgegenüber nur 563 Euro betragen, das sind 328 Euro weniger.

Bürgergeld gegen Job: „Arbeit führt zu höheren Einkommen als Nichtstun“

Aus der nachfolgenden Tabelle wird deutlich, dass sich das Zusammenspiel aus einem geringen Bruttoeinkommen mit der zusätzlichen Sozialleistung des Bürgergeldes mehr als lohnt. Die Beispielzahlen betrachten verschiedene Haushalte nach Abzug von Miet- und Heizungskosten. Besonders deutlich werden die Mehreinnahmen bei Alleinerziehenden und Alleinverdienern in einer Partnerschaft. Dort werden bei einem Bruttoeinkommen von 1000 Euro am Ende über 1400 Euro mehr verdient.

Verfügbare Einkommen verschiedener Haushalte laut Ifo-Institut:

HaushaltstypBrutto-EinkommenMit SozialleistungenOhne SozialleistungenBürgergeld-Einkommen
Single1000 Euro891 Euro357 Euro563 Euro
Single2000 Euro1020 Euro965 Euro563 Euro
Alleinerziehend1000 Euro2033 Euro622 Euro1553 Euro
Alleinerziehend2000 Euro2489 Euro1320 Euro1553 Euro
Alleinverdiener-Paar1000 Euro2127 Euro502 EuroJe nach Einkommen
Alleinverdiener-Paar2000 Euro2442 Euro1226 EuroJe nach Einkommen
Doppelverdiener-Paar1000 Euro2159 Euro630 Euro902 Euro
Doppelverdiener-Paar2000 Euro2617 Euro1375 Euro902 Euro

Eine Erhöhung des Bruttoeinkommens auf über 2000 Euro zahlt sich für viele hingegen nicht aus. Alleinerziehende bekommen bei einer Erhöhung des Bruttoeinkommens von 2000 auf 3000 Euro am Ende nur 59 Euro netto mehr. Für Paare zahlt sich vor allem ein Anstieg im Bereich zwischen 3000 und 5000 Euro brutto nicht aus. Dennoch sagte das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut: „Arbeit führt in Deutschland immer zu höheren Einkommen als Nichtstun.“ Einige Experten sind sich demgegenüber sicher, dass manche Menschen eher Bürgergeld beziehen sollten. (rd mit dpa)

Rubriklistenbild: © Hanno Bode/Imago (Symbolbild)

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