Corona-Pandemie
Studie aus England: Weniger Long Covid Fälle unter Omikron
Eine Studie aus England legt nahe, dass es unter Omikron im letzten Winter weniger Long Covid Fälle gab, als unter Delta. Worauf basiert diese Einschätzung?
London – Auch in Deutschland haben viele Menschen mit den Spätfolgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus zu kämpfen. Selbst bei Menschen ohne schwere Verläufe kann Long Covid auftreten. Eine Erhebung aus England kommt nun zu dem Schluss, dass die Fälle von Long Covid unter Omikron im vergangenen Winter seltener waren, als unter der Delta-Variante. Die Studienergebnisse geben nachvollziehbare Hinweise – gesichert sind sie indes nicht. Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?
Corona Long Covid: Studie aus England sieht weniger Long Covid Fälle unter Omikron
Corona und Long Covid beschäftigen die Forschung auch weiterhin, nicht nur in Deutschland. Eine Studie aus Großbritannien hat sich nun mit Fällen von Long Covid und dem jeweiligen prozentualen Anteil bei der Delta- und Omikron-Variante befasst. Die Untersuchung des renommierten Kings College in London kommt dabei zu einer interessanten Einschätzung: Die Fälle unter Omikron waren im vergangenen Winter seltener, als unter Delta. Seitdem sind allerdings neue Subtypen der Virusvariante aufgetaucht, etwa der Subtyp Omikron BA.5, der in Deutschland aktuell als Pandemietreiber wirkt.
Grundlage der Studie waren laut BBC knapp 100.000 Menschen, die die Symptome im Zuge ihrer Corona-Erkrankung in einer App aufgezeichnet hatten. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Während etwas über vier Prozent der Infizierten der Omikron-Welle von langfristigen Symptome berichteten, waren es unter den Infizierten der vorhergegangenen Delta-Welle etwa zehn Prozent – ein klarer Unterschied. Klar ist: Auch bei Omikron kann es indes trotz mildem Verlauf zu Spätfolgen kommen.
Long Covid: Insgesamt deutlich mehr Infektionen mit Omikron – „übertrumpfen“ geringeres Risiko
Die gesamte Zahl der von Long Covid Betroffenen lag dennoch unter Omikron deutlich höher. Grund hierfür ist, dass die Gesamtzahl der Infizierten mit der Virusvariante insgesamt deutlich höher lag. Der emeritierte Professor für angewandte Statistik an der Open University, Kevin McConway, erklärt laut BBC, bei der Omikron-Welle habe die Zahl der Infektionen das vermeintlich geringere Risiko um ein vielfaches „übertrumpft“. Die Omikron-Variante gilt als besonders infektiös.
Die Studiendaten lassen keine endgültige Erkenntnis zu, ob der unterschiedliche prozentuale Anteil von Long Covid Fällen je Variante tatsächlich auf die Beschaffenheit der entsprechenden Virusvarianten zurückgeht. Medienberichten zufolge hatten die Forschenden versucht, auch andere Faktoren zu berücksichtigen. Dazu gehörte unter anderem die Frage, wie weit die Impfung einer betroffenen Person gegen das Virus zurücklag. Letzten Endes sei es dennoch unmöglich, mit absoluter Gewissheit zu sagen, woran die Verteilung liegt, so die BBC. Auf den Impfschutz sollte sich dabei hingegen in jedem Fall nicht verlassen werden: Eine Impfung schützt laut Studien nicht wirklich gut vor Long Covid.
Long Covid: Welche Erkenntnisse lässt die Studie zu Omikron und Delta zu?
Der Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), hatte mit Blick auf die Pandemie kürzlich erklärt: „Wir erleben eine Sommerwelle, aber aufgrund der Omikronvariante und des hohen Impfniveaus gibt es vergleichsweise kaum schwere Verläufe - wie ein Blick in unsere Krankenhäuser zeigt.“ Dennoch, so Weil, brauche man angesichts steigender Infektionszahlen „auch im Sommer Schutzmaßnahmen wie beispielsweise die Maskenpflicht im ÖPNV“. Offensichtlich gibt es beim derzeitigen Impfniveau unter Omikron aktuell verhältnismäßig wenig schwere Verläufe, doch viele Fälle. Bezüglich Long Covid könnte das bei Omikron möglicherweise ähnlich sein: Viele Fälle, nur eben prozentual seltener Long Covid. Dennoch: Hohe Infektionszahlen lassen auch die Long Covid Fälle steigen.
Ein verändertes Handeln lässt sich mit der Studie also keineswegs begründen. Das sieht auch Kevin McConway so, er hebt vor allem einen Aspekt hervor, der bei dieser Frage entscheidend ist: McConway sagt, man habe „nicht wirklich eine Wahl“, mit welcher Virusvariante man infiziert würde. Weiterhin bleibt Vorsicht und eine effektive Impfkampagne der beste Schutz gegen das Virus. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht aktuell keinen Grund zur „Panik“, zur Vorsicht hingegen schon. Dazu gehört auch, sich nicht auf Hinweisen aus einer Studie wie der aus London auszuruhen – die im Übrigen keinerlei Aufschluss darüber gibt, wie sich kommende Varianten verhalten.
Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek
