Kleiner OP-Saal an Board
Notfall auf einem Kreuzfahrtschiff: So ist die medizinische Versorgung geregelt
Tritt ein Notfall während des Urlaubs ein, muss der Patient akut versorgt werden. Kreuzfahrtschiffe sind gut vorbereitet und ändern sogar den Kurs.
Für viel ist Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff die schönste Form des Entspannens. Den Sommer 2023 können die Urlauber vermutlich ohne nennenswerte Corona-Einschränkungen genießen. Wie in jedem anderen Urlaub auch, so kann es auch während einer Kreuzfahrt zu Unfällen oder medizinischen Notfällen kommen. Dazu gehören Sonnenstich, Herzinfarkt oder einfach nur Seekrank werden. In vielen Fällen können die Ärzte auf dem Schiff helfen. Wenn aber ein Krankenhausaufenthalt nötig wird, dann muss der Passagier das Kreuzfahrtschiff verlassen. Es findet eine medizinische Notausschiffung statt.
Jüngstes Beispiel ist die Aida Nova. Das Kreuzfahrtschiff musste am Dienstag (14. Februar) den geplanten Seetag verkürzen und den Hafen auf Teneriffa ansteuern, um einen Patienten an ein Krankenhaus zu übergeben. Ein Ausfliegen per Helikopter war aufgrund von Saharasand in der Luft nicht möglich. Stehen beide Optionen zur Wahl, entscheidet der Arzt anhand von medizinischen Kriterien.
Notfall auf einem Kreuzfahrtschiff: So ist die medizinische Versorgung
Wer das erste Mal eine Kreuzfahrt plant, stellt sich vielleicht die Frage: Was ist, wenn ich auf einem Kreuzfahrtschiff schlimm krank werde? Auf der Aida-Homepage heißt es über die Ausstattung des Bordhospitals auf ihren Kreuzfahrtschiffen: Jedes Schiff verfügt über ein modern eingerichtetes Hospital. Derzeit umfasst das medizinische Angebot folgende Leistungen: Sauerstoffversorgung für akute medizinische Notfälle, Erstellung eines „kleinen Blutbildes“, Verbandswechsel und Wundversorgung, ausgewählte Medikamente wie Kortison und eine Bauchfelldialyse (einzige Dialyseform an Bord). Einen Zahnarzt gibt es nicht an Bord.
Die TUI Mein-Schiff-Flotte setzt ausschließlich deutschsprachiges Fachpersonal ein, heißt es auf der Homepage. Und weiter: Es sind stets zwei Fachärzte mit Zusatzqualifikation Rettungsmedizin sowie zwei Gesundheits- und Krankenpfleger und eine Medical Assistant an Bord. Die Bordhospitäler sind mit modernstem Equipment sowie mit einem Labor, einer digitalen Röntgeneinheit, einem OP für kleine chirurgische Eingriffe und einer voll ausgestatteten Intensivstation, die einer Notfallambulanz eines deutschen Krankenhauses entspricht, ausgestattet. Abgerundet wird das Angebot von einer Bord-Apotheke.
Aida-Ärzte können bei Bedarf via Satellit Kollegen in diversen Krankenhäusern kontaktieren. Mein Schiff hat eine telemedizinische Verbindung zum Universitätsklinikum Hamburg (UKE), dies berichten die beiden Anbieter.
Medizinischer Notfall bei Kreuzfahrt: Unternehmen setzen auf Schiffsärzte
Bei Norwegian Cruise Line (NCL) teilen sich drei Ärzte und drei Krankenschwestern die Arbeit auf Ozeanriesen mit bis zu 4000 Passagieren. Royal Caribbean (Wonder of the seas) schreibt etwas kryptisch: Alle Schiffe besitzen an Bord medizinische Einrichtungen, die so entworfen, platziert, gebaut und ausgestattet sind, dass sie die Richtlinien der American College of Emergency Physicians Cruise Ship & Maritime Medicine Section erfüllen und sogar übertreffen.
Ganz ohne Arzt fahren die Hurtigruten-Schiffe die Postroute. An Bord gibt es weder einen Arzt noch eine Apotheke. Die Besatzung ist jedoch in Erster Hilfe ausgebildet und kann in Notfällen medizinische Hilfe leisten. Die Schiffe befinden sich auch in Landnähe, falls dringende medizinische Hilfe benötigt wird, schreibt die Reederei.
Wie die medizinische Versorgung auf dem Kreuzfahrtschiff MV Narrative im Details geregelt ist, ist nicht bekannt. Gleiches gilt für das Mega-Segelschiff Orient Express Silenseas.
Clia empfiehlt zwei Ärzte für mögliche Notfälle auf einem Kreuzfahrtschiff
Der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (Clia) empfiehlt, dass ab 800 Passagieren einer von mindestens zwei Ärzten Tag und Nacht in Bereitschaft sein sollte. Da dieser Standard nicht verbindlich ist, bestimmt jede Reederei selbst, wie viel Fachpersonal an Bord ist und was ein Schiffsarzt können muss,
Alle Kreuzfahrt-Anbieter haben entsprechenden Informationen auf ihren Homepages veröffentlicht. Bleibt noch die Frage: Wer zahlt den Arztbesuch? Die Antwort ist einfach: der Patient. In der Regel werden diese Kosten auf die Schiffsrechnung draufgeschlagen. Diese kann dann bei der Reisekrankenversicherung eingereicht werden.
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