21-Jähriger will fortan in einer „ekeligen Truppe“ spielen
Auch aus Dank: Maxi Eggestein denkt nur an Werder
Zell - Es gibt da dieses ungeschriebene Gesetz im Fußball: Erst nach 50 Einsätzen bist du ein echter Bundesliga-Spieler. Werder-Profi Maximilian Eggestein hat sogar schon 57 Partien in der höchsten deutschen Spielklasse absolviert – und das mit gerade erst 21 Jahren.
Schon lockt das nächste Ziel: Führungsspieler. Maximilian Eggestein stellt sich selbstbewusst der Herausforderung bei Werder Bremen, will fortan mehr Verantwortung übernehmen, überschätzt sich dabei aber auch nicht. Das Kapitänsamt ist aktuell für ihn ebenso wenig ein Thema wie ein durchaus möglicher Vereinswechsel. Die Interessenten hat er abblitzen lassen, weil er Werder viel zu dankbar ist und eine Vision hat.
„Es gab ein, zwei Vereine, die sich erkundigt haben“
„In den nächsten Jahren kann hier etwas passieren. Diese Schritte will ich mitgehen“, sagt Eggestein und das Funkeln in seinen Augen verrät: Hier glaubt einer an die Wende in einem Club. Tschüss, Abstiegskampf, willkommen, obere Tabellenhälfte! Dort will Werder hin. Eggestein natürlich auch. Vielleicht hätte er sich auch einfacher in diese Sphären beamen können – mit einem Wechsel zu einem finanzstärkeren Club.
„Ja, es gab ein, zwei Vereine, die sich erkundigt haben“, bestätigt der Mittelfeldspieler. Namen nennt er nicht. Aber er hätte es wohl kaum erwähnt, wenn es keine interessanten Optionen gewesen wären. Eggestein ist keiner, der sich wichtiger macht, als er ist. Dazu passt ganz gut das Thema Kapitän. Ihm wurden Außenseiterchancen eingeräumt, sozusagen als Überraschungslösung. „Mit mir hat der Trainer darüber nicht gesprochen“, sagt Maximilian Eggestein und fügt umgehend noch an: „Ich glaube nicht, dass ich zu den Kandidaten gehöre, das wäre auch übertrieben.“
Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Nationalmannschaft. „Es gibt gerade auf meiner Position viele andere gute Spieler. Einige davon waren nicht mal bei der WM und stehen wahrscheinlich trotzdem noch über mir“, analysiert Eggestein. Also lenkt er das Thema auf die U 21-Auswahl: „Da haben wir nächstes Jahr ein großes Turnier.“ Die Europameisterschaft. Ein Fernziel.
Jetzt zählt nur Werder. „Hier habe ich ein gutes Gefühl“, sagt Eggestein – und erklärt damit auch sein kategorisches Nein zu einem Wechsel. Das Gefühl ist ihm wichtiger als ein Karriereplan. Den besitzt er gar nicht. Der junge Profi lässt sich von anderen – im Fußball fast vergessenen – Dingen leiten: „Ich gehe in mein achtes Jahr bei Werder. Ich habe hier alle Schritte gemacht, deshalb bin ich dem Verein auch sehr dankbar und möchte etwas zurückgeben. Ich fühle mich mit Werder verbunden.“ Und das Leben bestehe auch nicht nur aus Fußball, betont Eggestein: „Ich bin hier vier Jahre zur Schule gegangen, habe meine Freunde hier, also mein komplettes soziales Umfeld. Und dann ist auch noch die Familie in der Mannschaft.“ Gemeint ist Bruder Johannes.
Eggestein will mehr Verantwortung übernehmen
Als Teenager waren sie vor Jahren aus Hannover nach Bremen gewechselt. Der eineinhalb Jahre jüngere Johannes galt eigentlich als das größere Talent, wartet aber noch auf seinen Durchbruch. Jetzt muss er nach dem Training das machen, von dem der große Bruder befreit worden ist: Bälle einsammeln, Tore wegtragen.
Das ist etwas für Talente und nichts für gestandene Profis. „Es ist natürlich ein schönes Gefühl, in der Hierarchie nach oben gerutscht zu sein“, gesteht Eggestein. Aber darin sieht er sogleich auch eine Verpflichtung: „Ich habe mir vorgenommen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das ist mein Anspruch und ein Schritt, den ich in meiner Entwicklung jetzt machen muss.“
Maxi Eggestein: Sein Werder-Weg in Bildern




Eggestein könnte durchaus zum Ersatz von Thomas Delaney werden. Allerdings fehlt ihm dafür vielleicht noch diese Ellbogenmentalität des Dänen auf dem Platz. „Wir wollen ein stückweit eine ekelige Truppe sein, gegen die keiner gerne spielt“, bezieht Eggestein bei dem Thema zunächst noch seine Kollegen mit ein, um dann über seinen eigenen Ekel-Faktor zu sprechen: „Ich habe auch viel an meinem Zweikampfverhalten gearbeitet und bin da auf einem ganz guten Weg. Lassen wir das mal so stehen . . .“
Der 21-Jährige lacht. Er ist viel zu gut erzogen und zu clever, um den Journalisten ein vielleicht etwas zu „ekeliges“ Zitat zu liefern. Immer schön am Boden bleiben, keine unnötigen Sprüche klopfen. „Ich bin mit meinem Weg, ruhig und bedacht zu sein, bislang gut gefahren“, sagt er. 57 Bundesligaspiele sind der Beweis dafür.
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