Energiekrise

Noch mehr Gas aus der Steckdose: Warum Spaniens Strom-Idee fatal ist

Die Sonne geht hinter einer Hochspannungsleitung an der Ems auf.
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Der Strommarkt muss reformiert werden. Das steht nach der Energiekrise fest. Ein erster Vorschlag kommt aus Spanien, hätte aber fatale Folgen für die gesamte EU.

Der Strommarkt muss reformiert werden. Das steht nach der Energiekrise fest. Ein erster Vorschlag kommt aus Spanien, hätte aber fatale Folgen für die gesamte EU.

Madrid – Spanien hat der Europäischen Union (EU) einen Vorschlag für die angekündigte weitreichende Reform des europäischen Strommarktes zukommen lassen. Die Schlüsselpunkte der von der linken Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez vorgeschlagenen Reform seien die Entwicklung der erneuerbaren Energien, größere Versorgungssicherheit, erschwingliche Verbraucherpreise sowie eine Senkung „der zum Teil riesigen Preisvolatilität“, wie das Ministerium für Ökologischen Wandel in Madrid mitteilte. Nach Medienberichten ist Spanien das erste Land, das einen Vorschlag unterbreitet.

Noch mehr Gas aus der Steckdose: Warum Spaniens Strom-Idee fatal ist

Der Vorschlag zielt darauf, den Strompreis zum Teil vom Gaspreis zu entkoppeln, damit auch die Verbraucher von den günstigeren Kosten der erneuerbaren Energien profitieren. Dazu soll der Markt in zwei Teile geteilt werden. Erneuerbare Träger sollen aus dem sogenannten Day-Ahead-Markt, an dem der Strom für den folgenden Tag gehandelt wird, herausgenommen werden. Sie sollen in einem neuen Terminmarkt gehandelt werden.

Madrid teilte auch mit, man werde in Brüssel eine Verlängerung des ausgehandelten Strompreisdeckels bis Ende 2024 beantragen. Diese vorerst bis Ende Mai für Spanien und Portugal geltende Regelung legt die Obergrenze bei 45 bis 50 Euro pro Megawattstunde fest.

Noch mehr Gas aus der Steckdose: Warum Spaniens Strom-Idee fatal ist

Die Strommarktreform war angesichts der auch im Zuge des Ukraine-Kriegs stark steigenden Energiepreise im Sommer vorigen Jahres von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt worden. Die Kommission will noch in den ersten Monaten des Jahres einen Reformvorschlag vorlegen, dabei soll auch das Merit-Order-Prinzip unter die Lupe genommen werden, nachdem bislang der Strompreis gestaltet wird.

Merit-Order-Prinzip

Als Merit-Order wird die Einsatzreihenfolge der an der Strombörse anbietenden Kraftwerke bezeichnet. Kraftwerke, die billig Strom produzieren können, werden zuerst herangezogen, um die Nachfrage zu decken. Das sind zum Beispiel Windkraftanlagen. Am Ende richtet sich der Preis aber nach dem zuletzt geschalteten und somit teuersten Kraftwerk, um die Nachfrage zu decken – derzeit sind dies wegen der hohen Gaspreise Gaskraftwerke. Dadurch sind auch die Strompreise deutlich gestiegen. (dpa)

Man könnte also meinen, dass die Idee Spaniens, die Erneuerbaren vom Energiemarkt abzukoppeln, eine gute sei. Doch Experten sehen das völlig anders, berichtet der Focus. „Das wäre ein massiver Eingriff in den Strommarkt, wenn die Erneuerbaren herausgenommen und in einem separaten Markt gehandelt werden“, so der Energiemarktexperte Mirko Schlossarczyk von Enervis, eine Unternehmensberatung für die Energiewirtschaft.

Noch mehr Gas aus der Steckdose: Warum Spaniens Strom-Idee fatal ist

Doch, die Spanier haben bereits den Strompreis vom Gaspreis entkoppelt und damit sind Befürchtungen von Experten auch wahr geworden. Denn als Ergebnis wird in Spanien mehr Gas verstromt, was dem Ziel, weniger Gas zu verbrauchen, augenscheinlich zu wider läuft. Auch sei durch den Gaspreisdeckel in Spanien wieder mehr Gas verstromt worden, der schließlich ins Ausland geliefert worden sei. Somit flossen in der Vergangenheit bereits spanische Subventionen ins Ausland ab. Auch kontraproduktiv.

Doch, es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Entkopplung der erneuerbaren Energien vom Strompreis problematischen werden würde. Es stehen nämlich nicht immer erneuerbare Energien zur Verfügung. Weht kein Wind, kann ein Windrad kein Strom produzieren. Das Gleiche gilt für Solaranlagen in Bezug auf Sonnenschein. „Wenn diese Anlagen nicht verfügbar sind, müssen andere Stromerzeuger genutzt werden“, so Schlossarczyk. Im schlimmsten Falle würde dann weiterhin Gas verstromt. Trotzdem ist eines sicher: der Strommarkt muss reformiert werden. Das wird allerdings dauern. (mit Material der dpa)

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