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Für den Start in die Schule braucht es mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen. Viel wichtiger für die Schulreife ist die persönliche Entwicklung. Wir klären, worauf Eltern von Kann-Kindern achten sollten.
Ab sechs Jahren sind alle Kinder in Deutschland schulpflichtig. Der Stichtag dafür variiert von Bundesland zu Bundesland zwischen dem 01. Juli und dem 30. September. Das bedeutet, dass Kinder, die in dieser Zeit sechs Jahre alt werden, eingeschult werden können, aber nicht müssen. Sie sind sogenannte „Kann-Kinder“.
Kann-Kind-Test bei der Einschulungsuntersuchung
Ob ein Kind bereit für die Einschulung und den ersten Schultag ist, ergibt sich aus verschiedenen Faktoren, die auch bei der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung überprüft werden. Körperliche Voraussetzungen sind zum Beispiel Rückwärtslaufen, das Gleichgewicht zu halten oder von einem auf das andere Bein zu hüpfen. An kognitiven Aufgaben werden unter anderem Dinge überprüft, wie den eigenen Namen zu schreiben, Bildunterschiede zu erkennen oder Farben und Formen zu benennen. Auch sprachliche Fähigkeiten wie der Wortschatz werden getestet, ebenso die Feinmotorik. Ein Kind, das bereit für die Schule ist, zeigt Interesse am Lernen und ist in der Lage, diese Fähigkeiten auch vor anderen zu demonstrieren.
Persönliche Reife für Kann-Kinder entscheidend
Noch wichtiger als die schulischen Fähigkeiten ist die emotionale Reife des Kindes, um zu entscheiden, ob die frühe Einschulung der richtige Weg ist. Ein schulreifes Kind kann angemessen mit anderen Kindern und Erwachsenen interagieren. Dazu gehört es, teilen zu können, gemeinsam Konflikte zu lösen und wie wahrscheinlich sich das Kind an die Klassenregeln halten wird. Auch ein gutes Maß an Frustrationstoleranz gehört zur Schulreife.
Ist mein Kind wirklich schon bereit?
Die Entscheidung, ob ein Kind bereit ist, in die Schule zu gehen oder nicht, ist für Eltern nicht leicht. Gespräche mit den Erzieherinnen und Erziehern sowie eine ärztliche Meinung können helfen. Aber auch noch einmal selbst über die Fähigkeiten des eigenen Kindes zu reflektieren, ist hilfreich bei der Einschätzung. Diese Fragen sollten sich alle Eltern stellen, die überlegen, ihr Kann-Kind einschulen zu lassen:
Ist mein Kind kognitiv und sprachlich bereit für die Anforderungen des Unterrichts?
Hat mein Kind die notwendigen sozialen Fähigkeiten, um sich in der Schule wohlzufühlen?
Ist es in der Lage, mit Stresssituationen in der Schule umzugehen?
Zeigt mein Kind Interesse und Motivation zu lernen?
Stimmt die Meinung der Erzieherinnen und Erzieher mit meiner überein?
Wie ist die individuelle Entwicklung im Vergleich zu anderen Kindern, die in diesem Schuljahr eingeschult werden sollen?
Wird mein Kind zusätzliche Unterstützung benötigen, wenn es eingeschult wird?
Wie gut kann sich mein Kind an neue Umgebungen und Routinen anpassen?
Was sagt mein Bauchgefühl zur Einschulung meines Kindes?
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Unsere Kolumnistin Saskia Wöhler hat ihr Kann-Kind frühzeitig einschulen lassen. Heute bereut sie diese Entscheidung, denn nach plagenden Jahren voller Bauchweh und Schulangst, bei der nichts helfen wollte wird ihr Sohn nun ein Schuljahr wiederholen. Sie erinnert sich: „Wir haben mit dem frühen Einschulen für unseren Sohn die falsche Entscheidung getroffen. Hätten wir erfahrenere Erzieherinnen gehabt, wäre die Kommunikation zwischen Grundschullehrern und Erziehern besser oder wäre der Termin bei der Amtsärztin früher gewesen – uns wären drei Jahre Auf und Ab und einige Einschnitte im Selbstbewusstsein unseres Sohnes erspart geblieben.“