Jede dritte Mutter betroffen

Mom-Impostor-Syndrom: Jede dritte Frau glaubt, an der Rolle als Mutter zu scheitern

Für das vermeintliche Scheitern hat sich der Begriff „Mom-Imposter-Syndrom“ etabliert. Was helfen kann, die schlechten Gedankenmuster zu durchbrechen.

Für einige Frauen ist es das größte Glück, Mutter zu sein – dennoch kann es Phasen geben, die so überwältigend und fordernd sind, dass die eigenen Grenzen erreicht werden. Das ist ganz normal: Eine Studie der Online-Therapieplattform HelloBetter zeigt, dass jede dritte Mutter unter 35 Jahren unter dem Mom-Impostor-Syndrom leidet.

Was versteht man unter dem Mom-Impostor-Syndrom?

Selbstzweifel können zermürbend sein, doch mit einigen Schritten kann man das Mom-Impostor-Syndrom besiegen. (Symbolbild)

Das Impostor-Syndrom ist auch unter Hochstapler-Syndrom bekannt. Betroffene denken in verschiedenen Bereichen nicht fähig zu sein, obwohl sie über Kompetenzen verfügen und Erfolge erzielen. Leiden Mütter darunter, kann es sein, dass diese sich als Versagerin fühlen und unsicher sind. Chronischer Stress, Angstzustände und Schlaflosigkeit können die Folge sein.

„Dieses gefühlte Scheitern verstärkt den Druck, der bei vielen auch durch hohe Ansprüche an sich selbst entsteht. Im Zusammenhang mit den Gründen für Mental Load wird das besonders deutlich“, sagt Dr. Hanne Horvath, Psychologin und Mitgründerin der Online-Therapieplattform HelloBetter. Aber auch Druck von außen kann dafür sorgen, dass Mütter an sich zweifeln.

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So lässt sich das Mom-Impostor-Syndrom überwinden

„Im Fall des Mom-Impostor-Syndroms ist insbesondere der ehrliche Austausch mit anderen Müttern wertvoll. Die Gewissheit, nicht alleine zu sein, beendet zwar nicht unmittelbar das Leiden, aber es kann dazu führen, dass sich ein Gefühl der Beruhigung und Erleichterung einstellt“, sagt Horvath gegenüber Morgenpost.de. Hilfreich können aber auch folgende Tipps sein:

  • Sich den Gefühlen bewusst werden: Ganz wertfrei sollte der Ist-Zustand erkannt werden, berichtet Choosingtherapie.com
  • Sich nicht mit anderen vergleichen: Alle haben eigene Herausforderungen zu bewältigen, daher ist es ratsam, sich nicht mit anderen Müttern zu vergleichen. In dem Zusammenhang sollten Social-Media-Accounts, die schlechte Gefühle verursachen, bewusst gemieden werden. Denn gerade dort werden meist nur positive Momentaufnahmen gezeigt, die die Realität verzerren und so leicht unter Druck setzen können.
  • Sichere Umgebung schaffen: Suchen Sie sich Freundinnen, die vielleicht auch Mütter sind, mit denen ein offenes Gespräch möglich ist. Dafür ist gegenseitiges Vertrauen erforderlich.
  • Selbstbewusstsein stärken: Das kann beispielsweise dadurch geschehen, dass die eigenen Erfolge abends aufgelistet werden. All die Punkte, die auf der Habenseite stehen, können dafür sorgen, dass die Selbstzweifel und schlechten Gefühle in den Hintergrund geraten. Der Fokus auf die gelungenen Aufgaben stärkt das Vertrauen der Mütter in sich selbst. Langfristig ist es so möglich, aus alten Gedankenmustern auszubrechen und zu folgendem Standpunkt zu kommen: „So wie ich bin, bin ich gut – ich muss nicht perfekt sein“. Mamas sollten nicht so hart zu sich sein.
  • Etwas für sich selbst tun: Mütter sollten sich bewusst Zeit nehmen, zu entschleunigen und in das eigene Wohlbefinden investieren.
  • Sich Hilfe holen: Zu bemerken, dass die Strategien nicht funktionieren und professionelle Hilfe notwendig ist, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.

Die Ohrfeige war bis in die 80er verbreitet: Wie sich die Erziehung verändert hat

Schulklasse, die gemeinsam etwas erarbeitet.
Stillsitzen – das wurde früher noch regelmäßig in der Schule gefordert. Beim Kirchenbesuch oder den Großeltern lief es ähnlich ab. Hibbeln oder wippeln, immer etwas in den Händen zu haben war selten irgendwo gern gesehen. Heute ist das anders. Studien zeigen, dass Bewegung zwischendurch das Lernen unterstützt und auch insgesamt sind sich Experten einig: Mehr Bewegung, auch über die Schule hinaus, wäre wünschenswert. Das bedeutet aber nicht, dass Kinder in der Kirche oder einem feinen Restaurant umherrennen sollten – das wann und wo ist auch heute noch wichtig. (Symbolbild) © Wavebreak Media Ltd/Imago
Ein Kind balanciert auf einem Stamm am Meer.
Balancieren, auf einem Bein stehen, rückwärts gehen – bei Vorschuluntersuchungen fällt immer wieder auf, dass Fünfjährige immer öfter Probleme bei diesen Aufgaben haben. Besonders in größeren Städten sind bis zu 40 Prozent der Kinder motorisch etwas unterentwickelt. In der Grundschule selbst werden Seil- oder Stangenklettern im Sportunterricht seltener, weil immer weniger Kinder dies können. Aber das ist in der Regel kein Grund zur Besorgnis, denn in dem Alter kann viel aufgeholt werden. (Symbolbild) © Cavan Images/Imago
Ein Kind bindet seinen Schuh mit einer Schleife.
Wissen Sie noch, wie alt Sie waren, als Sie das Schleife binden lernten? Vor gut 20 Jahren wetteiferte man im Kindergarten darum, wer das noch vor der Einschulung fertigbringt. Heute kann sich gerade mal die Hälfte der Vier- bis Fünfjährigen ohne Hilfe anziehen, inklusive Schuhe binden. Einige Grundschulen haben darauf reagiert – und verbieten Schnürsenkel. Die Lehrenden haben einfach Besseres zu tun, als den ganzen Tag Schleifen an Kinderschuhen zu binden. (Symbolbild) © eyevisto/Imago
Ein Junge wäscht ab.
Wussten Sie, dass nur 23,5 Prozent der Haushalte 1983 Spülmaschinen besaßen? Heute sind es knapp 72 Prozent. Es ist daher kaum verwunderlich, dass Kinder heute nicht mehr überall beim Abwasch helfen müssen. Auch beim Staubsaugen wird immer weniger Unterstützung gefordert, schließlich gibt es in immer mehr Familien Saugroboter. Trotzdem: Kinder können – und sollen – durchaus im Haushalt helfen. Das steht sogar im Gesetz (§ 1619 BGB). In welchem Maße bleibt natürlich den Eltern überlassen, aber häufig sind Hilfe beim Tischdecken/-abräumen oder das Einräumen der Spülmaschine üblich, auch für Kinder ab drei Jahren. (Symbolbild) © Valentina Barreto/Imago
Junge versteckt sich ängstlich unter einem Tisch.
Prügel, Schläge, Angst – früher war der Rohstock im Klassenzimmer weit verbreitet. In der DDR wurde er (und damit die Prügelstrafe) 1949 aus der Schule verbannt. Langsam folgte auch der Rest Deutschlands, in Teilen von Bayern wurde aber bis Anfang der 1980er Jahre immer noch auf diese Art durchgegriffen. Und erst seit 2000 gilt, laut Gesetz, endlich auch zu Hause: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ (§ 1631 BGB, Abs. 2) (Symbolbild) © Vasily Pindyurin/Imago
Ein Kind versteckt sich, es sind nur die Augen und die Mütze zu sehen.
„Gib‘ der Tante mal die Hand, Kind“ – der Spruch klingt nicht nur verstaubt, er ist es zum Glück auch. Da heute mehr auf die Kinder und ihre Bedürfnisse eingegangen wird, muss keiner mehr irgendwem die Hand oder ein Küsschen geben, wenn er oder sie das nicht möchte. Eine Wohltat, vor allem für schüchterne Sprösslinge. (Symbolbild) © Pawel Opaska/Imago
Junge allein im winterlichen Wald.
Mittagessen für die Geschwister machen, alleine zu Hause oder draußen sein: Viele Kinder mussten vor einigen Jahrzehnten diese Erfahrungen früh machen. Auch, wenn sie dafür vielleicht noch zu jung und von der Verantwortung überfordert waren. Heute haben Eltern mehr Zeit für ihre Kinder oder sorgen für entsprechende Betreuung und das Alleinsein kommt vergleichsweise spät. Das ist auf der einen Seite sehr löblich und gut, passierten doch früher auch oft Unfälle. Aber ein bisschen traurig ist es auf der anderen Seite auch, denn manchmal birgt ein kleiner Waldabschnitt viel mehr Möglichkeiten für Fantasie und Abenteuer als der moderne Spielplatz um die Ecke. (Symbolbild) © Frank van Delft/Imago

Mom-Impostor-Syndrom: Mütter sind nicht allein – Reaktionen im Netz

Mütter tauschen sich auf der Plattform Reddit.com über Selbstzweifel und Ansichten aus – deutlich wird dabei vor allem, dass niemand mit schlechten Gedanken allein ist und sich deswegen schämen sollte. Eine Auswahl der Kommentare aus der Mütter-Community:

  • „Ich habe mich oft so gefühlt und mich meiner eigenen Mutter anvertraut. Sie sagte mir, dass es ihr damals ebenso ging. Genau wie ihrer Mutter oder Freundinnen. (...) Du machst das wundervoll – der Fakt, dass du zweifelst, zeigt, wie sehr du dich sorgst. Schlechte Eltern zweifeln nie an sich.“
  • „Ich denke so oft, dass ich mein Leben nicht so im Griff habe, wie es für andere Menschen den Anschein erweckt.“
  • „Du bist eine gute Mutter, glaube nicht den Lügen, die dir selbst erzählst.“
  • „Ich zweifle auch an mir...“

Rubriklistenbild: © HalfPoint Images/Imago

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