Energiewende
Heizen mit Wärmepumpe: Diese Tipps für die Umstellung sollten Hausbesitzer kennen
Viele Immobilienbesitzer werden absehbar auf Wärmepumpe umsteigen müssen. Allerdings sollte bei der Umstellung auf das Heizsystem einiges beachtet werden.
München – Der Plan der Bundesregierung, ab 2024 den Einbau von Heizungen, die zu 65 Prozent aus erneuerbaren Quellen gespeist werden, zu fördern, nimmt immer konkretere Züge an. In Deutschland werden deshalb zahlreiche Hausbesitzer zukünftig gezwungen sein, ihr Heizsystem auf Wärmepumpen umzustellen.
Doch vor einem Umbau müssen wichtige Fragen geklärt werden, wie etwa: Welches Heizsystem ist das richtige für mein Haus? Wie viel kostet der Umbau? Wie hoch wird der Stromverbrauch? Und welche Förderungen gibt es? Wir sprachen mit einem Experten.
Energiewende in Deutschland: Sechs Millionen Wärmepumpen bis 2030 geplant
Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck (Grüne), sind sich einig. Sie wollen ein generelles Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 durchsetzen. Nicht zuletzt deswegen boomen Wärmepumpen als Heizoption. Für Klimaschutz und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen plant die Bundesregierung, bis 2030 den Einbau von sechs Millionen Wärmepumpen.
Preise für Wärmepumpe: Anschaffung und Installation deutlich teurer als andere Heizungen
Doch Wärmepumpen, die den Großteil der Energie zum Heizen aus der Umweltluft ziehen, sind in Anschaffung und Installation im Vergleich zu Gas- und Ölheizungen deutlich teurer. Habeck betont deshalb, dass die Pläne für den Umbau von Heizungssystemen durch „große sozialpolitische Unterstützungsmaßnahmen“ begleitet werden sollen. Es wird also weitere öffentliche Zuschüsse geben. Wärmepumpen werden durch staatliche Fördermittel unterstützt, bisher trägt der Staat bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten für den Kauf und Einbau.
Tipps für die Umstellung auf Wärmepumpen – Experte klärt auf
Im Jahr 2022 wurden 236.000 Wärmepumpen verkauft, was einem Anstieg von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, so die Zahlen des Bundesverbandes Wärmepumpe BWP. Doch auch wenn Experten immer wieder Irrtümer über Wärmepumpen aufklären müssen, Fakt ist: Damit die Wärmepumpe effizient arbeitet, ist es entscheidend, dass Heizlast, Geräteleistung und Heizkörper optimal aufeinander abgestimmt sind.
Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe nutzt die Wärme aus der Umgebungsluft, aus dem Erdreich oder dem Grundwasser. Sie besteht aus einem geschlossenen Kreislaufsystem, das ein Kältemittel enthält und ähnlich wie ein Kühlschrank funktioniert. Das Kältemittel wird in einem Verdampfer auf niedriger Temperatur verdampft, wodurch es Wärme aus der Umgebung (aus der Luft, dem Erdreich oder Wasser) aufnimmt.
Das dampfförmige Kältemittel wird anschließend durch einen Kompressor auf höhere Temperatur und Druck gebracht und wieder verflüssigt, wobei die aufgenommene Wärme an das Heizsystem abgegeben wird. Für den Betrieb ist Strom erforderlich, allerdings wird dieser nicht direkt zum Aufheizen genutzt. Dadurch wird deutlich mehr Wärmeenergie erzeugt, als elektrische Energie aufgewendet wurde. Die Effizienz einer Wärmepumpe wird durch den sogenannten Coefficient of Performance (COP) gemessen, der das Verhältnis von abgegebener Wärme zur eingesetzten elektrischen Energie angibt. Eine Wärmepumpe, die einen COP von 4 hat, gibt also für jede eingesetzte Einheit elektrischer Energie vier Einheiten Wärme ab.
„Andernfalls können nicht nur die Anschaffungskosten der Wärmepumpe zu hoch ausfallen, sondern auch die Betriebskosten für den Strom, mit dem die Pumpe betrieben wird“, so Marcus Dietmann von 42watt, einem Münchener Start-up, das Fördermittel- und Energieberatung für Gebäude anbietet.
Umstellung auf Wärmepumpe – das sollten Eigentümer vor dem Einbau über Nachteile wissen
Dietmann, der mit seinem Unternehmen dazu beitragen möchte, den Energieverbrauch auch in Bestandsimmobilien auf ein Minimum zu senken, erklärt, worauf Immobilienbesitzer achten müssen. „Zunächst muss der Wärmebedarf, also die nötige Heizlast der Wohnung oder des Hauses ermittelt werden – also wie viel Energie benötigt wird, um den Raum auf 20 Grad zu heizen“.
Zehn Tipps, wie Sie im Garten Energie sparen können




Heizlast und Stromverbrauch bei Wärmepumpen sind für Wahl entscheidender Faktor
Diese Heizlast ist für die Auswahl der passenden Wärmepumpe von großer Bedeutung. Die Heizlast kann anhand bestimmter Parameter geschätzt werden. Entscheidend sind beispielsweise das Baujahr, die Dämmung und die Wohnfläche sowie die Größe der Heizkörper. Zunächst wird die spezifische Heizlast – also die Energie, die benötigt wird, um die Raumtemperatur bei etwa 20 Grad Celsius zu halten – ermittelt.
Nach eine Faustregel wird bei Einfamilienhäusern bis zum Baujahr 1958 wird ein Wert von 180 Watt pro Quadratmeter angenommen, bei Häusern ab Baujahr 1995 aber nur noch 60 Watt pro Quadratmeter.
Heizlast pro m2: Formel gilt als Faustregel für Immobilien
| Baujahr: | Jährliche Heizlast pro m² im Einfamilienhaus: |
|---|---|
| bis 1958 | 180 W/m² |
| 1959 - 1968 | 170 W/m² |
| 1974 - 1977 | 115 W/m |
| 1978 - 1983 | 95 W/m² |
| 1984 - 1994 | 75 W/m² |
| ab 1995 | 60 W/m² |
Wärmepumpen: Größte Effizienz bei niedrigen Vorlauftemperaturen
„Es wird oft gesagt, dass Wärmepumpen nur für gut gedämmte Neubauten geeignet sind. Das stimmt aber nicht“, erklärt 42watt-Gründer Dietmann, „am effizientesten funktionieren Wärmepumpen allerdings bei niedrigen Vorlauftemperaturen“. Zwar sind inzwischen in mehr als der Hälfte aller neuen Wohnhäuser Wärmepumpen eingesetzt.
Dennoch können sie auch in alten Bestandsgebäuden sehr gut installiert werden – auch im Zuge einer Renovierung oder beim Austausch der alten Öl- oder Gasheizung. „Dann können im besten Fall auch gleich die Heizkörper und die Gebäudedämmung angepasst werden“, so Dietmann. Untersuchungen des Fraunhofer ISE haben aber gezeigt, dass Wärmepumpen selbst in eher schlecht isolierten Altbauten eine gute Energieeffizienz erreichen. In den Studien wurden durchschnittliche Jahresarbeitszahlen von 3,1 für Luft-Wasser-Wärmepumpen erzielt. Das bedeutet, dass mit jeder Kilowattstunde Strom 3,1 Kilowattstunden Wärme abgegeben wurde.
Heizkörper auf Vorlauftemperatur checken: Das sollte beim Einbau von Wärmepumpen beachtet werden
Diese Jahresarbeitszahl fällt aber umso niedriger aus, je höher die sogenannte Vorlauftemperatur sein muss, um eine gute Wärme im Raum zu erreichen. „Allgemein geht man davon aus, dass es erst ab einer Vorlauftemperatur von über 55 Grad ineffizient wird“, weiß Marcus Dietmann.
„Um zu testen, wie hoch diese bei bestehenden Heizkörpern sein muss, um ausreichend Wärme in die Räume zu bringen, kann jeder über die zentralen Voreinstellungen des bestehenden Heizsystems testen“, rät der 42watt-CPO. Das sollte jedoch am besten an wirklich kalten Tagen geschehen, um ein realistisches Bild zu bekommen.
Wärme aus Erdreich, Luft oder Grundwasser: Nicht jedes System eignet sich für jedes Haus
„Es ist von großer Bedeutung, auch die Art und die Größe der Wärmepumpe sorgfältig zu planen, um möglichst effizient und umweltfreundlich heizen zu können“, gibt Dietmann zu bedenken. Welches System, also ob Luft-, Wasser- oder Erd-Wärmepumpe und mit welcher Leistung, muss jeweils individuell entschieden werden. „Für Luftwärmepumpen ist in der Regel keine Genehmigung erforderlich, werden jedoch Grundwasser- oder Erdreich als Wärmequelle genutzt, müssen im Vorfeld Genehmigungen und Gutachten eingeholt werden“.
„Doch obwohl Wärmepumpen vielleicht in der Anschaffung teurer erscheinen, lohnt sich die Investition bei richtiger Planung auf lange Sicht durch die niedrigen Betriebskosten“, so Marcus Dietmann. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie, die das Heizen mit Wärmepumpe und Wasserstoff verglich. Weitere gute Nachricht für Verbraucher: Im Verhältnis zu anderen Heizungssystemen sind auch die Wartungskosten bei reinen Wärmepumpen niedriger.
Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa/Montage
