„Ekelhaft“-Vorwurf

Wirbel um Carbonara-Ursprung: Italienischer Koch sorgt mit 70 Jahre altem Rezept für Aufregung

Ein Koch aus Italien ist auf ein altes Spaghetti-Carbonara-Rezept gestoßen. Er glaubt, dass es der Ursprung des Gerichts ist. Doch, stimmt das auch?

München – An der Frage, welche Zutaten zu Spaghetti Carbonara gehören, scheiden sich die Geister – sogar hierzulande. Während einige darauf bestehen, Sahne beizumischen, setzen andere auf das scheinbar puristische Rezept. Das sieht nur Spaghetti, Speck aus der Schweinebacke, den die Menschen in Italien als Guanciale bezeichnen, den Hartkäse Peccorino sowie Eier und Pfeffer vor. Aber handelt es sich dabei tatsächlich um ein traditionelles Rezept? Luca Cesari, Koch und Fachmann für die Historie der italienischen Küche, äußerte kürzlich Zweifel daran und erntet eine Menge Kritik.

Koch aus Italien macht Entdeckung – Gab es Spaghetti Carbonara schon vor 1954?

Der Italiener hat mehrere Bücher veröffentlicht, in denen er der Geschichte von klassischen Nudelrezepten nachgeht. Nun hat er eine fast 70 Jahre alte Ausgabe der Zeitschrift La Cucina Italiana aufgetrieben. Darin sei das Carbonara-Rezept erstmals erwähnt worden. Demnach gehören Bauchspeck, Gruyère und Knoblauch dazu. Cesari datiert den Ursprung des Gerichtes somit auf das Jahr 1954.

Doch die Meinungen dazu gehen auseinander. Ein User von Instagram kann sich einen höhnischen Kommentar nicht verkneifen: „Schade, dass die Carbonara 1944, also zehn Jahre früher, erfunden wurde und von Cacio e Ovo abgeleitet ist.“ Damit ist er übrigens gar nicht so weit von dem entfernt, was Cesari selbst in seinem Buch „Die Geschichte der Pasta in zehn Gerichten“ bereits herausgearbeitet hat. „Die glaubhafteste These ist die von dem römischen Restaurant, das seit Ankunft der Alliierten 1944 aus der Not eine Tugend macht und Teile der Lebensmittelrationen mit lokalen Produkten kombinierte“, heißt es darin. Damit sind zwar noch nicht die Umstände geklärt, in denen das Gericht entstanden ist, aber das Jahr.

Internet-User halten Cesaris Carbonara-Erklärung für falsch

Darunter beginnen die Nutzer, Indizien zu sammeln, die gegen Cesaris Aussage sprechen. Einer schreibt: „Die Vorstellung, dass eine 1954 in Mailand herausgegebene Zeitschrift das richtige Rezept für ein vorwiegend römisches Gericht aus der Region Latium haben könnte, ist ein wenig utopisch.“ Die Entfernung sei zu groß, da es in der damaligen Zeit „schwierig war, zu reisen, zu kommunizieren und Informationen zu finden.“

Elf beliebte Nudel-Rezepte zur Pasta-Parade

Teller mit Spaghetti Bolognese mit Parmesan und gehackter Petersilie.
Den Anfang macht der Klassiker unter den Pasta-Rezepten: Spaghetti Bolognese.  © Einfach Tasty
Spaghetti mit Kürbis-Carbonara mit Speckwürfeln und Salbei.
Weiter geht es mit einem weiteren beliebten Klassiker in der Herbstversion: Das Rezept für eine leckere Kürbis-Carbonara wickelt alle um die Finger...ähm Gabeln. © Einfach Tasty
Nahaufnahme einer leuchtend gelben Portion Kürbis Mac n Cheese oder auch Kürbis-Käse-Makkaroni.
Herbstlich geht es weiter mit dem Rezept für Mac and Cheese in einer cremigen Kürbis-Käsesauce.  © Einfach Tasty
In der linken Bildhälfte ein Teller mit Penne mit Vier-Käse-Sauce und Spinat in einem großen tiefen Teller. Im Hintergrund hinten rechts ein rot kariertes Tuch auf dem Spinat, Knoblauch und eine Zwiebel liegen
Und was könnte besser sein als Käse? Richtig, mehr Käse. Ein authentisch italienisches Rezept: Pasta Quattro Formaggi, per favore! © Einfach Tasty
Eine Portion Nudelauflauf mit Hackfleisch auf einem Teller, von dem Käsefäden nach oben gezogen werden.
Viiiiiiel Käse darf bei diesem Rezept für einen Nudelauflauf mit Hackfleisch natürlich auch nicht fehlen.  © Einfach Tasty
Nahaufnahme von einem Teller mit Baked Feta Pasta mit Zucchini. Garniert mit Chiliflocken und Kresse
Wo wir gerade bei Käse sind: Bei diesem Rezept spielt der Feta die Hauptrolle. Baked Feta Pasta mit Zucchini gibt dem viralen Trend eine frische Wendung. © Einfach Tasty
Ein Teller mit baked Camembert Pasta. Garniert mit Cocktailtomaten, Zwiebeln und Thymian
Von Feta zu Camembert: Rezepte, bei denen cremiger Käse Fäden zieht, sind einfach unschlagbar. Mit der Baked Camembert Pasta erreicht Pasta-Perfektion neue Höhen. © Einfach Tasty
Blick auf eine Schale, gefüllt mit Wirsing-Pasta mit Speck.
Wohltuend, saisonal und lecker wird es beim herbstlichen Rezept für Wirsing-Pasta mit Speck.  © Einfach Tasty
Ein Teller mit Tagliatelle in Pfifferling-Rahmsauce.
Das Rezept für Tagliatelle in Pfifferling-Rahmsauce ist die Belohnung für den Waldspaziergang. Einfach das perfekte Essen für kalte Tage.  © Einfach Tasty
Auf einem Teller liegt Rotwein-Pasta mit Nusscrunch
Während Pilze mit Weißwein abgelöscht werden, gibt‘s in diesem Rezept viel Rotwein: Rotwein-Pasta mit Nusscrunch sieht so außergewöhnlich aus, wie sie schmeckt. © Einfach Tasty
Weißer Teller, gefüllt mit Penne in einer Tomaten-Wodka-Sauce.
Diese Pasta ist auch leicht beschwipst! Das Rezept für die virale Penne alla Vodka beendet die Pasta-Parade mit einem Paukenschlag.  © Einfach Tasty

Das lässt für ihn nur einen Rückschluss zu: „Das Einzige, was also sicher ist, ist, dass es, wenn es im Jahr 1954 veröffentlicht wurde, schon vorher existierte, und sicher nicht in Mailand.“ Er findet es irreführend und falsch, „das Rezept als „original“ zu bezeichnen, weil es in dieser Zeitschrift veröffentlicht wurde.“ Die Annahme berücksichtige den Kontext und andere Details nicht.

Carbonara-Rezept aus Italien stößt auf Abneigung

Aber nicht für alle ist Cesaris Erklärung für falsch. Es gibt auch User, die ihm zur Seite stehen. „Ich kenne Luca Cesari und er ist ein Historiker mit Kontakten!“, erklärt einer. „Als Römer sage ich der ignoranten Masse, dass Carbonara kein römisches Gericht ist, sondern ein Gericht ohne Herkunft und dass das, was Luca Cesari sagt, wahr ist!“

Ein User kommentiert nur mit dem Wort „ekelhaft“, womit er wohl seine Abneigung gegen das 70 Jahre alte Carbonara-Rezept ausdrücken will.

Der Ursprung der Spaghetti Carbonara bleibt weiterhin ungeklärt.

Auch wenn die Herkunft der Spaghetti Carbonara aktuell nicht geklärt werden kann, macht Cesaris Fund eine Sache deutlich. Traditionsgerichte unterliegen einem Wandel und werden immer wieder an regionale und aktuelle Trends angepasst. Welche Auswüchse dies zum Teil annimmt, hat der Italienische Verband von Bauern und Lebensmittelherstellern (Coldiretti) kürzlich in seiner Ausstellung Pizzeria des Schreckens präsentiert.

Rubriklistenbild: © instagram.com/luca_cesari_storia_e_cucinas

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