Gesundheitsgefahr in der Dusche

Legionellen-Alarm in Deutschland: Wie Energiesparen krank machen kann

Um Energie zu sparen, drehen viele die Wassertemperatur herunter und duschen lauwarm. Experten warnen: So können sich gefährliche Legionellen bilden.

Berlin – Der Ukraine-Krieg lässt die Energiekosten in ungeahnte Höhe wachsen. Überall in Deutschland werden die Temperaturen gedrosselt – Schwimmbäder werden kälter und Saunen bleiben dicht. Auch private Verbraucher fürchten die Energieabrechnungen – trotz Auszahlung der Energiekostenpauschale. Nicht wenige senken darum die Wassertemperatur – doch damit sind ernsthafte Gesundheitsgefahren verbunden, so die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene DGKH. Sie warnt vor einer „Zunahme von Legionellosen“.

Besonders beim Duschen können die Legionellen aus dem Trinkwasser gefährlich werden, da sie als Aerosole über die Atmung aufgenommen werden. Trinken und Händewaschen sei dagegen nicht gefährlich, so die Experten.

Legionellen-Alarm: Sparen mit niedriger Wassertemperatur kann krank machen

„Legionellen vermehren sich unter anderem im Wasser der Trinkwasserinstallation, wobei sie ideale Vermehrungsbedingungen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 °C finden. Bei Wassertemperaturen oberhalb von 48 °C wird die Legionellenvermehrung wirksam gehemmt, oberhalb von 60 °C sterben die Bakterien ab“, erklärt der RKI Ratgeber. Doch viele vergessen bei den immensen Wasser- und Energiekosten für eine warme Dusche die gesundheitlichen Konsequenzen von lauwarmen Wassertemperaturen.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die unterschiedliche Krankheitsbilder bis hin zu lebensbedrohlichen und tödlich verlaufenden Lungenentzündungen zur Folge haben können.

Die Keime sind in geringer Anzahl natürlicher Bestandteil von Gewässern und vermehren sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad.

Damit finden sie in Warmwasserleitungen gute Wachstumsbedingungen. In Ablagerungen und Belägen des Rohrsystems, dem sogenannten Biofilm, können sich Legionellen besonders gut vermehren.

Gefahr aus der Wasserleitung: Legionellen werden beim Duschen eingeatmet

Dabei vermehren sich die Umweltkeime bei Temperaturen zwischen 25 und 45 °C Legionellen in Wasserleitungen optimal. Werden Legionellen während des Duschens eingeatmet, können sie dort die Legionellose, auch bekannt als Legionärskrankheit, und Legionellen-Pneumonie – eine aggressive Form der Lungenentzündung – auslösen. Laut Bericht des Robert-Koch-Institutes infizieren sich etwa drei Viertel im privaten oder beruflichen Umfeld, etwa 20 Prozent während einer Reise und weniger als zehn Prozent in Kliniken oder Pflegeheimen. Die meisten Erkrankungen werden demnach durch häusliches Trinkwasser verursacht. 

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Wie macht sich eine Legionellen-Infektion bemerkbar?

Eine Infektion mit Legionellen macht sich ähnlich wie andere Infektionen – Grippe, RSV oder Corona mit unterschiedlichen Symptomen bemerkbar – und wird als Ursache von Atemproblemen oft übersehen. Die meldepflichtige Legionärskrankheit unterscheidet sich auch zunächst nicht von anderen Infektionen mit Lungenentzündungen. Doch mehr als 95 Prozent der Betroffenen erkranken so schwer, dass sie stationär aufgenommen und mit Antibiotika behandelt werden müssen.

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Auch das etwas weniger gefährliche Pontiac-Fieber wird durch Legionellen ausgelöst. Hierbei handelt es sich um einen grippeähnlichen Infekt ohne Lungenentzündung. Betroffene leiden meist an Kopf- und Gliederschmerzen und trockenem Husten. Ähnlich wie eine Erkältung, deren Symptome mit effektiver Behandlung rasch ausheilen, verläuft diese Erkrankung jedoch größtenteils mild.

Legionärskrankheit: Fünf bis zehn Prozent der Infektionen enden tödlich

In Deutschland treten pro 100.000 Einwohnern zwischen 18 und 36 Infektionen jährlich auf, schätzt das RKI. Wird die Legionärskrankheit nicht behandelt, kann sie tödlich verlaufen. Das ist nach Angaben des RKI bei fünf bis zehn Prozent der Erkrankten der Fall. 

Was sind die Symptome einer Infektion mit Legionellen bzw. der Legionärskrankheit?

  • Plötzlich einsetzender trockener Husten
  • Hohes Fieber
  • Atemprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Verwirrtheit
  • Muskelschmerzen

Wann bricht eine Infektion mit Legionellen aus und wie lange ist man ansteckend?

Zwei bis zehn Tage nach dem Kontakt mit dem Erreger zeigen sich die ersten Beschwerden einer Legionellen-Infektion. Zwischen der Ansteckung und Ausbruch des Pontiac-Fiebers liegen fünf Stunden bis knapp drei Tage. Unabhängig vom Krankheitsbild – also egal, ob Legionärskrankheit oder Pontiac-Fieber – sind die Erkrankten nicht ansteckend.

Wie schütze ich mich vor Legionellen?

  • Grundsätzlich sollten die Wasserleitungen regelmäßig genutzt werden: Die Verweilzeit des Trinkwassers in den Rohren – egal ob kalt oder warm – sollte so kurz wie möglich sein, optimalerweise keine 24 Stunden überschreiten.
  • Das heißt: Regelmäßig alle Wasserhähne, Toiletten und Badewannenzuflüsse benutzen, damit die Bakterien keine Chance haben, sich festzusetzen.
  • Nach dem Urlaub, aber auch nach vielen Stunden Abwesenheit und morgens immer erstmal Wasser laufen lassen, bis Frischwasser – erkennbar an der kühlen Temperatur – aus dem Hahn kommt.
  • In einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasser-Speicher sollte die Regler-Temperatur auf mindestens 60 °C eingestellt sein. Die Wassertemperaturen im Leitungssystem sollten an keiner Stelle Temperaturen unter 55 °C aufweisen.
  • In Häusern mit zentralen Warmwasseranlagen, die über eine Speicherkapazität von mehr 400 Liter verfügen, muss das Wasser zudem regelmäßig auf Legionellen untersucht werden. 

Hygiene-Experten empfehlen eine Wassertemperatur von mehr als 60 Grad 

Wer seine Wasser-Heizgeräte in der Küche oder im Bad zu weit herunterdreht, riskiert die Gefahr, dass sich gefährliche Legionellen bilden, warnt das Umweltbundesamt: „Trinkwasser muss bis unmittelbar vor der Mischarmatur entweder kalt oder heiß sein“, heißt es dort. Wenn das nicht sichergestellt sei, „besteht ein Risiko für das Wachstum von Legionellen.“ Das Umweltbundesamt, das davor warnt, Schnee zu essen, empfiehlt daher, dass warmes Wasser im Leitungssystem immer eine Temperatur von mindestens 55 Grad haben sollte, um Legionellenwachstum zu verhindern. 

Wichtig: Bei Erkrankung unbedingt Ursachen auf den Grund gehen

Nachweislich wachsen die Chancen für einen milden Verlauf, je früher der oder die Erkrankte mit einem passenden Antibiotikum behandelt wird. Wichtig bei jeder nachgewiesenen Legionellen-Infektion ist es, den Ansteckungsweg zu klären, so das RKI. Darum ist die Erkrankung ebenso wie eine Infektion mit dem Coronavirus meldepflichtig. Ein spezieller Fragebogen wird von den Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt.

„Bislang ist kein Anstieg bei den übermittelten Legionellose-Fällen im Meldesystem im Vergleich zu den Vorjahren erkennbar, allerdings wird man die Entwicklung erst im Laufe der nächsten Monate wirklich beurteilen können“, erklärte das RKI auf Nachfragen der kreiszeitung.de.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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