Künstliche Intelligenz
Europol warnt vor krimineller Nutzung von ChatGPT: „Düsterer Ausblick“:
Künstliche Intelligenzen können den Sprachstil von Personen oder Gruppen imitieren. Das könnte Cyber-Kriminelle Tür und Toren öffnen, sagt Europol und mahnt zur Vorsicht.
München – Vor wenigen Tagen warnte die europäische Polizeibehörde Europol, dass Kriminelle sich künstliche Intelligenzen (KI) wie ChatGPT für Betrug und andere Cyberverbrechen zunutze machen könnten. Dass Betrüger und Cyber-Kriminelle Zugang zu dieser Art der KI-Systeme haben, biete einen „düsteren Ausblick“, heißt es im Europol-Bericht mit Sitz in Den Haag. Die Fähigkeiten von Chatbots biete nicht nur die Möglichkeit, die Menschheit künftig zu bereichern, sondern auch, um sie zu betrügen, so die Mahnung.
„Düsterer Ausblick“ – KI wird nicht nur zum Wohle der Menschen eingesetzt werden
Europols neues Innovationslabor hat den Einsatz von Chatbots im Allgemeinen untersucht. Besonderes Augenmerk lag aber auf ChatGPT, da es sich hier um den bekanntesten und meistbenutzten Chatbot handelt. Das KI-Programm erstellt mithilfe von künstlicher Intelligenz Fließtexte. Durch bestimmte Befehle – sogenannte „Promps“ – spuckt die mit Unmengen von Daten gefütterte Software in Sekundenschnelle Essays, Sonette oder Analysen aus; und zwar in vorgegebenen Sprachstil.
Was für faule Schüler und Studenten als Segen anmutet, ist ein Fluch für Bildungseinrichtungen und Behörden. Kriminelle könnten ChatGPT falsch einsetzen, mahnt Europol. Sie könnten etwa eigennützige Recherche-Prozesse in Bereichen außerhalb ihres Wissens „erheblich beschleunigen“, erklärte die Behörde. Der Chatbot könne beispielsweise Informationen geben, „wie man in ein Haus einbricht, bis hin zu Terrorismus, Cyberkriminalität und sexuellem Missbrauch von Kindern“, hieß es.
Damit nicht genug: Auch etliche Berufsgruppen und Arbeitnehmer blicken skeptisch auf ChatGPT. Klaut die KI Arbeitsplätze und macht Beschäftigte aus Fleisch und Blut bald obsolet?
Risiken von ChatGPT: Chatbot könnte für Propaganda- und Desinformations-Zwecke genutzt werden
Die Fähigkeit des Chatbots, Sprachstile zu imitieren, rufe die Gefahr des „Phishings“ auf den Plan, warnen die Sicherheitsbehörden. Bei der Cyber-Betrugsmasche werden Nutzer dazu verleitet, in E-Mails auf gefälschte Links zu klicken, mithilfe derer ihnen dann ihre Daten gestohlen werden. Die Skills des Chatbots, schnell seriös anmutende Texte zu verfassen, mache es zudem „ideal für Propaganda- und Desinformations-Zwecke“.
ChatGPT kann auch zum Programmieren genutzt werden, erklärte die Behörde. Das sei besonders nützlich für Kriminelle mit wenig oder gar keinem Wissen in diesem Bereich. Zwar verfüge ChatGPT über Sicherheitsvorkehrungen und beantworte keine Fragen, die als schädlich oder voreingenommen eingestuft wurden, erklärte Europol. Doch mit geschickten Formulierungen kann dieses „Hindernis“ wohl leicht umgangen werden.
Künstliche Intelligenz als Teilgebiet der Informatik sowie deren Anwendungsbereiche befinden sich noch in den Kinderschuhen. Daher ist eine Verbesserung der Fähigkeiten von KI-Softwaren zu erwarten. Doch nicht nur bis dahin gilt Wachsamkeit: „Es ist von größter Wichtigkeit, dass das Bewusstsein für dieses Thema geschärft wird, um sicherzustellen, dass alle potenziellen Schlupflöcher so schnell wie möglich entdeckt und geschlossen werden“, so Europol. (dpa/ib)
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