Klimaschutz

Neue Regeln für Balkonkraftwerke soll Erneuerbare Energien voranbringen

Eigentlich sollten Erneuerbare Energien im Sinne des Klimaschutzes einfach genutzt werden. Doch bei Mini-PV-Anlagen sind Hürden unnötig hoch.

Offenbach – Der Klimawandel bedroht die Menschheit weltweit. Verbraucher sollen mit der Nutzung von Erneuerbaren Energien ihriges zum Klimaschutz beitragen. Da könnte man meinen, dass die Nutzung dieser regenerativen Energien gerade in den eigenen vier Wänden relativ problemlos vonstattengehen sollte. Ganz einfach ist es auch theoretisch ein sogenanntes Balkonkraftwerk, eine Mini-PV-Anlage, die völlig simpel über den Stromkreislauf angeschlossen wird, zu betreiben. Theoretisch. Denn in der Praxis bürdet der Staat seinen Bürgern viele Regeln dafür auf. Das soll sich bald ändern, fordert der Verband Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE).

Erneuerbare Energien: Betrieb von Balkonkraftwerken soll einfacher werden

Expertinnen und Experten des VDE haben dafür ein Positionspapier erarbeitet, um die Installation und den Betrieb von Mini-PV-Anlagen deutlich zu erleichtern. Balkonkraftwerke beziehungsweise Mini-Energieerzeugungsanlagen sollen sich flächendeckend durchsetzen, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen, so die Experten.

Eigentlich sollten Erneuerbare Energien im Sinne des Klimaschutzes einfach genutzt werden. Doch bei Mini-PV-Anlagen sind Hürden unnötig hoch. Das soll sich ändern.

Um die Verwendung von Mini-Energieerzeugungsanlagen deutlich zu vereinfachen, hat der VDE jetzt ein Positionspapier vorgelegt. „Die Grundlage für die elektrische Sicherheit der Anlagen bildet das VDE Vorschriftenwerk. Wir wollen mit den Vorschlägen zur Vereinfachung dazu beitragen, dass sich die Verwendung von Mini-Energieerzeugungsanlagen in der Zukunft flächendeckend durchsetzen kann, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit zu machen“, so VDE-Chef Ansgar Hinz. In dem Positionspapier identifizieren Expertinnen und Experten des VDE fünf Punkte, von denen ausgehend das Regelwerk weiterentwickelt werden kann:

Zum einen fordert der VDE, die Erhöhung der Bagatellgrenze auf 800 Watt, so wie es EU-weit vorgeschrieben ist. In Deutschland wurde diese EU-Richtlinie allerdings noch nicht umgesetzt. Die aktuelle Leistungsgrenze für Balkonkraftwerke liegt aktuell noch bei 600 Watt Einspeiseleistung. Das heißt, der Wechselrichter darf maximal 600 Watt ins Hausnetz einspeisen.

Betrieb von Balkonkraftwerken soll einfacher werden und Erneuerbare Energien voranbringen

Eine weitere Forderung des VDE ist es, dass Balkonkraftwerke bis zur Bagatellgrenze (also 800 Watt) an jedem Zählertypen verwendet werden dürfen. Zähler sollen im Rahmen der Bagatellgrenze auch rückwärtslaufen dürfen. Verbraucher, die mithilfe einer solchen Anlage Stromkosten sparen wollen, müssten so nicht bis zum von der Bundesregierung beschlossenen Wechsel des Stromzählers zum Smartmeter warten. Die aktuellen VDE-Normen und die meisten ​​Netzbetreiber verlangen momentan allerdings noch bei Balkonkraftwerken den Einbau von Zweirichtungszählern und bieten keinen Raum für Alternativen.

Lobbyverband VDE

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) ist ein 1893 unter dem Namen Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) gegründeter technisch-wissenschaftlicher Verband in Deutschland. Er ist eingetragener Lobbyverband im Bundestag.

Um die bürokratischen Hürden auf ein Minimum zu reduzieren, sollte es in Zukunft nur noch nötig sein, das Balkonkraftwerk bei der Bundesnetzagentur an- beziehungsweise abzumelden oder Änderungen an der Anlage zu melden. Momentan muss ein Balkonkraftwerk wie jede andere Stromerzeugungsanlage beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet werden. Hinzu kommt noch eine umständliche Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.

Erneuerbare Energien: Betrieb von Balkonkraftwerken soll einfacher werden

Grundsätzlich bevorzugt der VDE die Installation durch das Fachhandwerk, da nur so die Möglichkeit besteht, die Installation auf Tauglichkeit zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Um die flächendeckende Verwendung von Balkonkraftwerken zu ermöglichen, spricht sich der VDE dafür aus, den Schuko-Stecker für die Einspeisung bis zu der Bagatellgrenze von 800 Watt zu dulden.

Final fordert der VDE von den Herstellern von steckerfertigen Balkonkraftwerken, dass sie mögliche Risiken bei deren Verwendung transparent aufzeigen. Dies betrifft unter anderem die Beschreibung der sicheren Montage und Inbetriebnahme. Auch soll der Hersteller dazu verpflichtet werden, die elektrische Sicherheit der Anlagen zu gewährleisten. Der VDE empfiehlt die Prüfung von Balkonkraftwerken durch ein unabhängiges Prüfinstitut, damit der Kunde zu Hause ein sicheres Gerät in Betrieb nehmen kann.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa/Archiv

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