Klimawandel in der Ostsee
Die Ostsee erwärmt sich besonders schnell – welche Gefahren jetzt drohen
In der Ostsee werden die Spuren des Klimawandels besonders sichtbar: Sie erwärmt sich rascher als andere Meere. Und auch ihr Meeresspiegel steigt deutlicher als andernorts.
Rostock – In den vergangenen Monaten häuften sich die Meldungen zu Rekordtemperaturen: Nach einem zu heißen Juli war auch der Oktober dieses Jahres der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Und während die Außentemperaturen konstant ansteigen, steht es um den Zustand der Meere kaum anders: auch die Temperaturen von Nord- und Ostsee nehmen seit Jahren zu.
Wie sowohl Wetter.de als auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) übereinstimmend berichten, erwärmt sich die Ostsee dabei schneller als andere Meere. Im Oktober lag ihre Wassertemperatur bei 12.2 Grad Celsius im Monatsmittel. Für gewöhnlich ist die Ostsee zu dieser Jahreszeit 1,3 Grad kälter, wie der NDR ausgehend von einer Statistik des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) offen legt.
Globale Erwärmung wird in der Ostsee besonders sichtbar
Während sich die Oberflächentemperatur der Weltmeere im Durchschnitt der letzten Jahre um 0,02 Grad erwärmte, nahm sie in der Ostsee insgesamt um 0,04 Grad zu. Auch ihr Meeresspiegel stieg schneller als der anderer Meere: durchschnittlich um 4,5 Millimeter pro Jahr, im globalen Durchschnitt liegt der Mittelwert bei 3,1 Millimetern jährlich.
Zudem werden die Auswirkungen der globalen Erwärmung in der Ostsee auch anhand des schwindenden Meereises deutlich, wie es aus langfristigen Statistiken des BSH hervorgeht. Demnach zeigte sich in den vergangenen Jahren der Trend, dass sich Meereis in der Ostsee immer seltener und immer später im Jahr bildet. So hat sich der Zeitraum, in dem die Ostsee innerhalb eines Jahres zufriert, im letzten Jahrhundert um etwa 14 bis 44 Tage verkürzt, wie das Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht in einem Forschungsbericht feststellt.
Ostsee-Erwärmung: Folgen für Tier- und Pflanzenarten
Die Erwärmung der Ostsee infolge des Klimawandels hat direkte Auswirkungen auf die Ökosysteme und die darin lebenden Tierarten: Ist das Meerwasser zu warm, kann es weniger Sauerstoff aufnehmen. In der Folge mischt es sich dann schlechter mit darunter liegenden Wasserschichten. Ein Sauerstoffmangel im Wasser bedeutet für viele Tierarten, dass sie nicht mehr in größeren Tiefen überlebensfähig sind.
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Besonders davon betroffen sind Bodentiere und Pflanzen, da sie nicht in der Lage sind, einfach das Gewässer zu wechseln. Doch auch kommerziell bedeutende Fischarten wie Hering oder Dorsch bevorzugen bestimmte Wassertemperaturen. Wird das Meerwasser zu warm, wandern die Fische konsequent in nördlichere Gebiete ab.
Hohe Wassertemperaturen fördern Ausbreitung von Krankheitserregern
Ist die Ostsee zu warm, bringt das aber noch ein weiteres Gefahrenpotenzial mit sich: So vermehren sich bei wärmeren Wassertemperaturen auch Bakterien und Krankheitserreger wie Vibrionen im Wasser schneller. Vibrionen sind Bakterien, die sich im warmen Meerwasser mit niedrigem Salzgehalt vermehren. Eine Infektion kann über Wunden geschehen, wofür auch schon kleinere Kratz- oder Schürfwunden ausreichen können, wie unter anderem bereits der ADAC warnte.
Infolge einer Vibrionen-Infektion kann es zu schweren Wundinfektionen kommen. Im schlimmsten Fall kann das sogar lebensbedrohliche Folgen haben. Dies zeigte auch der Fall eines Mannes, der sich im September mit Vibrionen in der Ostsee infizierte und schließlich an den Folgen starb. Nicht zuletzt hat die Vibrionen-Ausbreitung aufgrund konstant steigender Wassertemperaturen auch negative Folgen für den Tourismus: Werden Vibrionen in der Ostsee nachgewiesen, zieht das meist direkt ein Badeverbot für jeweilige Strandabschnitte mit sich.
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