Nicht die Aussicht auf Nachtisch

Verblüffende Taktik: Experiment enthüllt, wie Kinder mehr Obst und Gemüse essen

Um Kinder dazu zu motivieren, mehr Gemüse zu essen, ist anscheinend etwas „Magie“ erforderlich. Das legt zumindest eine Untersuchung nahe.

Übergewicht nimmt auch bei Kindern in den letzten Jahren immer weiter zu. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) liegen die Ursachen vor allem in den veränderten Lebensbedingungen, wie Bewegungsmangel und einer schlechten Ernährung. Dabei ist ausgewogenes und abwechslungsreiches Essen nicht nur für ein gesundes Gewicht, sondern auch für eine gute Nährstoffversorgung wichtig. Viele Kinder sind aber sogenannte „picky eaters“ (wählerische Esser) und verschmähen viele Obst- und Gemüsesorten. Was also tun? Ein wissenschaftliches Experiment liefert eine überraschende Antwort.

Strategie effektiver als Nachtisch oder Androhung einer Strafe

Obst ist reich an Vitaminen, wird aber nicht von allen Kindern gerne gegessen. (Symbolbild)

Der deutsche Psychologe Werner Sommer und seine Kollegen haben eine geniale Erziehungsstrategie entdeckt, die Kinder dazu ermutigen kann, Obst und Gemüse zu essen – und die sogar effektiver ist als das Versprechen eines Nachtischs oder die Androhung einer Strafe.

Die Verhaltensforscher erfanden ein Märchen, in dem der Protagonist durch Obst und Gemüse mit magischen Eigenschaften vor Krankheiten gerettet wurde. Und weckten damit das Interesse der Kinder an diesen Lebensmitteln. Ihre Studienergebnisse veröffentlichte das Forscherteam der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Nairobi in der Zeitschrift „Appetite“ .

Welche Lebensmittel zu über 50 Prozent aus Zucker bestehen

Nahaufnahme von herkömmlichen Bonbons
Es kann der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge davon ausgegangen werden, dass Bonbons im Schnitt zu 97 Prozent aus Zucker bestehen. Damit bilden sie die Spitze der zuckerreichen Lebensmittel. © Imago/Panthermedia
Rote Gummibärchen in Reihen, auf blauem Hintergrund
Gummibärchen bestehen aus bis zu 77 Prozent Zucker. Damit zählen sie zu den Genussmitteln, die nicht täglich gegessen werden sollten. © Lucas Seebacher/Imago
Kakaohaltiges Getränkepulver in einem Messlöffel
Kakao entfaltet viele positive Effekte im Organismus. So informiert die AOK, dass der Inhaltsstoff und sekundäre Pflanzenstoff Epicatechin die Gehirndurchblutung anregt. Außerdem sei in Kakao Theobromin enthalten, das stimulierend auf das zentrale Nervensystem wirkt und einen stimmungsaufhellenden Effekt habe. Vorsicht ist aber bei kakaohaltigen Getränkepulvern geboten. Denn diese enthalten meist wenig Kakao und viel Zucker – oft sogar bis zu 75 Prozent, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung informiert.  © Imago/Panthermedia
Schaumküsse in verschiedenen Variationen in einer Box
Schaumküsse in allen Variationen sind Ihre Leidenschaft? Zu oft sollten Sie sich der süßen Versuchung nicht hingeben. Denn die Süßigkeit besteht zu rund 65 Prozent aus raffiniertem Industriezucker. © Weingartner/Imago
Nuss-Nougat-Creme auf einem Stück Toast
Nussnougatcremes bestehen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge zu bis zu 60 Prozent aus purem Industriezucker. © Imago
Orangenmarmelade im Glas, drum herum Orangenscheiben
Auch Konfitüre zählt zu den zuckerreichen Lebensmitteln – mit einem Zuckergehalt von bis zu 60 Prozent. © Imago
Vollmilch-Schokoladenherzen
Vollmilchschokolade enthält ebenfalls viel raffinierten Industriezucker, bis zu 56 Prozent. Wer gesünder schlemmen möchte, sollte zu Zartbitterschokolade greifen. Diese enthält mehr gesundheitsförderlichen Kakao und weniger Zucker.  © Imago
Pfirsichstücke in Zuckersirup
Frisches Obst enthält zwar auch Zucker, sogenannten Fruchtzucker, jedoch ist dieser im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung völlig unbedenklich. Obstkonserven hingegen schlagen mit einem Industriezuckergehalt von bis zu 55 Prozent zu Buche. © Imago

20-minütige Geschichte erzielte überraschend starken Effekt

Die Forscher rekrutierten 80 Kindergartenkinder und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe hörte die Geschichte mit dem magischen Obst und Gemüse, die andere bekam eine ähnliche Geschichte erzählt, allerdings ohne die Erwähnung von Essen. Anschließend wurde den Kindern zwei Wochen lang jeden Tag zur Wahl gestellt, ob sie Obst, Gemüse, Kuchen oder Kekse als Snack essen wollen.

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Tatsächlich konnten die Forscher feststellen, dass bis zu 80 Prozent der Kinder, die die Geschichte über magisches Obst und Gemüse gehört hatten, in dieser Zeit mehr Obst und Gemüse wählten als Kinder in der Kontrollgruppe. Diese änderten ihre Snackgewohnheiten nicht. Offenbar hatte die Geschichte die Kinder dazu gebracht, selbst gesunde Entscheidungen zu treffen.

„Mit einer einzigen Geschichte, die nur etwa 20 Minuten dauerte, erzielten wir eine überraschend starke Veränderung von der Vorliebe für ungesunde Snacks hin zu einer Vorliebe für gesundes Obst oder Gemüse“, resümiert Werner Sommer gegenüber der Fachzeitschrift New Scientist.

Rubriklistenbild: © YAY Images/Imago

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