Lebensmittel: Cem Özdemir will „Containern“ straffrei machen
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir will gegen Verschwendung von Lebensmitteln vorgehen. Er will das sogenannten „Containern“ straffrei machen.
Berlin – Nacht für Nacht durchsuchen Menschen in ganz Deutschland die Müllcontainer von Einzelhandelsgeschäften und Supermärkten, um aussortierte, noch essbare Lebensmittel vor der Vernichtung zu retten. Das sogenannte „Containern“ ist eine beliebte Beschäftigung für Menschen, die damit gegen den Konsumdruck und die Wegwerfgesellschaft protestieren – aber auch für Menschen, die sich frische Lebensmittel schlichtweg nicht leisten können.
Der Haken daran: Containern ist hierzulande potenziell strafbar; Da Abfall bis zur Abholung noch seinem Besitzer gehört, gilt es als Diebstahl. Zudem ist beim Containern häufig der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt. Und auch wenn das Containern bei Eigenbedarf aus Gründen der Geringfügigkeit häufig nicht verfolgt wird, so setzen sich die ausübenden Personen dem Risiko einer Strafverfolgung aus.
Cem Özdemir will Lebensmittelverschwendung verringern und Containern straffrei machen
Das soll sich nach dem Willen von Cem Özdemir (Grüne) ändern. Der Bundeslandwirtschaftsminister sagte am Montag gegenüber der Rheinischen Post: „Wer noch verzehrfähige Lebensmittel aus Abfallbehältern retten will, sollte dafür nicht belangt werden.“ Stattdessen wünsche er sich, dass sich die Gerichte „um Verbrecherinnen und Verbrecher kümmern“. Er will das Containern straffrei machen.
- Anteil entsorgter Lebensmittel an der Gesamtverschwendung (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)
- Obst und Gemüse (35 Prozent)
- Zubereitetes (15 Prozent)
- Brot und Backwaren (13 Prozent)
- Getränke (12 Prozent)
- Milchprodukte (9 Prozent)
- Sonstiges (7 Prozent)
- Fertigprodukte (6 Prozent)
- Fleisch, Fisch und Wurst (4 Prozent)
Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel würden Jahr für Jahr im Müll landen, davon allerdings nur rund die Hälfte in privaten Haushalten. Özdemir möchte mit der Erlaubnis zum Containern der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken. Er sagte jedoch auch, dass damit das Problem der Verschwendung nicht auf einen Schlag gelöst werde. Manche Supermärkte haben eigene Strategien entwickelt, um so wenig Lebensmittel wie mögliche wegzuwerfen.
Lebensmittelverschwendung: Vorbilder Schweiz und Frankreich
Bereits in der Vergangenheit hat es Vorstöße aus der Politik gegeben, das Containern straffrei zu machen. Im Juni 2021 wurde ein entsprechender Antrag der Partie Die Linke im Bundestag abgelehnt. Auch aus der Bevölkerung kamen bereits Vorstöße, das Containern in Deutschland zu erlauben. In der Schweiz ist Containern erlaubt, in Frankreich hingegen sind Supermärkte per Gesetz dazu verpflichtet. ablaufende und abgelaufene Lebensmittel zu spenden.
Zudem kündigte Cem Özdemir an, den Einsatz von Pestiziden in Deutschland weiter verringern zu wollen. Maßgeblich sei dafür die EU-Vorgabe, den Pestizid-Einsatz bis 2030 zu halbieren. Dieses Ziel ist auch im Koalitionsvertrag für Deutschland festgehalten. Die Umsetzung soll noch im Jahr 2023 beginnen: „Mein Ministerium wird 2023 ein Reduktionsprogramm auflegen, um Landwirtinnen und Landwirte dabei zu unterstützen, weniger Pflanzenschutzmittel zu verwenden.“