Finanzierung durch Aktien
Genügen 200.000 Euro Rücklage für Rente mit 45? Experte rechnet vor
Mit 45 Jahren in Rente gehen? Laut einem Finanzexperten machbar. Doch Vorsicht: Ohne detaillierte Planung der Ausgaben drohen fiese Stolperfallen.
Bremen – In Hinblick auf die besorgniserregenden Zahlen zur Altersarmut dürfte der Traum, frühzeitig in den Ruhestand zu gehen, bei vielen in die Ferne rücken. In Ostdeutschland ist fast jede vierte Person im Alter zwischen 60 und 79 Jahren von Armut bedroht, heißt es in dem neusten Bericht des Statistischen Bundesamts. Allgemein habe das Risiko von Altersarmut hierzulande leicht zugenommen. Trotzdem soll es einem Experten zufolge möglich sein, mit 45 Jahren in Rente zu gehen.
Nicht nur das: Menschen, die mit 45 Jahren in Rente gehen, kann trotz des frühen Renteneintritts genug Geld zur Verfügung stehen, so Silvio Halsig, Mitgründer und Chief Investment Strategist von Serafin Wealth Management. Er hat für das Nachrichtenportal Business Insider errechnet, wie lange ein Vermögen von 200.000 Euro wirklich für den Ruhestand ausreicht. Das Ergebnis: Wer alle möglichen Ausgaben berücksichtigt und detailliert plant, könnte damit Erfolg haben.
Rente mit 45 Jahren durch Investition in Aktien: Doch es gibt Haken
Die Frage, die sich künftige Rentner laut Halsig stellen sollten: Wie kann das vorhandene Geld am besten angelegt werden, um die Zeit ohne geregeltes Einkommen zu finanzieren? Eine gängige Methode stellt dabei die Investition in Aktien mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,5 Prozent dar. Um die Auszahlung zu berechnen, wird das Vermögen von 200.000 Euro mit der Rendite multipliziert. Heraus kommt eine Entnahme von 12.960 Euro pro Jahr und 1080 Euro pro Monat.
Früher in Rente? Nicht ohne Abschläge
Wer in Deutschland früher in den Ruhestand geht, erhält sogenannte Abschläge auf die gesetzliche Rente. Pro Monat, den man vor der regulären Altersgrenze in den Ruhestand tritt, wird die Rente dauerhaft um 0,3 Prozent gekürzt, informiert die Deutsche Rentenversicherung. Das bedeutet bei einem Jahr früherer Rente eine Minderung von insgesamt 3,6 Prozent. Diese Kürzung gilt lebenslang und soll die längere Auszahlungszeit der Rente ausgleichen.
Dieser Betrag liegt unter der im Rentenatlas 2023 erwähnten Durchschnittsrente von 1550 Euro brutto. Damit also langfristig über die Runden zu kommen, ist eher unrealistisch. Realistischer wäre dagegen ein monatlicher Betrag von 2500 Euro brutto. Doch Halsig warnt: Wenn sofort mit der Entnahme gestartet werde, reiche das Kapital bei einer Aktienstrategie mit 6,5 Prozent Rendite gerade einmal für neun Jahre. Rentner hätten also mit 54 Jahren ihre finanzielle Vorsorge bereits aufgebraucht.
Wer dagegen mit 25 Jahren finanzieller Vorsorge rechnet, sieht es dem Experten zufolge wie folgt aus: „Mit einer Aktienstrategie und einer Entnahmedauer von 25 Jahren könnt ihr euch monatlich rund 1300 Euro auszahlen lassen“, so Halsig. „Bei einer ausgewogenen Anlagestrategie wären es etwa 1100 Euro.“ Doch auch hier gibt es einen Haken: Nach 25 Jahren wäre das gesamte Kapital aufgebraucht. Leben Rentner über diesen Zeitraum hinaus, gibt es eine Versorgungslücke.
Risikoanlage Aktien: Lohnt es sich, mit 45 Jahren in Rente zu gehen?
Ganz anders sieht es aus, wenn die Person nicht mit 45 Jahren in Rente geht, sondern sich entscheidet, für weitere zehn Jahre zu arbeiten und die 200.000 Euro zwischenzeitlich anzulegen. Halsig zufolge könnte das Vermögen auf 375.000 Euro anwachsen, was eine monatliche Auszahlung von 2000 Euro ermöglichen würde. Selbst bei einer ausgewogeneren Anlagestrategie aus Aktien und Anleihen und einer 4,5 Prozent-Rendite würde sich das Kapital so auf rund 310.000 Euro belaufen.
Alles in einem ist ein Ruhestand mit 45 Jahren und einem Vermögen von 200.000 Euro realisierbar – allerdings nur unter gewissen Bedienung. Zudem weist der Finanzexperte darauf hin, dass unerwartete Ausgaben wie Gesundheits- und Pflegekosten das finanzielle Polster schmälern können. Abgesehen davon ist die Investition in Aktien grundsätzlich immer mit einem Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann also nicht ausgeschlossen werden. (cln)
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